Coronavirus Update: Jetzt 52 Tote in Italien – Zählweise in China sorgt immer noch für Unklarheit über Verbreitung

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Coronavirus Update: Jetzt 52 Tote in Italien – Zählweise in China sorgt immer noch für Unklarheit über Verbreitung

In fast allen Bundesländern gibt es seit Montagabend nachgewiesene Infektionen mit dem neuen Coronavirus. Insgesamt stieg die Zahl der erfassten Ansteckungen mit dem Sars-CoV-2 genannten Virus in Deutschland auf rund 170. Mit mehr als 90 Fällen verzeichnet Nordrhein-Westfalen bei Weitem die meisten registrierten Ansteckungen. Noch keine Meldungen gab es lediglich aus dem Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Erstmals wurden am Montag Fälle aus Brandenburg (1), Thüringen (1) und Sachsen (1) gemeldet. In Berlin, wo der erste Fall am Sonntagabend bekannt wurde, kamen zwei weitere Infektionen hinzu. Da eine Lehrkraft unter den Infizierten ist, bleibt nun auch in der Hauptstadt eine öffentliche Schule geschlossen.

In Italien ist die Zahl der infizierten Menschen auf mehr als 2000 angestiegen. Mittlerweile sind 52 Infizierte gestorben, teilte der Zivilschutz am Montag in Rom mit. Am Vortag waren es noch 34 Tote. Insgesamt wurden bisher 2036 Menschen positiv getestet.

Kommen auf das deutsche Gesundheitssystem schwere Zeiten zu?

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) befürchtet im Fall einer größeren Epidemie Pflege-Engpässe in deutschen Kliniken. „Wir haben natürlich Flaschenhälse. Der wichtigste davon ist die geringe Zahl der Pflegekräfte, vor allem derer, die in der Intensivmedizin arbeiten können“, sagte Lauterbach der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag).

„Sollten wir eine größere Epidemie bekommen, was sehr gut möglich ist, müssten wir mit großer Wahrscheinlichkeit planbare Operationen absagen und dann wohl die Krankenhäuser aufteilen in solche, die Corona behandeln, und die, die das nicht tun“, ergänzte er. Für Lauterbach sind das aber noch keine aktuellen Problemstellungen. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir, glaube ich, gut unterwegs.“

Große Kliniken wie die Berliner Charité haben sich schon auf eine größere Epidemie vorbereitet. Bei stark steigenden Infektionszahlen bestehe grundsätzlich die Möglichkeit, geplante Eingriffe zu verschieben, um kurzfristig weitere Bettenkapazitäten zu schaffen, hieß es. Durch die Verschiebung könne auch zusätzliches Personal für die Versorgung von Covid-19-Patienten hinzugezogen werden. Die neun landeseigenen Berliner Vivantes-Kliniken verfügen darüber hinaus nach eigenen Angaben über rund 1860 isolierfähige Zimmer. Berlin ist mit 3,7 Millionen Einwohnern die größte Stadt Deutschlands.

Praxisärzte sehen Handlungsbedarf bei Schutzausrüstung

Die Praxisärzte sehen sich gewappnet für den Umgang mit dem neuen Coronavirus in Deutschland – aber Handlungsbedarf beim Nachschub an Schutzausrüstung. „Der Grundbestand, über den die niedergelassenen Kollegen in ihren Praxen verfügen, wird bundesweit nicht ausreichen, wenn die Zahl der Verdachtsfälle steigen wird“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur. „Und darauf deutet ja alles hin.“

Man sei daher im Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium und allen Beteiligten, um rasch Abhilfe schaffen zu können und Schutzbekleidung dort vorzuhalten, wo sie gebraucht werde. „Es muss Klarheit darüber herrschen, wie die Ärzte an das notwendige Material gelangen können.“ Auch hierzu sei man in ständiger Abstimmung.

