Adyen: Wie viel Potenzial steckt auch nach der rasanten Kursrally noch drin? So sehen die Analysten die Aktie

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Adyen: Wie viel Potenzial steckt auch nach der rasanten Kursrally noch drin? So sehen die Analysten die Aktie

Ob Wachstum des Online-Handels oder Bezahlen mit Kreditkarte beim Shopping vor Ort – der niederländische Zahlungsabwickler Adyen zählt zu den Profiteuren des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Zudem könnte der Bilanzskandal beim deutschen Konkurrenten Wirecard für zusätzlichen Zulauf von Kunden sorgen. Der Aktienkurs kennt jedenfalls schon lange nur eine Richtung: nach oben. Was bei Adyen los ist, wie die Aktie sich entwickelt und was die Analysten sage:

So ist die Lage des Unternehmens:

Adyen verdient sein Geld mit der Abwicklung von Bezahlvorgängen etwa mit Kreditkarten und dazugehörigen Dienstleistungen. Einen Bruchteil des abgewickelten Zahlungsvolumens fließt dabei über Gebühren in die Taschen des Unternehmens. Wie die gesamte Branche profitiert damit auch der Kandidat für einen Aufstieg in den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 vom Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen.

Die Corona-Krise verstärkte den Trend zuletzt noch, was laut Experten langfristig positiv wirken sollte. Kurzfristig indes drückten die Folgen der Virus-Pandemie auf die Geschäftsdynamik. Gerade zum Ende des ersten Quartals hin lastete der Einbruch des Reiseverkehrs auf dem Wachstum, da in diesem Bereich deutlich weniger Zahlungen abgewickelt wurden. Dass Verbraucher dafür viel mehr online kauften, konnte das nicht vollständig wettmachen.

Dennoch brachte es Adyen im ersten Quartal auf ein Umsatzplus von mehr als einem Drittel und einem Anstieg des operativen Gewinns (Ebitda) um rund 16 Prozent. Zum Vergleich: 2019 waren es ein Anstieg um 42 Prozent auf fast 500 Millionen Euro und ein Ebitda-Zuwachs um mehr als die Hälfte auf fast 280 Millionen Euro gewesen.

Trotz der weltweiten Rezession hielt Adyen zuletzt an seiner Mittelfrist-Prognose fest, die ein deutliches Wachstum signalisieren. Neuigkeiten zur Geschäftsentwicklung soll es dann am 20. August bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen geben.

Dann könnte sich auch zeigen, ob Adyen vom Bilanzskandal beim Dax-Konzern Wirecard profitieren kann. So sprangen erste Kunden bei dem in der Insolvenz steckenden Konzern schon ab. Gleichwohl dürfte der Konkurrenzkampf in der Branche hart bleiben. So steckt der französische Zahlungsabwickler Worldline aktuell in der Übernahme des Rivalen Ingenico.

Anders als die Konkurrenz will Adyen selbst jedoch nicht über Fusionen wachsen, sondern weiter organisch seine Marktstellung ausbauen. Auch ein den Einzelteilen von Wirecard, die mittlerweile zum Verkauf stehen, hat Adyen kein Interesse. Stattdessen will man sich die abspringenden Kunden wohl eher über den freien Markt einverleiben.

So sehen die Analysten die Aktie:

Analysten schätzen das Unternehmen weitgehend optimistisch ein, wenngleich viele das Kurspotenzial vorerst für ausgereizt halten. Laut Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg raten 13 Analysten zum Kauf, 11 zum Halten und 5 zum Verkauf der Papiere. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 1000 Euro.

Sandeep Deshpande, Analyst der US-Bank JPMorgan sieht Adyen, trotz der kürzlichen Rally, weiter als eines seiner bevorzugten Papiere an. Zwar werde das laufende zweite Quartal von der Pandemie beeinträchtigt, jedoch spiele dem Finanzdienstleister die Zusammenarbeit mit dem Online-Auktionshaus Ebay sowie der Trend hin zum Online-Handel langfristig in die Hände. Daher hob er das Kursziel erst jüngst von 920 auf 1590 Euro an und bestätigte das Kaufvotum.

Für den Experten Julian Serafini vom Investmenthaus Jefferies ist Adyen derzeit einer der Marktführer beim Online-Bezahlen, der auf dem Vormarsch sei. Auch im Geschäftsfeld Tourismus sieht der Analyst Anzeichen einer Erholung. So habe das Buchungsvolumen bis Ende Juni im Vergleich zum Einbruch zwischen Ende April und Anfang Mai wieder angezogen. Der Finanzdienstleister sei weiter einer seiner bevorzugten Werte: Er bestätigte seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 1301 auf 1495 Euro an.

Zu den wenigen Pessimisten – zumindest mit Blick auf die mittelfristige Kursentwicklung – zählt James Goodman von der britischen Barclays Bank. Er stuft die Aktien mit „Underweight“. Grundsätzlich lobt der Experte das Unternehmen als qualitativ hochwertig. Er steckt aber nur ein Kursziel von 650 Euro – also nur die Hälfte des aktuellen Niveaus.

So läuft die Aktie:

An der Börse ist Adyen seit dem Börsengang im Juni 2018 eine Erfolgsgeschichte. Von Anfang an notierten die Papiere deutlich über ihrem Ausgabepreise von 240 Euro. Nach der anfänglichen Euphorie gab es zwar im Herbst 2018 einen Rückschlag, doch selbst da hielten sich die Papiere über der Marke von 400 Euro.

Richtig Schwung kam dann im Oktober 2019 nochmals in die Kursentwicklung. Zwar ließ die Corona-Panik an den Börsen den Kurs im März dann bis auf 664,40 Euro einbrechen, die Papiere berappelten sich aber schnell. Erst an diesem Montag setzten sie den Rekordlauf mit einem Anstieg bis auf 1383,50 Euro fort. Das entspricht einem Kursplus von rund 89 Prozent allein 2020.

Mit der Kursvervielfachung um das rund Fünfeinhalbfache seit dem Börsengang bringt es Adyen mittlerweile auf eine Marktkapitalisierung von rund 41 Milliarden Euro. Die sich gerade zusammenschließenden Konkurrenten Worldline und Ingenico bringen es jeweils allein auf knapp 15 Milliarden Euro beziehungsweise mehr als 9 Milliarden Euro.

Aufgrund der rasanten Entwicklung der Aktie könnte Adyen schon im September der Sprung in den EuroStoxx 50 gelingen. Den außerordentlichen Eintritt Anfang Juni hatten die Niederländer noch knapp verpasst. Nach den jüngsten Kursgewinnen gibt es laut dem Analysten Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) aber eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie es nun schaffen können. Entscheidend seien aber die Schlusskurse Ende August.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: Pavel Kapysh / Shutterstock.com

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