Kupfer-Boom könnte Mega-Fusion von Bergbaukonzernen anschieben

(Reuters) - Die Bergbaukonzerne Glencore und Rio Tinto loten eine Fusion zum weltgrößten Rohstoffkonzern mit einem Börsenwert von rund 207 Milliarden Dollar aus.
Getrieben werden die Pläne auch von der weltweit anziehenden Nachfrage nach Kupfer. Geprüft werde eine Übernahme von Glencore durch Rio Tinto im Zuge eines Aktientauschs, teilten die beiden Unternehmen in der Nacht zum Freitag mit. Durch eine Fusion würde der bisherige Branchenprimus, der australische Konkurrent BHP, überholt. Es sei jedoch noch nicht ausgemacht, ob es zu einer Einigung kommen werde. Ein erster Anlauf für einen Zusammenschluss der beiden Bergbau-Riesen vor rund einem Jahr war gescheitert. Doch auch aktuell erscheint eine Fusion schwierig: Mögliche Probleme sind kartellrechtliche Untersuchungen, Preisfragen, kulturelle Unterschiede der Konzerne sowie die Kohleförderung durch Glencore.
Einem Insider zufolge wurden die neuen Gespräche der beiden Rohstoff-Riesen Ende vergangenen Jahres wieder aufgenommen. Seit dem gescheiterten Versuch einer Fusion hat sich bei Rio Tinto einiges geändert. Unter dem neuen Vorstandschef Simon Trott, der im August sein Amt antrat, will sich der Konzern schlanker aufstellen und sich von Vermögenswerten trennen, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Trott gilt im Vergleich zu seinem Vorgänger Jakob Stausholm als offener gegenüber großen Deals. Beide Unternehmen richten ihren Fokus zudem zunehmend auf Kupfer.
Konsolidierungswelle im Kupferrausch
Das Metall ist für die Energiewende und den wachsenden Bedarf an Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) von entscheidender Bedeutung. Die weltweite Kupfernachfrage wird nach Schätzungen von S&P Global bis 2040 um 50 Prozent steigen, während das Angebot um mehr als zehn Millionen Tonnen jährlich zurückbleiben dürfte. Die Branche befindet sich in einer Konsolidierungswelle. So steht etwa der Zusammenschluss von Anglo American und Teck Resources bevor, durch den ein auf Kupfer ausgerichteter Branchenriese entsteht. Branchenprimus BHP hatte seinerseits vergeblich versucht, Anglo American mit Blick auf die Kupfer-Aktivitäten in Südamerika zu übernehmen.
Rio Tinto ist der weltgrößte Eisenerzförderer und kommt auf eine Marktkapitalisierung von 142 Milliarden Dollar. Glencore wird mit 65 Milliarden Dollar bewertet. Der Unternehmenswert, der auch die Schulden berücksichtigt, würde bei mehr als 260 Milliarden Dollar liegen. Gemäß den britischen Übernahmeregeln hat Rio Tinto bis zum 5. Februar Zeit, ein formelles Angebot für Glencore abzugeben oder zu erklären, dass es den Vorstoß nicht fortsetzen wird.
An der Börse stieß der Vorstoß auf ein geteiltes Echo. Während die in den USA notierten Aktien von Glencore um sechs Prozent zulegten, schlossen die Titel von Rio Tinto in Australien 6,3 Prozent im Minus. "Der Aktienmarkt sagt einem, was man wissen will. Die Anleger sind damit nicht glücklich", sagte Hugh Dive, Investmentchef beim Rio-Tinto-Aktionär Atlas Funds Management. Große Fusionen könnten sich im Laufe der Zeit auch als wertmindernd erweisen. Aber Bedenken gibt es auch an anderer Stelle.
Poker um die Kohle
Als eine der größten Hürden für einen Zusammenschluss gelten die Kohlegeschäfte von Glencore. Rio Tinto hatte seine letzten Kohleminen 2018 ausgerechnet an Glencore verkauft. "Die Kohle müsste veräußert werden, um die Unterstützung der australischen Aktionärsbasis zu gewinnen", sagte John Ayoub, Portfoliomanager beim Rio-Investor Wilson Asset Management.
Zudem verwiesen Analysten auf mögliche kartellrechtliche Bedenken. Investoren äußerten zudem die Sorge, Rio Tinto könne zu viel für den Wettbewerber zahlen. "Es kommt auf den Preis an, aber wenn sie eine hohe Prämie zahlen müssen, besteht das Risiko, dass eine Transaktion den Wert für die Aktionäre vernichtet", sagte Tim Hillier, Analyst beim Rio-Aktionär Allan Gray. Rio Tinto verfüge über eine starke Pipeline an eigenen wachstumsstarken Projekten. Es sei nicht klar, warum das Unternehmen sich extern nach Wachstumsmöglichkeiten umsehen müsse.
Einige Investoren sehen jedoch auch Chancen an anderer Stelle. "Die größte Frage wäre die Kultur der beiden Unternehmen, da Glencore sehr ergebnisorientiert ist", sagte Andy Forster, Investmentchef bei Argo Investments. Das könne für Rio Tinto sogar gut sein.


