comdirect All World ETF im Check: Die bessere Alternative zum MSCI ACWI?
Ist der neue comdirect All World ETF die Antwort auf das Klumpenrisiko im MSCI All Countries World Index? Wir analysieren Kosten, das spezielle Capping-Konzept und für wen sich die Kooperation mit State Street lohnt.
Der comdirect All World ETF (WKN: A41WW6) positioniert sich als Herausforderer zu klassischen Welt-ETFs. In einer Marktphase, in der wenige US-Tech-Giganten (die „Magnificent 7“) Indizes wie den MSCI All Countries World Index oder FTSE All-World dominieren, bietet dieses Produkt einen entscheidenden Unterschied: Es begrenzt Gewichte aktiv und setzt auf Qualität bei kleineren Werten.
Entstanden aus einer Kooperation zwischen der comdirect* und dem ETF-Giganten State Street Global Advisors (SSGA), zielt der Fonds auf langfristige Anleger. Er spricht alle an, die weltweites Wachstum suchen, aber extreme Abhängigkeiten reduzieren wollen.
Das Wichtigste in Kürze
- Strategie: Globaler Aktien-ETF (Industrie- und Schwellenländer) mit speziellem Gewichtungs-Mechanismus.
- Der Unterschied: Die größten 25 Prozent der Unternehmen werden gleichgewichtet. Das senkt das Gewicht der Top-10-Aktien von etwa 24 Prozent (MSCI ACWI) auf rund 20 Prozent.
- Kosten: 0,40 Prozent pro Jahr (TER) – das ist teurer als Standard-ETFs (ab 0,12 Prozent).
- Vorteil: Für comdirect-Kunden entfallen die Ordergebühren, was den ETF vor allem für Sparpläne interessant macht.
Index und Konzept: Was ist der S&P Global Select Capped?
Der ETF bildet den S&P Global Select Capped Index ab. Anders als rein nach Börsenwert gewichtete Indizes, bei denen die wertvollsten Unternehmen (zum Beispiel Alphabet, Apple, Microsoft, Meta, Nvidia, Tesla) ungebremst den Ton angeben, greift hier ein Regelwerk.
1. Der Capping-Mechanismus gegen Einzelwert-Risiken
Das Herzstück des ETFs ist die Kappungsgrenze. Der Index sorgt durch regelmäßige Umschichtung (alle vier Monate) dafür, dass die Dominanz einzelner Riesen leicht gebrochen wird:
- Die größten 25 Prozent der Unternehmen im Index werden gleichgewichtet.
- Alle übrigen Unternehmen werden klassisch nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet.
Das Ergebnis: Die Dominanz der USA wird dadurch nicht gebrochen – beide Indizes haben einen US-Anteil von über 60 Prozent. Aber die Abhängigkeit von den absoluten Top-Werten sinkt. Während die zehn größten Aktien im MSCI ACWI rund 24 Prozent ausmachen, sind es hier nur etwa 20 Prozent.
2. Der Qualitätsfilter für Small Caps
Der Index umfasst grundsätzlich über 4.100 Titel und deckt damit auch kleine Firmen (Small Caps) ab. Das sind börsennotierte Unternehmen mit geringerem Marktwert (Nebenwerte), die in Standard-Indizes oft fehlen. Hier zieht der Index eine Qualitätsgrenze: Es werden nur Small Caps aufgenommen, die profitabel sind. Konkret müssen sie in den letzten zwei Jahren positive Erträge je Aktie erwirtschaftet haben. Das ist keine Garantie gegen Kursverluste, filtert aber unrentable Unternehmen konsequent aus.
Der Ansatz ist weiterhin passiv. Es findet keine aktive Titelauswahl („Stock Picking“) durch einen Manager statt, sondern eine strikte Umsetzung dieser Indexregeln.
Vergleich: comdirect All World ETF gegen MSCI ACWI
Wo liegen die konkreten Unterschiede für dein Depot?
Fondskonstruktion und Kosten
Der ETF ist als UCITS-konformer Fonds in Irland aufgelegt. Das begünstigt die steuerliche Effizienz (Quellensteuer-Vorteile bei US-Aktien), was die Nettorendite erhöhen kann. Die Fakten:
- Laufende Kosten: Mit 0,40 Prozent pro Jahr ist der ETF spürbar teurer als die günstigsten Welt-ETFs. Anleger zahlen hier also einen Aufpreis für den speziellen Index-Filter und die Partnerschaft.
