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Ohne Fed keine neue Hausse

Stefan Riße

Die Kritik von US-Präsident Donald Trump an dem von ihm selbst ernannten Notenbankpräsidenten Jerome Powell war kontraproduktiv. Am Mittwoch hatte dieser erstmals sanftere Töne angestimmt bezüglich des Zinserhöhungskurses der Federal Reserve (Fed). So sei der Zins mittlerweile auf einem Niveau, das annähernd als neutral zu bewerten ist. Das bedeutet, dass bei keiner weiteren Beschleunigung der US-Wirtschaft oder der Inflation der Zins nur noch wenig angehoben werden müsste, womöglich das letzte Mal im Dezember dieses Jahres. Bisher hatten die Marktteilnehmer außerdem mit vier weiteren Zinsschritten im kommenden Jahr gerechnet. Trump hatte genau auf diesen Schwenk hingewirkt. Was wie ein Erfolg für den US-Präsidenten aussieht, ist aber keiner.  Powell hätte womöglich schon früher seinen Kurs geändert, wäre da nicht die Kritik von Trump gewesen. Denn nun sieht es so aus, als habe er klein beigegeben. Etwas was seinem Ruf und dem Vertrauen in die Zentralbank generell schadet. Trump hätte nur abwarten müssen und das vertrauliche Gespräch suchen sollen. Es gab genügend Frühindikatoren, die eine baldige Abkühlung der US-Wirtschaft anzeigten. Der Immobilienmarkt kühlt sich aufgrund der gestiegenen Zinsen erheblich ab und die angekündigten Entlassungen bei General Motors zeigen immer deutlicher, dass Trumps Zollpolitik die Wirtschaft schwächst und nicht stärkt. Die zuletzt gesunkenen Ölpreise werden zudem dazu führen, dass die Inflation bald wieder sinkt.

Erstes Licht am Ende des Tunnels

Jerome Powell und die von ihm geführte Institution hat sich nun aber doch entschieden, bei der Justierung der Geldpolitik den sachlichen Gründen den Vorzug zu geben, statt einer Machtdemonstration gegenüber dem Präsidenten im Weißen Haus. Alles andere wäre auch unverantwortlich. Die Börsen reagierten nach seiner Rede euphorisch mit den größten Kursgewinnen seit langem. Fraglos gibt es damit erstes Licht am Ende des Tunnels bezüglich der Geldpolitik, die der Hauptgrund für die rückläufigen Kurse seit dem Sommer gewesen sein dürfte. Doch der Jubel kommt zu früh. Den Tiefpunkt haben wir trotz dessen mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht hinter uns. Mich erinnerte der Jubel direkt an eine Szene im Herbst 2001. Die Internet-Blase war geplatzt und die Fed begann die Zinsen zu senken. Auch da gab es eine kräftige Gegenbewegung bei den Aktien. Den Tiefpunkt bei den Kursen erreichten wir aber erst im März 2003. Das gleiche spielte sich 2007 nach dem Platzen der US-Immobilienblase ab. Im Herbst, nachdem bereits Bear Stearns und Merrill Lynch in Schwierigkeiten geraten waren, senkte die Fed erstmals die Zinsen. Die echte Wende bei den Aktien gab es aber erst im Frühjahr 2009.

Aktienanleger benötigen jetzt Geduld

Aktuell sind wir noch nicht einmal an dem Punkt, dass die Fed die Zinsen senkt. Wir sind sogar noch im Zinserhöhungszyklus. Geldpolitik wirkt immer mit Zeitverzögerung. Vor drei Jahren hob die Fed erstmals die Zinsen an, die letzten Rekorde – zumindest an der Wall Street – gab es aber noch in diesem Sommer. Die negativen Auswirkungen sehen wir erst seit Oktober. Es wird daher auch wieder länger dauern, bis mögliche Zinssenkungen, die ja noch nicht einmal auf dem Plan stehen, ihre positive Wirkung entfalten werden. Vor allem das Verkürzen ihrer Bilanz durch den Verkauf von Staatsanleihen aus ihrer Bilanz muss die Fed einstellen. Diese Liquiditätsverknappung dürfte mehr auf den Aktienkursen lasten als die Zinserhöhungen. All dies wird kommen und womöglich früher als die Währungshüter selbst sich heute vorstellen können. Denn die Handelspolitik von Trump wird sich immer mehr als Wachstumshemmnis herausstellen und die Verschuldung vieler US-Unternehmen ist so hoch, dass die gestiegenen Zinsen die Investitionen bremsen werden.

So oder so brauchen Anleger Geduld. Und ohne dass die Fed umsteuert, wird es eine breite Aktienhausse nicht geben. Es wäre das erste Mal in der Geschichte. Weitere Kursverluste bieten jedoch Kaufchancen. Der Sturz wird nicht so weit gehen wie 2000 und 2007. Insgesamt sind die Zinsen ja immer noch als niedrig zu betrachten. Sie liegen zumindest was den Leitzins betrifft selbst in den USA immer noch unter der Inflation und bieten nicht wirklich eine Alternative zu Dividendentiteln. Das war bei den anderen Abschwüngen noch anders.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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