China bekräftigt im Nexperia-Streit Kritik an den Niederlanden
Peking (Reuters) - China hat die Niederlande im Streit um den für die Autoindustrie wichtigen Chiphersteller Nexperia zu "praktischen Maßnahmen" aufgefordert.
Dies sagte Handelsminister Wang Wentao der deutschen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in einem Videogespräch, wie sein Ministerium am Donnerstag mitteilte. Die globale Halbleiter-Lieferkette sei weiterhin sehr fragil, da die niederländische Seite ihre "unzulässigen administrativen und juristischen Eingriffe" in das Unternehmen nicht aufgehoben habe. Die Entscheidung der Regierung in Den Haag von vergangener Woche, die Übernahme von Nexperia auszusetzen, geht Peking nicht weit genug. China fordert eine vollständige Rücknahme der Maßnahme.
Die Niederlande hatten am 30. September den chinesischen Nexperia-Chef abgesetzt und die Firma in Obhut genommen. Begründet wurde das später damit, dass der chinesische Eigner Wingtech Technologie und Produktionsanlagen nach China transferieren wolle. Das hätte unter anderem das Nexperia-Werk in Hamburg betroffen. Die Regierung in Peking stoppte daraufhin Exporte von Produkten mit Nexperia-Chips aus China. Das versetzte der Lieferkette in der Autoindustrie und anderen Branchen einen Schock, weil Nexperia mit seinen Basischips einen großen Marktanteil hat. Ein Gericht in Amsterdam hatte dem chinesischen Mutterkonzern Wingtech zudem im vergangenen Monat die Kontrolle über Nexperia entzogen.
Bereits am Mittwoch hatte Wang mit EU-Handelskommissar Maros Sefcovic gesprochen und sich darauf verständigt, auf eine Lösung durch das Unternehmen selbst zu dringen und damit die niederländische Regierung zu umgehen. Die Unternehmen seien die Hauptakteure bei der Lösung des Problems, hieß es in der Mitteilung des chinesischen Ministeriums. Beide Seiten würden Nexperia Niederlande und Nexperia China dazu anhalten, so bald wie möglich in einen konstruktiven Austausch zu treten.
(Bericht von Reuters Reportern in Peking, geschrieben von Anneli Palmen, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
