Drei Fragen an Bernecker 23.01.2026

Schon wieder Zölle: Wie schlimm? Wie anfällig bleibt Krypto für Politik? Wird Japans Nikkei zulegen?

onvista · Uhr
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Quelle: Bernecker

Schon wieder Zölle: Wie schlimm ist es wirklich?

Zölle sind ein gutes Mittel, anderen Angst einzujagen. Diese Regel ist mehrere Hundert Jahre alt. Am Ende führte sie zu keinen realistischen Daten, aber zu einer Menge Konfusionen. Die berühmteste dieser Art war der Zollstreit zwischen Napoleon und den Engländern. Daraus entstanden nachhaltige Veränderungen der Handelsströme. Die ökonomischen Hintergründe der gegenwärtigen Zollkonflikte sind bekannt: Das amerikanische Handelsbilanzdefizit von rund 1,4 Billionen Dollar pro Jahr soll mit Gewalt reduziert beziehungsweise halbiert werden.

Dies wird gelingen, aber mit Schrammen für alle. Wie die Börse dies sieht, erkennen Sie am Verlauf der Indizes der letzten Monate. Die aktuell laufende technische Korrektur gehört dazu. Also: Zölle dieser Art sind ärgerlich, aber ertragbar und eben auch eine Chance.

Wie anfällig bleibt der Kryptomarkt für politische Eskalationen?

Der Kryptomarkt ist ein Medium für Geldbewegungen ohne ökonomischen Hintergrund. Insofern einmalig und mit etwa sechs Billionen Dollar Marktwert eine Größe, die zum Spielen einlädt. Das hat es noch nie gegeben. Sämtliche Preisbewegungen orientieren sich an technischen Signalen, die von sehr guten Kennern beherrschbar oder steuerbar sind.

Entsprechend reagieren solche Märkte auf mögliche politische Signale; je nachdem, wie ernst diese von den Spielern benutzt werden. Weil es aber nun mal ein Markt ist, beteiligen sich auch Finanzinstitutionen daran, um die Gelegenheiten nicht zu verpassen. Die Lebensdauer eines solchen Mediums ist schwer vorauszusagen, weil es dafür kein Vorbild gibt.

Wird Japans Nikkei auch 2026 stark zulegen?

Die neue Wirtschaftspolitik der Japaner orientiert sich an den Vorbildern ab circa 1959/60. Dazu gehören als wesentliche Fakten: Eine vorsichtige, aber gut geleitete Abwertung des Yen. In früheren Perioden teilweise über mehr als 50 Prozent über drei, vier Jahre. Erstmals wurde diese Politik von Helmut Schmidt und Jimmy Carter strikt unterbunden und Japan gezwungen, dies einzustellen. Das war die erste Konjunkturbremse der Japaner.

Die zweitwichtigste Partei sind die Fünf Shimbashi als größte Kontrolleure für den japanischen Import. Praktiziert wird dies ebenso diskret wie wirkungsvoll. Die dritte Schiene ist dagegen der Ausbau der japanischen Kapazitäten im Ausland mit Schwergewicht China und Taiwan und inzwischen auch Indien beziehungsweise Vietnam, weil die eigenen Kapazitäten im Lande ausgeschöpft sind. Ergebnis: Der Anteil des Auslandsgeschäftes der großen japanischen Unternehmen erreicht inzwischen über 60 Prozent.

In diesem Umfang praktiziert Tokio also eine Gesamtkonjunktur weltweit mit Abrechnung in Tokio. Die Chinesen gehen im Übrigen seit drei Jahren den ähnlichen oder gleichen Weg, woraus der Handelsüberschuss von erstmals mehr als einer Billion Dollar resultierte.

Das bedeutet für den Nikkei: Dieser Trend lässt sich fortsetzen, aber schrittweise und angemessen gesteuert.

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