ROUNDUP 2: Delivery Hero erzielt mit Foodpanda-Verkauf in Taiwan Teilerfolg

dpa-AFX · Uhr

(neu: Struktur, Aktie, Analysten)

BERLIN (dpa-AFX) - Nach monatelangen Verhandlungen ist der Essenslieferdienst Delivery Hero nun doch noch sein Foodpanda-Geschäft in Taiwan losgeworden. Damit kann das Unternehmen bei den Verkaufsplänen in der Region zumindest einen Teilerfolg verbuchen. Der US-Fahr- und Lieferdienst Uber wolle den Bereich in einem mehrstufigen Deal erwerben, teilte Delivery Hero am Dienstag in Berlin mit. Zudem werde sich der US-Konzern mit einem kleinen Anteil an Delivery Hero beteiligen. Während sich das MDax-Unternehmen damit finanziellen Freiraum verschafft, weitet der US-Konzern seine Position in Taiwan aus.

An der Börse wurde die Nachricht zunächst sehr positiv aufgenommen. Die Delivery-Hero-Aktie legte im Handel am Vormittag um bis zu fast 22 Prozent auf 30,77 Euro zu. Seit dem Jahreswechsel zog der Börsenwert damit um rund ein Fünftel auf 8,3 Milliarden Euro an - anders als seit drei Jahren: Seit den Corona-Höchstständen Anfang 2021 haben sich die Papiere um mehr als 70 Prozent verbilligt.

Foodpanda Taiwan soll für 950 Millionen US-Dollar (888 Mio Euro) an Uber gehen, wie es in der Delivery-Hero-Mitteilung hieß. Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg dürfte sich damit mit weniger begnügen, als er sich zuvor laut einem Medienbericht erhofft hatte: Ende Februar hatte die "Wirtschaftswoche" noch von einem geforderten Kaufpreis "deutlich über einer Milliarde Dollar" berichtet.

Zugleich wird sich der US-Konzern mit knapp drei Prozent an Delivery Hero beteiligen. Dazu sollen rund 8,4 Millionen neue Aktien für 33 Euro das Stück an Uber über eine Kapitalerhöhung verkauft werden. Dem stark verschuldeten deutschen Unternehmen fließen damit 278 Millionen Euro zu. Der Deal soll noch im ersten Halbjahr 2025 abgeschlossen werden.

Jefferies-Branchenkenner Giles Thorne lobte den Verkauf: "Ein perfekt getimter Ausstieg mit überzeugenden Vorteilen und erheblichem Schutz vor Abwärtsrisiken", schrieb er in einer ersten Reaktion. Er warnte allerdings vor lang andauernden kartellrechtlichen Prüfungen, da durch den Zusammenschluss faktisch ein Monopolist auf dem Lebensmittelliefermarkt entstehen würde. Je nach Datensatz gehören Foodpanda in Taiwan bislang zwischen 50 und 55 Prozent des Marktes, der Rest sei Uber zuzuordnen.

UBS-Analyst Jo Barnet-Lamb merkte an, dass der Taiwan-Deal zwei Wochen nach der Ankündigung folge, dass Sachem-Head-Gründer Scott Ferguson in den Aufsichtsrat von Delivery Hero einziehen soll. Der aktivistische Investor Sachem Head hatte zuvor ein Mitspracherecht im Aufsichtsrat gefordert und hält nach eigenen Angaben über Aktien und Derivate 3,6 Prozent am Essenslieferdienst.

Mit dem Verkauf kommt Delivery Hero zumindest ein kleines Stück bei seinem Plan voran, sich aus Asien zurückzuziehen. Neben Taiwan ist Foodpanda in mehreren Staaten Südostasiens aktiv, dazu zählen Singapur, Malaysia, die Philippinen, Thailand, Kambodscha, Myanmar und Laos.

Allerdings kam Delivery Hero mit seinen unbekannten Interessenten nicht auf einen Nenner - in der Diskussion stand als einer der Verhandlungspartner der Liefer- und Essenslieferdienst Grab, der auch Platzhirsch in der Region ist.

Dieser hatte es Delivery Hero ohnehin nicht einfach gemacht, in der Region Fuß zu fassen. In der Vergangenheit war es in der Branche üblich, dass sich alle Marktteilnehmer gegenseitig die Kunden mit Rabatten streitig machen. Aus Vietnam hatte sich Delivery Hero mit seiner Marke Baemin Anfang Dezember verabschiedet.

Zwar ist Asien gemessen am Umsatz das mit Abstand wichtigste Segment von Delivery Hero - den Löwenanteil macht allerdings Südkorea aus und das Wachstum hinkt dem der anderen großen Regionen deutlich hinterher.

"Die Entscheidung, die Verhandlungen nach Monaten abzubrechen, ist nach gründlichen Überlegungen gefallen", sagte Konzernchef Östberg Ende Februar. Zuvor hatte Noch-Finanzchef Emmanuel Thomassin der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX gesagt, er sehe keinen Zeitdruck beim Verkauf des Geschäfts. "Wir müssen Foodpanda nicht verkaufen, auch wenn das ein Vorteil für unsere Liquidität wäre".

Damit hatte der langjährige Manager auch auf Bedenken von Investoren reagiert, dass der Finanzmittelfluss von Delivery Hero nicht ausreichen könnte, Schulden aus eigener Kraft zu bedienen. Thomassin wechselt zum 1. Oktober 2024 zum britischen Fintech Wise./ngu/zb/stk