Marktausblick Woche 13: Banger Blick nach Karlsruhe

iShares

Das Update zur Woche mit Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie bei BlackRock






BlackRock Marktausblick 30. März 2021



Nachdem am Donnerstag der Bundestag nach hitziger Debatte einem Wortungetüm namens Eigenmittelbeschluss-Ratifizierungsgesetz zugestimmt und der Bundesrat sich am Freitagmorgen angeschlossen hatte, ertönte aus Karlsruhe ein unerwarteter Paukenschlag. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) untersagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Ausfertigung des Gesetzes, nachdem eine Gruppe von Euroskeptikern zusätzlich zu einer Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz noch einen Eilantrag eingereicht hatte. Dass Karlsruhe den Bundespräsidenten auf diese Weise ausbremst, sagt zwar noch nichts über die Entscheidung des Gerichts in der Sache, deutet aber darauf hin, dass man es durchaus für angezeigt hielt, die Schaffung von eventuell schwer revidierbaren Fakten zumindest so lange zu verhindern, bis man sich ein differenziertes Bild der Lage gemacht hat. Das BVerfG hat denn auch angekündigt, nun zunächst zu prüfen, ob dem Antrag auf einstweilige Verfügung (sprich: Stopp des Next Generation EU-Fonds bis zur endgültigen Prüfung seiner Verfassungsmäßigkeit) stattgegeben wird.

Man mag sich an die Hochzeiten der Eurokrise, vor allem das Jahr 2012, erinnert fühlen, als immer wieder die üblichen Verdächtigen nach Karlsruhe pilgerten, um gegen irgendetwas zu klagen, das die Bundesregierung, die EZB, die EU-Kommission oder alle zusammen angeblich ausgefressen hatten. Es ging um Gegenstände wie den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), Anleihekäufe der EZB oder die (bis heute nie genutzten) Outright Monetary Transactions (OMT), mithin um die Frage, ob Deutschland sich an finanziellen Stärkungen Europas bzw. der Währungsunion beteiligen darf. Obwohl die rechtlichen Prüfungen und Entscheidungen, an denen zum Teil auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) beteiligt war, die Errichtung der jeweiligen Instrumente schlussendlich nicht verhinderten, säten sie doch Zweifel an der Konsistenz der Eurozone als Kern der europäischen Integration - mit Folgen für die Attraktivität europäischer Assets und Europa als Investitionsstandort insgesamt. Auch diesmal ist zu erwarten, dass die Entscheidung des BVerfG am Ende positiv ausfallen wird, wobei eine Weiterleitung an den EuGH eine wahrscheinliche Variante darstellt. Insofern ist allenfalls eine aufschiebende Wirkung zu erwarten. Schon dies könnte allerdings an den Märkten für Verstimmung sorgen, sofern es die geplante Platzierung von EU-Schuldtiteln, also der Finanzierungsquelle für das Gesamtvolumen von € 750 Mrd., verzögert. Denn alle 27 EU-Länder müssen zustimmen, bevor die Platzierung der Anleihen und Auszahlung der Mittel erfolgen kann.

Während Europa also einmal mehr im Klein-klein zu versinken droht, wird morgen Abend US-Präsident Joe Biden eine Rede halten, mit der er aller Voraussicht nach ein Infrastrukturpaket von rund drei Billionen US-Dollar ankündigen wird. Erst vor wenigen Tagen war der „American Rescue Plan“, eine Art Corona-Soforthilfe, im Umfang von 1,9 Billionen USD nach mehrfachem Hin und Her durch den Kongress gegangen, die ersten Hilfsschecks an Haushalte sind bereits versandt. Interessant dürfte sein, wie sich die republikanische Opposition zu dem 3 Billionen-Paket verhält, denn Teile davon entsprechen durchaus republikanischen Forderungen. So könnte es sein, dass die Biden-Administration das Paket in zwei Tranchen aufteilt, um zunächst diejenigen durchzubringen, über die weitgehend Einigkeit herrscht, vor allem im Bereich dringend benötigter Investitionen in Straßen, Brücken und Eisenbahnstrecken, vermutlich ergänzt um Ausgaben für grüne Technologie. Erst später könnte dann der Versuch folgen, Investitionen etwa in die Wohninfrastruktur durchzusetzen, vor allem für ärmere Amerikaner. Es wird sich vor allem zeigen, ob die kompromisslose Verweigerungshaltung, zu der Mitch McConnell, Republikanerchef im Senat, seine Partei seit der Obama-Präsidentschaft verdonnert, sich auch während der Biden-Amtszeit fortsetzt. Falls ja (und vieles spricht dafür), tut Biden gut daran, sich mit seiner Agenda zu beeilen, um möglichst viel bis zu den Mid-Terms 2022 auf den Weg zu bringen.

