Österreichs Notenbank - Gewerbeimmobilien-Kredite bleiben Risiko
Wien (Reuters) - Steigende Kreditausfälle bei Gewerbeimmobilien bleiben nach Ansicht der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ein zentrales Risiko für die heimischen Banken.
Die Quote notleidender Kredite (NPL) in diesem Sektor sei auf 7,9 Prozent gestiegen und liege damit mehr als doppelt so hoch wie im Gesamtdurchschnitt von drei Prozent, sagte Markus Schwaiger, Direktor der Hauptabteilung Finanzmarktstabilität, am Dienstag in Wien. Ein besonderer Treiber sei der gewerbliche Wohnbau. "Hier ist nahezu jeder achte Kredit, wenn man das Volumen anschaut, ausgefallen, von über zwölf Prozent mittlerweile", sagte Schwaiger bei der Vorstellung des halbjährlichen Finanzmarktstabilitätsberichts der OeNB.
Die Notenbank hat auf die Entwicklung bereits reagiert. Sie führte einen Kapitalpuffer von einem Prozent für diesen Bereich ein. Diese Situation sei eine Bestätigung für die erhöhten, strukturellen Kreditrisiken, die mit einer höheren Eigenmittelerfordernis auszugleichen seien, sagte Schwaiger. Der Puffer werde noch vor Jahresende auf seine Angemessenheit hin überprüft.
Zudem belastet ein hoher Bestand an faulen Krediten die Bilanzen. Dieser sei auf 26 Milliarden Euro angewachsen und müsse von den Banken aktiv gemanagt werden, betonte Schwaiger. In Österreich gebe es mittlerweile 50 Banken mit einer NPL-Quote von über fünf Prozent, was europaweit als wesentliche Schwelle gelte. Eine EU-Regel zwinge die Institute, unbesicherte faule Kredite bereits nach drei Jahren vollständig wertzuberichtigen. "Wir gehen daher davon aus, dass wir über die nächsten Quartale und über die nächsten zwei, drei Jahre doch mit einer Auswirkung auf die Gewinne beziehungsweise die Kapitalisierung des Bankensystems aus diesem Altbestand an ausgefallenen Krediten rechnen müssen", sagte Schwaiger.
Positiver stellt sich die Lage hingegen bei privaten Wohnimmobilienkrediten dar. In diesem Bereich entwickle sich die Ausfallquote mit 1,4 Prozent weitgehend stabil und liege deutlich unter dem Marktdurchschnitt. Zudem habe sich die Leistbarkeit spürbar verbessert. Während die Immobilienpreise seit ihrem Höchststand um rund vier Prozent gefallen seien, seien die Einkommen im selben Zeitraum um über 20 Prozent gestiegen. Ein weiterer risikomindernder Faktor sei, dass der Anteil an fixverzinsten Krediten im Neugeschäft bei über 80 Prozent liege. Dadurch werde das Zinsrisiko überwiegend vom Bankensektor und nicht von den Haushalten getragen.
Trotz der Risiken attestierte die OeNB der Branche eine hohe Widerstandsfähigkeit. Mit einem Nettogewinn von fünf Milliarden Euro erzielten die Institute im ersten Halbjahr 2025 das drittbeste Ergebnis ihrer Geschichte. Die harte Kernkapitalquote (CET1) stieg zur Jahresmitte auf 18,6 Prozent. Ein aktueller Stresstest habe zudem gezeigt, dass die Kapitalquote selbst in einem Szenario einer schweren, dreijährigen Rezession nur auf 13 Prozent sinken würde. Dieser Wert sei höher als der Ausgangswert vor zehn Jahren, sagte Schwaiger.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)