Wirecard: Der Betrugsskandal zieht immer weitere Kreise – Wirtschaftprüfer mit enormen Reputationsschaden und Bund kündigt Vertrag mit Bilanzprüfung

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Wirecard: Der Betrugsskandal zieht immer weitere Kreise – Wirtschaftprüfer mit enormen Reputationsschaden und Bund kündigt Vertrag mit Bilanzprüfung

Der Skandal rund um den Bezahldienstleister aus Aschheim belastet längst nicht mehr nur den Dax-Konzern. Auf der Suche nach den Schuldigen, die den Bilanzbetrug versäumt haben aufzudecken, trifft es immer mehr. Auf den langjährigen Wirtschaftsprüfer Ernst & Young (EY) könnte eine Klagewelle zurollen und an der Glaubwürdigkeit des Unternehmens wird mittlerweile ebenfalls stark gezweifelt.

Reputationsschaden ist immens

Es gebe Zweifel, dass EY als Abschlussprüfer überhaupt geeignet sei, die Bilanzen zu prüfen, erklärte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Sie werde auf künftigen Hauptversammlungen für die von ihr vertretenen Investoren gegen eine Bestellung von EY zum Abschlussprüfer stimmen. Auch ein Vertreter eines Wirecard-Großaktionärs sagte, Konzerne könnten es sich nicht leisten, EY künftig mit Abschlussprüfungen zu beauftragen, da das Vertrauen in den Prüfer erschüttert sei. In Deutschland war EY zuletzt auf dem Vormarsch und hatte lukrative neue Mandate für die Bilanzprüfung gewonnen, etwa die Deutsche Bank.

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Unter Bezug auf Insider berichtete die „Financial Times“, EY habe es 2016 bis 2018 versäumt, bei einer Bank in Singapur über die dort gehaltenen Mengen an Bargeld genauer nachzufragen. Der Betrug hätte früher aufgedeckt werden können. Von EY war dazu keine Stellungnahme zu bekommen.

Aber nicht nur EY wird durch den Betrugsfall Wirecard schwere Auswirkungen spüren, auch zwei Bundesministerien haben erste Konsequenzen aus den Versäumnissen beim Bezahldienstleister gezogen. Das Bundesjustiz- und das Bundesfinanzministerium werden den Vertrag mit der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) kündigen. Darauf hätten sich beide Ministerien verständigt, bestätigte ein Sprecher des Justizressorts am Sonntag. Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ bereits über die Kündigung berichtet.

DPR soll versagt haben – Prüfung Februar 2019 veranlasst

Der privatrechtlich organisierte Verein DPR kontrolliert im Staatsauftrag die Bilanzen und habe im Fall von Wirecard nach Ansicht der Ministerien versagt, schreibt die „Bild am Sonntag“. Bei der DPR war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) hatte nach eigener Darstellung der DPR im Februar 2019 den Hinweis gegeben, dass es Ungereimtheiten in der Halbjahresbilanz 2018 von Wirecard gebe. „Wir haben unmittelbar reagiert und Mitte Februar 2019 bei der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) eine Bilanzprüfung veranlasst“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Die Bafin sei für die Bilanzprüfung nicht zuständig. Zuständig sei auf erster Stufe allein die DPR. Dort habe die Prüfung so lange gedauert. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung berichtet.

Nur ein Mitarbeiter soll sich um den Fall Wirecard gekümmert

Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) hat die auch als „Bilanzpolizei“ bezeichnete Prüfstelle jedoch nur wenig Personal. Mit der aufwendigen und komplexen Prüfung sei in den vergangenen 16 Monaten im Wesentlichen nur ein einzelner Mitarbeiter betraut gewesen. Bei der DPR war auch dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

EU-Kommission prüft ebenfalls

Die Aufgabenteilung zwischen Bafin und DPR steht laut FAS auch im Zentrum der harten Kritik von Seiten der EU-Kommission an Deutschland im Fall Wirecard. Die EU lässt mittlerweile das Agieren der deutschen Finanzaufseher in dem Bilanzskandal von der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA überprüfen.

Von Markus Weingran / dpa-AFX / Reuters

Foto: Anton Garin / Shutterstock.com

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