- Replikation: Physisch (Optimiertes Sampling). Gerade in der Startphase kauft der ETF nicht sofort alle 4.100 Aktien, sondern eine optimierte Auswahl, um Handelskosten zu sparen.
- Ertragsverwendung: Thesaurierend. Dividenden investiert der Fonds automatisch erneut – ideal für den Zinseszinseffekt.
Exklusive Sonderkonditionen für comdirect-Kunden
Der ETF ist grundsätzlich bei allen Brokern handelbar. Wer ihn jedoch ohne Kaufgebühren besparen will, profitiert von Sonderkondotionen der comdirect*, die die höhere TER abfedern sollen:
- Kostenloser Handel: Kauf und Verkauf über den Börsenplatz Tradegate sowie außerbörslich über die Société Générale sind komplett frei von Orderentgelten (zzgl. marktüblicher Spreads, Zuwendungen und Produktkosten).
- Kostenloser Sparplan: Die sonst übliche Ausführungsgebühr von 1,5 Prozent entfällt dauerhaft (zzgl. Spreads, Zuwendungen und Produktkosten). Sparpläne sind bereits ab einem Euro möglich.
- Kostenloses Depot: Solange der ETF im Depot liegt, entfällt das pauschale Depotentgelt.
Passend dazu: Zinsen für den sicheren Depot-Teil
Wer den ETF gebührenrei ordern möchte, nutzt das comdirect-Depot. Aktuell lohnt sich die Eröffnung doppelt: Neben dem kostenlosen ETF-Sparplan gibt es attraktive Zinsen für Liquidität.
Das Angebot: Bis zu 3 Prozent Zinsen p. a. aufs Tagesgeld plus 100 € Bonus. Das ist eine ideale Ergänzung zum Aktien-ETF, um den risikoarmen Teil deines Portfolios zu parken.
Vor- und Nachteile auf einen Blick
✅ Das spricht für den comdirect All World ETF
- Weniger Einzelwert-Risiko: Die Top-Positionen werden regelmäßig gestutzt.
- Qualität: Small Caps kommen nur ins Portfolio, wenn sie Gewinne schreiben.
- Sparplan-Vorteil: Für comdirect-Kunden* entfallen Order- und Sparplangebühren. Das lohnt sich besonders bei kleinen Sparraten, wo Kaufgebühren sonst stark ins Gewicht fallen.
⛔ Das spricht gegen den comdirect All World ETF
- Laufende Kosten: Mit 0,40 Prozent TER teurer als alternative Produkte.
- Keine regionale Diversifizierung: Der US-Anteil bleibt extrem hoch (über 60 Prozent).
- Abweichung: In Phasen, in denen ausschließlich Tech-Riesen den Markt treiben, könnte der ETF kurzfristig hinter dem MSCI ACWI liegen.
Fazit: Für wen lohnt sich der comdirect All World ETF?
Der comdirect All World ETF ist eine Option für Anleger, die zwar global investieren, aber die Abhängigkeit von den absoluten Top-Werten (wie Nvidia, Apple, Microsoft) etwas reduzieren wollen („Capping“). Das Länderrisiko USA bleibt jedoch genauso hoch wie beim MSCI ACWI.
Anleger müssen abwägen: Ist mir die Reduzierung des Einzelwert-Risikos (Top 10 machen ca. 20 statt 24 Prozent aus) den Aufpreis der Gebühren wert? Rein kostentechnisch fahren langfristige Anleger mit einem klassischen, günstigen Welt-ETF (ab 0,12 Prozent TER) oft besser.
Das Produkt ist jedoch eine interessante Lösung für comdirect-Kunden* mit Sparplänen. Hier bekommst du ein weltweit gestreutes Portfolio inklusive Small Caps und integriertem „Tech-Bremse-Mechanismus“ (Capping), ohne bei jeder Ausführung Gebühren zu zahlen. Wer sich also an der extremen Konzentration von Nvidia, Apple und Co. im MSCI ACWI stört – nicht aber an der US-Dominanz generell – findet hier eine Alternative.
