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Optionsscheine – Verbriefte Optionen

Video-Einleitung

Optionsscheine werden auch mit dem englischen Begriff "Warrants" bezeichnet. Dabei handelt es sich um verbriefte Optionen, die in ihrer klassischen Form auch „Plain Vanilla“-Optionsscheine genannt werden. Anders als gewöhnliche Optionen sind Optionsscheine somit Wertpapiere, die auch über die Börse gehandelt werden können. Für herkömmliche Optionen ist es hingegen notwendig, Zugang zu einer speziellen Terminbörse zu haben, der in der Regel nur für institutionelle Investoren möglich ist. Zum Kauf und Verkauf von Optionsscheinen reicht es hingegen aus, bei einem Broker Kunde zu sein, der den Handel mit diesen Wertpapieren ermöglicht.

Optionsscheine im Vergleich zum Basiswert
Optionsscheine im Vergleich zum Basiswert, Quelle: eusipa.org

Unterschied zwischen Call- und Put-Optionsscheinen

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Optionsscheinen, nämlich die Varianten Call und Put. In jedem Fall erwirbt man beim Kauf von Optionsscheinen das Recht, den jeweiligen Basiswert, zum Beispiel Aktien, zu einem festgelegten Zeitpunkt und zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen. Bei einem Call-Optionsschein geht man davon aus, dass der Kurs des Basiswerts steigt, deshalb erwirbt man das Recht, diesen Basiswert später zu einem niedrigeren Preis zu kaufen. Für einen Put-Optionsschein entscheidet man sich hingegen, wenn man davon ausgeht, dass der Kurs des Basiswerts fallen wird. Als Inhaber von Put-Optionsscheinen kann man diesen Basiswert auch später noch zu einem höheren als dem aktuellen Marktwert verkaufen.

Wichtige Kennzahlen: Hebel, Zeitwert, innerer Wert, Aufgeld, Omega

Beim Kauf von Optionsscheinen muss man in der Regel weniger Geld als beim Kauf des jeweiligen Basiswerts investieren. Grund dafür ist der Hebel, der zum Beispiel bei Optionsscheinen, aber auch beim Handel mit Devisen und anderen Finanzprodukten oft angewendet wird. Wie der Hebel funktioniert, lässt sich im Prinzip einfach erläutern: Bei einem Hebel von 1:10 bedeutet eine Kursänderung des Basiswerts um einen Euro, dass sich der Wert der Optionsscheine um 10 Euro ändert. Somit kann man bereits durch eine relativ geringe Investition hohe Gewinne, aber auch hohe Verluste erzielen.

Die genaue Berechnung des Hebels für Optionsscheine ist jedoch aufgrund ihrer Gestaltung komplizierter als etwa bei Devisen. Bei der Berechnung des Preises dieser speziellen Wertpapiere spielen nämlich zwei Komponenten eine große Rolle: der innere Wert und der Zeitwert. Der innere Wert ist die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswerts und dem Basispreis eines Optionsscheins. Der Zeitwert hingegen ist der Anteil des Optionsscheinpreises, der durch diesen inneren Wert nicht abgedeckt wird.

Für den Zeitwert sind verschiedene Faktoren entscheidend. Dazu zählen vor allem die restliche Laufzeit eines Optionsscheins sowie der aktuelle Kurs und die Volatilität des Basiswerts. Als Faustregel gilt, dass der Zeitwert während der Laufzeit eines Optionsscheins kontinuierlich abnimmt. Grund dafür ist, dass es immer weniger wahrscheinlich wird, dass sich der Kurs des Basiswerts so entwickelt, wie es der Käufer eines Optionsscheins vorhergesagt hat.

Das Aufgeld ist ein Kriterium, mit dem sich Optionsscheine bewerten lassen. Diese Kennzahl beruht auf der Tatsache, dass ein Käufer (Verkäufer) eines bestimmten Basiswerts zwei Möglichkeiten zum Kauf (Verkauf) dieses Basiswerts hat. Einerseits kann der Kauf direkt über die Börse abgewickelt werden, andererseits ist der Kauf und die Ausübung von Optionsscheinen möglich. Die zweite Variante ist aufgrund verschiedener Faktoren in der Regel teurer. Wie groß der Unterschied ist, wird durch das Aufgeld beschrieben.

Zu guter Letzt kann man im Zusammenhang mit Optionsscheinen immer wieder vom Omega lesen, mit dessen Hilfe sich der tatsächliche Hebel von Optionsscheinen berechnen lässt. Dazu wird das Delta mit dem aktuellen Hebel multipliziert. Die Höhe des Deltas, die sich laufend ändert, gibt die Wertänderungen des Optionsscheins in Abhängigkeit von der Entwicklung des Basiswerts an. Das bedeutet, dass das Delta anzeigt, um welchen Betrag sich der Kurs eines Optionsscheins ändern sollte, wenn sich der Kurs des Basiswerts ändert.