Auf die Frage, ob die Praxen die Lage bewältigen könnten, sagte der Kassenärzte-Chef: „Ein klares Ja!“ Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen seien gut organisiert und aufgestellt. Was Tests auf das neue Virus angehe, habe man sich über die Kostenübernahme mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen schnell einigen können. „Wenn ein Arzt einen solchen Test aus medizinischer Sicht für angebracht hält, dann soll er ihn auch durchführen.“ Es handele sich um einen Rachenabstrich, der in einem Labor ausgewertet werde. „Hier sind keine Kapazitätsprobleme bekannt.“

Gassen erläuterte generell, er könne Sorgen von Patienten natürlich verstehen. „Sie können uns unterstützen: Wer beunruhigt ist, dass er sich angesteckt haben könnte, weil er unter Erkältungssymptomen leidet und sich in einer Region aufgehalten hat, in der Coronafälle aufgetreten sind, wendet sich – das ist wichtig – zunächst telefonisch an eine Arzt- oder Bereitschaftsdienstpraxis.“ Möglich sei auch, die bundesweite Service-Telefonnummer 116 117 zu wählen. Dort werde, wenn erforderlich, eine weitere Abklärung vorgenommen.

Das Virus ist schwer zu erkennen

Doch nicht jeder Infizierte erkrankt auch. Die große Mehrheit der Betroffenen hat Erkältungssymptome oder gar keine Beschwerden. Schwerere Krankheitsverläufe entwickeln nach den bisherigen weltweiten Erkenntnissen bis zu 15 Prozent der Betroffenen. Häufig sind darunter alte Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen. Die Isolation der Betroffenen und die Suche nach Kontaktpersonen erfolgt, damit sich die Ausbreitung des Virus möglichst verlangsamt. Dadurch soll möglichst viel Kapazität im Gesundheitssystem erhalten bleiben.

Außerhalb Chinas, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte, ist Südkorea am schwersten betroffen. Die Gesundheitsbehörden meldeten 600 neu nachgewiesene Infektionen. Die Gesamtzahl erreichte 4812. Die Zahl der Toten, die mit dem neuen Coronavirus in Verbindung gebracht werden, kletterte um 2 auf 28. Wieder wurde die Mehrheit der Fälle in der südöstlichen Millionen-Stadt Daegu und der umliegenden Region erfasst. Die größte Häufung gibt es unter Anhängern der christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, die Verbindungen nach China hat.

In China stieg die Zahl der Toten weiter um 31 auf 2943, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Mit 125 neu registrierten Infektionen nahm die Zahl der Virusfälle auf 80.151 zu. Alle neuen Todesfälle sowie die meisten Ansteckungen sind demnach in der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina zu beklagen.

Zählweise in China sorgt immer noch für Rätsel

Das wahre Ausmaß der Epidemie in China scheint aber unklar, da die Zählweise mehrfach geändert wurde, was sich spürbar auf die amtliche Statistik auswirkt. Wie das chinesische Magazin „Caixin“ berichtete, können beispielsweise Personen, die nachweislich infiziert sind, aber keine Symptome der Krankheit zeigen, seit Anfang Februar nicht mehr als neu bestätigte Ansteckungen mitgerechnet, sondern anderweitig aufgelistet werden. Solche Personen können auch ansteckend sein.

Auch sind klinische Diagnosen ausgenommen worden. Da die DNA-Tests oft fehlerhaft sind, stellt der Arzt dabei nur anhand der Symptome die Infektion fest. Seit der neuen Zählweise hat sich der Anstieg deutlich reduziert. Die Änderungen können nach Angaben von Experten auch Auswirkungen auf statistische Erhebungen wie etwa die Sterblichkeitsrate haben. „Es zeigt, dass es weiter verbreitet und schwieriger einzudämmen sein könnte, als wir denken, was vielleicht die wichtigste Komponente zu diesem Zeitpunkt ist“, zitierte „Caixin“ den Experten Michael Mina von der Harvard School of Public Health.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: creativeneko / Shutterstock.com

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