Kutzers Zwischenruf: Ob Trump oder Biden – langfristig in Infrastruktur investieren

Hermann Kutzer

Amerikas Präsidentschaftswahl ist jetzt voll über den großen Teich herübergeschwappt. Kein Tag ohne Trump-oder-Biden-Betrachtungen von Volkwirten, Analysten oder Fondsmanagern. Dazu mehren sich passende Veranstaltungen wie Webinare und Videokonferenzen (Corona bedingt). Man könnte trefflich streiten, ob und für wen sich das lohnt. Ebenso muss offenbleiben, was welcher der beiden Kandidaten nach der Wahl tatsächlich politisch unternehmen wird. Angesichts ihrer Bedeutung als Welt-Leitbörse ist es aber auch für europäische Anleger interessant zu wissen, wie die Wall Street tickt.

Heute ist mir u.a. eine Vorschau aus dem Hause M&G Investments auf den Schirm geflattert, die langfristige Investoren interessieren sollte, zumal das Thema in jedem Fall auf den Tisch kommen wird: Amerika hat Infrastrukturpotenzial für Jahrzehnte. Wenn die Präsidentschaftskandidaten nach deutscher Zeit heute Nacht erneut im TV aufeinandertreffen, wird es - jedenfalls laut Planung der zuständigen Kommission - auch um den Klimawandel gehen. Wie bei anderen zentralen Themen dieses Jahres dürften die Ansichten von Donald Trump und Joe Biden höchst konträr ausfallen. Nach Einschätzung von Fondsmanager Alex Araujoi würde ein Biden-Sieg den Einsatz erneuerbarer Energien wahrscheinlich weiter vorantreiben, angesichts seines Plans, „eine moderne, nachhaltige Infrastruktur und eine gerechte Zukunft mit sauberer Energie aufzubauen“. Der Demokrat hat zwei Ziele: Netto-Null-Kohlenstoffemissionen bis 2050 und Investitionen in Höhe von 2 Billionen US-Dollar in die Infrastruktur während seiner Präsidentschaft.

Unabhängig davon, ob die Demokraten gewinnen, investieren regionale Versorgungsunternehmen und die Privatwirtschaft bereits jetzt in klimafreundliche Projekte - trotz Donald Trumps Ausstiegs aus dem Pariser Abkommen vor drei Jahren. Im Vergleich zu anderen Teilen der Welt ist das Potenzial für den Einsatz erneuerbarer Energien in den USA enorm. Die Kapazität ist aktuell nur halb so groß wie in Europa und auch deutlich geringer als in China. Amerika hat Nachholbedarf und damit Wachstumschancen über mehrere Jahrzehnte.

Der Versorgungssektor, nicht nur in den USA einer der schlimmsten Übeltäter in Bezug auf den Ausstoß von Treibhausgasen, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Gas-, Wasser- und Elektrizitätsunternehmen haben ihre Bedeutung für die Umsetzung der Energiewende erkannt und stellen inzwischen häufig auf eine klimafreundlichere Versorgung um. Zu den Positivbeispielen zählen laut M&G etwa der US-Anbieter NextEra Energy Partners, der sich auf saubere Wind- und Solarenergie konzentriert,

und das italienische Unternehmen Enel, das emissionsfreie Energiequellen einsetzt und gleichzeitig den Prozess der Dekarbonisierung beschleunigt. Doch nicht nur bei erneuerbaren Energien, auch in anderen Infrastrukturbereichen müssen die USA deutlich aufholen. Außerdem: Infrastruktur ist ein wichtiger Motor für den US-Arbeitsmarkt und beschäftigt 17,2 Millionen Menschen.

Für Anleger bietet dies eine Reihe von Chancen. Die Konzentration auf einen grünen Aufschwung dürfte sich nach Einschätzung der Fondsmanager als starker Rückenwind für Firmen erweisen, die nachhaltige Infrastrukturanlagen wie Solarparks, Windparks und Fahrzeugaufladungsnetze besitzen und entwickeln. Das gilt ebenso für Unternehmen mit digitaler Infrastruktur, denn der Bedarf an Sendemasten und Datenzentren wird weiter steigen - auch wenn die Pandemie vorbei ist.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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