Kutzers Zwischenruf: Das Lager der Optimisten bekommt starken Zuwachs!

Hermann Kutzer

„Erneuter Anstieg der Erwartungen“ - Die Überschrift zur monatlichen Umfrage des ZEW klingt lapidar. Doch kann man von einer faustdicken Überraschung sprechen, die ähnliche Signale massiv bestätigt. Denn der Indikator „ZEW-Konjunkturerwartungen“ für Deutschland ist im Dezember 2019 stark angestiegen und hat damit den höchsten Wert seit Februar 2018 erreicht. Ungeachtet der Tagesform ist das Doping für die Börsen-Bullen. Wir dürfen uns wirklich darüber freuen! Fragt sich nur, wie gut die Nase der von den Mannheimer Forschern befragten Experten ist - am jüngsten ZEW-Finanzmarkttest hat sich die stolze Zahl von 198 Analysten und institutionellen Anlegern beteiligt.

Die erneute erhebliche (!) Zunahme der Konjunkturerwartungen basiert auf der Hoffnung, dass sich die deutschen Exporte und der private Konsum besser entwickeln werden als bisher gedacht. Diese Hoffnung wird gestützt von einem höher als erwarteten Außenhandelsüberschuss für Deutschland im Oktober, einem relativ robusten Konjunkturwachstum in der EU im dritten Quartal sowie einem stabilen deutschen Arbeitsmarkt. Die eher ungünstigen Zahlen für Industrieproduktion und Auftragseingänge für Oktober zeigen jedoch, dass die Konjunktur noch immer recht fragil ist.

Ein ähnlich positives Bild hatten gestern schon die Sentiment-Forscher aus dem Hause Sentix skizziert, und zwar für den ganzen Euroraum: Die Konjunkturstimmung unter Anlegern hat sich im Dezember erneut deutlich verbessert. Der Konjunkturindex ist auf den höchsten Wert seit März 2018 gestiegen (Analysten hatten mehrheitlich mit einem Rückgang gerechnet). Fazit von Sentix: Vieles läuft besser als gedacht, die Perspektiven hellen sich quer über den Globus auf.

Knock-Outs zum DAX

Kurserwartung
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Klar, solche Nachrichten können auch den Privatanlegern Mut machen. Aber die zunehmend optimistischen Experten und institutionellen Investoren können sich auch irren - besser gesagt: Ihre Zuversicht kann durch enttäuschende, negative Einflüsse im Umfeld der Börsen auch wieder zunichte gemacht werden. Sie wissen ja, geschätzte Anleger, wie viele Fragezeichen im Raum stehen und wohl mit ins neue Jahr übernommen werden müssen. Deshalb sollte - bei aller Zuversicht - die Vorsicht nicht vernachlässigt werden. Vorschlag: Neue Engagements am Aktienmarkt nicht auf die lange Bank schieben, insbesondere bei einem Dax unter 13.000, aber nicht volle Kanne.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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