Technologieaktien bleiben interessant

Die Tatsache, dass mit Blick auf das zu erwartende wirtschaftliche Durchstarten in der zweiten Jahreshälfte die bisher vernachlässigten Value-Aktien interessant geworden sind, bedeutet nicht, dass im Gegenzug Technologie jetzt unattraktiv ist. Allein die Differenziertheit des Technologiesektors, welche Indexgrenzen und andere Standardabgrenzungen nicht immer ideal wiedergeben, spricht für den Blick über den Tellerrand. Etwa in solche Bereiche, bei deren Entwicklung wir bisher vermutlich erst die Anfänge gesehen haben, zum Beispiel künstliche Intelligenz oder grüne Technologie, aber auch altbekannte Segmente wie etwa Halbleiter, in denen gegenwärtig starke Nachfrage zu günstigen Gewinnerwartungen Anlass gibt. Und dass die Zinsen im Verhältnis zur Inflation vergleichsweise mäßig bleiben sollten, ganz im Sinne unserer Vorstellung einer „neuen Nominalzinswelt“, dürfte Technologieaktien in diesem Jahr zusätzlich in die Karten spielen.

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Erhalten Sie von iShares 1x monatlich: Experteneinschätzungen zum Marktgeschehen, aktuelle Produkttrends und Neues zum Thema ETF-Sparen.Jetzt anmelden



Wichtige Hinweise

Alle Meinungen und Schätzungen in diesem Dokument, einschließlich Renditeprognosen, spiegeln unsere Beurteilung bei Redaktionsschluss wider, können ohne vorherige Ankündigung geändert werden und beruhen auf Annahmen, die sich möglicherweise nicht als zutreffend erweisen.

Risikohinweise

Kapitalrisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich angelegten Betrag möglicherweise nicht zurück.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für aktuelle oder zukünftige Ergebnisse und sollte nicht der einzige Faktor sein, der bei der Auswahl eines Produkts oder einer Strategie berücksichtigt wird.

Änderungen der Wechselkurse zwischen Währungen können dazu führen, dass der Wert von Anlagen sinkt oder steigt. Bei Fonds mit höherer Volatilität können die Schwankungen besonders ausgeprägt sein, und der Wert einer Anlage kann plötzlich und erheblich fallen. Steuersätze und die Grundlagen für die Besteuerung können sich von Zeit zu Zeit ändern.

Rechtliche Informationen

Bis zum 31. Dezember 2020 ist der Herausgeber BlackRock Advisors (UK) Limited, ein von der britischen Financial Conduct Authority („FCA“) zugelassenes und beaufsichtigtes Unternehmen. Sitz: 12 Throgmorton Avenue, London, EC2N 2DL, England, Tel. +44 (0)20 7743 3000. Eingetragen in England und Wales unter der Nummer 00796793. Zu Ihrem Schutz werden Telefonate üblicherweise aufgezeichnet. Eine Liste aller Aktivitäten, für die BlackRock zugelassen ist, finden Sie auf der Website der Financial Conduct Authority.

Falls Großbritannien und die Europäische Union keine Vereinbarung abschließen, die es Unternehmen in Großbritannien erlaubt, in den Europäischen Wirtschaftsraum Finanzdienstleistungen zu erbringen, ist der Herausgeber dieser Materialien ab 1. Januar 2021:

(i) BlackRock Investment Management (UK) Limited für alle Länder außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraum und

(ii) BlackRock (Netherlands) B.V. für alle Länder im Europäischen Wirtschaftsraum.

BlackRock (Netherlands) B.V. wurde von der niederländischen Finanzmarktaufsicht zugelassen und wird von ihr beaufsichtigt. Eingetragener Firmensitz: Amstelplein 1, 1096 HA, Amsterdam, Tel.: +31(0)-20-549-5200. Handelsregister Nr. 17068311. Zu Ihrem Schutz werden Telefonate üblicherweise aufgezeichnet.

Alle hier angeführten Analysen wurden von BlackRock erstellt und können nach eigenem Ermessen verwendet werden. Die Resultate dieser Analysen werden nur bei bestimmten Gelegenheiten veröffentlicht. Die geäußerten Ansichten stellen keine Anlageberatung oder Beratung anderer Art dar und können sich ändern. Sie geben nicht unbedingt die Ansichten eines Unternehmens oder eines Teils eines Unternehmens innerhalb der BlackRock-Gruppe wieder, und es wird keinerlei Zusicherung gegeben, dass sie zutreffen.

Dieses Dokument dient nur Informationszwecken. Es stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Anlage in einen BlackRock Fonds dar und wurde nicht im Zusammenhang mit einem solchen Angebot erstellt.

© 2021 BlackRock, Inc. Sämtliche Rechte vorbehalten. BLACKROCK, iSHARES, BLACKROCK SOLUTIONS, BAUEN AUF BLACKROCK und WAS ALSO SOLL ICH MIT MEINEM GELD TUN sind Handelsmarken von BlackRock, Inc. oder ihren Niederlassungen in den USA und anderen Ländern. Alle anderen Marken sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber.

News-Archiv

weitere News
Stammdaten
Kontakt
BlackRock Investment Management (UK) Limited
German Branch, München
Lenbachplatz 1
D-80333 München
E-Mail
info@iShares.de
Telefon
+49 69 50500 3199
Internet
https://www.ishares.com/de/