Grundsätzlich liegt das Delta bei einem Call zwischen 0 und 1, da diese Papiere zulegen, wenn der Kurs des Basiswerts steigt. Für Put-Optionsscheine liegt das Delta zwischen 0 und -1, da diese Papiere verlieren, wenn der Kurs des Basiswerts steigt. Bei einem Optionsschein mit einem aktuellen Hebel von acht und einem Delta von 0,4 liegt der effektive Hebel, das Omega, also bei 3,2. Ein Anstieg von einem Euro beim Basiswert führt also zu einem Kursanstieg von 3,20 Euro eines Call-Optionsscheins.

Vorteile gegenüber einem Direktinvestment

Grundsätzlich haben Optionsscheine eine Reihe von Vorteilen gegenüber einem Kauf des jeweiligen Basiswerts. Einerseits ist deutlich weniger Kapital erforderlich, da es sich in der Regel um gehebelte Wertpapiere handelt. Somit hat man bereits mit relativ niedrigen Summen die Möglichkeit, hohe Renditen zu erzielen. Gleichzeitig ergeben sich durch den Hebeleffekt natürlich auch Risiken. Wenn sich die Kurse nicht so entwickeln, wie man es vermutet hat, fällt der Preis eines Optionsscheins noch deutlich stärker als der Kurs des Basiswerts.

Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass man nicht auf Liquidität im Markt angewiesen ist. Optionsscheine werden von Emittenten herausgegeben, die für ihre eigenen Papiere ständig An- und Verkaufskurse erstellen. Im Gegensatz zu Aktien, bei denen man als Käufer tatsächlich einen Gegenüber benötigt, der die Papiere verkaufen möchte (und umgekehrt) muss man sich hier also nicht darüber Sorgen machen, ob ausreichend viele Teilnehmer an der Börse aktiv sind.

Zu guter Letzt hat man mit Hilfe von Optionsscheinen auch die Möglichkeit, von fallenden Kursen zu profitieren. Beim Kauf von Aktien oder Fondsanteilen ist das nicht möglich – dabei erzielt man nur dann eine Rendite, wenn sich die Kurse nach oben bewegen. Somit lohnt sich der Kauf von Optionsscheinen gerade dann, wenn man erwartet, dass sich ein bestimmter Markt oder ein spezieller Wert nach unten bewegen wird.

Unterschiede zwischen Optionsscheinen und Knock-Out-Zertifikaten

In den vergangenen Jahren sind die sogenannten Knock-Out-Zertifikate bei vielen Anlegern sehr populär geworden. Dabei handelt es sich, genau wie bei Optionsscheinen, um gehebelte Produkte, darüber hinaus gibt es jedoch einige wichtige Unterschiede.

Besonders wichtig ist, dass Knock-Out-Zertifikate auch vorzeitig verfallen können, wenn der Kurs des jeweiligen Basiswertes eine gewisse Schwelle erreicht. In diesem Fall werden die Zertifikate entweder komplett wertlos oder der Anleger erhält einen gewissen Restwert ausgezahlt. Die Preisbildung von Knock-Out-Zertifikaten ist hingegen nur wenig davon abhängig, wie volatil der Basiswert ist. Für Anleger lassen sich die Kurse also leichter nachvollziehen. Zudem ist der Zeitwert niedriger oder gar nicht vorhanden, während der Hebel in der Regel höher als bei Optionsscheinen ist. Dadurch steigen die Chancen und die möglichen Risiken gleichermaßen an.

Für welche Anleger sind Optionsscheine geeignet?

Grundsätzlich wurden Optionsscheine auf den Markt gebracht, um es auch Privatanlegern zu ermöglichen, mit Optionen zu handeln. Allerdings sollte man schon über eine gewisse Erfahrung an der Börse verfügen, um Chancen und Risiken dieser Produkte richtig einschätzen zu können. Durch den Hebel ist es schließlich möglich, innerhalb kürzester Zeit relativ hohe Gewinne oder Verluste zu erzielen. Aus diesem Grund sollten die Investitionen in Optionsscheine nur einen gewissen Teil des Portfolios ausmachen. Darüber hinaus eignen sich Optionsscheine, wenn man Aktien hält und diese nicht verkaufen will oder kann, sich aber zugleich gegen mögliche Kursverluste dieser Papiere absichern möchte.

Den richtigen Optionsschein finden

Mit dem Optionsscheins-Vergleich auf OnVista können Optionsscheine bequem und übersichtlich nach diversen Merkmalen und Kennzahlen miteinander verglichen werden. So lässt sich schnell der passende Optionsschein finden.

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