Briten bleibt weiterer Inflationsschub erspart - Kommt Zinssenkung im Dezember?

Reuters · Uhr
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London (Reuters) -In Großbritannien hat sich die Inflation zuletzt überraschend stabilisiert und erhöht so die Chancen auf eine Zinssenkung zum Jahresende. Die Verbraucherpreise legten im September um durchschnittlich 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistikamt am Mittwoch in London mitteilte. Es war bereits der dritte Monat in Folge mit dieser Inflationsrate. Experten hatten hingegen einen Anstieg auf 4,0 Prozent erwartet. Und die von der Notenbank stark beachtete Inflation im Dienstleistungssektor blieb im September auf dem Vormonatswert von 4,7 Prozent, während Experten hier mit 4,9 Prozent gerechnet hatten. Das Pfund fiel unmittelbar nach Veröffentlichung der Daten gegenüber dem Dollar. An den Terminmärkten wird nun die Chance auf eine weitere Zinssenkung im Dezember auf 75 Prozent taxiert. Wenn die Händler richtig liegen, könnte der geldpolitische Schlüsselsatz dann um einen Viertelpunkt auf 3,75 Prozent sinken.

Experten werten die überraschende Stabilisierung der Inflation als gute Nachricht für die Bank of England (BoE) und auch für die Finanzmärkte: "Alles in allem sieht das Inflationsproblem Großbritanniens jetzt etwas weniger schlimm aus als noch vor einigen Wochen", sagte Luke Bartholomew, stellvertretender Chefvolkswirt der Investmentfirma Aberdeen. Da sich einige Komponenten bei den Preisdaten als niedriger als erwartet erwiesen hätten, steige die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Dezember, sagte Rob Wood, Chefvolkswirt für Großbritannien beim Analysehaus Pantheon Macroeconomics.

Finanzministerin Rachel Reeves sagte unterdessen, sie sei mit den Inflationszahlen nicht zufrieden. Die Labour-Ministerin deutete an, dass sie in ihrem Haushalt Maßnahmen zur Senkung der Lebenshaltungskosten vorbereite: "Wir alle in der Regierung sind dafür verantwortlich, die Bank of England bei der Senkung der Inflation zu unterstützen", sagte die Ministerin und fügte an: "Ich bin entschlossen, sicherzustellen, dass wir Menschen unterstützen, die mit höheren Rechnungen und den Herausforderungen der Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben."

WIRTSCHAFT SCHWÄCHELT

Die Lage an der Preisfront bleibt trotz der überraschenden Stabilisierung angespannt: Die Teuerung wird in den Jahren 2025 und 2026 die höchste unter den größten Industrieländern sein, wie der Internationale Währungsfonds jüngst prognostizierte. Die Notenbank erwartet zwar, dass die Teuerung allmählich nachlässt. Sie rechnet aber zugleich damit, dass ihr Inflationsziel von 2,0 Prozent erst im Zeitraum von April bis Juni 2027 erreicht sein wird.

Die BoE entscheidet am 6. November wieder über den Leitzins. Sie sieht sich dabei neben Inflationsgefahren mit einer zuletzt weitgehend stagnierenden Wirtschaft konfrontiert. Die Zentralbank hat nach der Senkung des Leitzinses auf 4,0 Prozent im August die Füße im September stillgehalten, auch weil der Preisauftrieb weiter hoch ist. BoE-Chef Andrew Bailey sagte jüngst, der Arbeitsmarkt schwäche sich ab und der Inflationsdruck lasse nach. Der Währungshüter Alan Taylor warnte vor einer "holprigen Landung" der Wirtschaft, auch wegen der von US-Präsident Donald Trump verhängten Handelszölle.

(Bericht von William Schomberg and Suban Abdulla, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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