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Ausverkauf von US-Staatsanleihen kann Finanzsystem destabilisieren

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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Quelle: Dilok Klaisataporn/Shutterstock.com

Berlin, 21. Jan (Reuters) - Die Ratingagentur Scope rechnet nicht mit einem großangelegten Verkauf amerikanischer Staatsanleihen als Reaktion auf den Grönland-Konflikt.

"Europäische Länder halten ebenso wie Japan und China große Bestände ⁠an ausstehenden US-Staatsanleihen", ‍schrieb Scope-Analyst Eiko Sievert in einer Kurzanalyse, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag. "Wir halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass europäische Investoren als Reaktion ‌auf die derzeitigen politischen Spannungen US-Anlagen in großem Stil und auf koordinierte Weise abstoßen würden." Dies liege am hohen ‍Anteil, der sich im Besitz privater Investoren befinde. Sollte ein solches Szenario dennoch eintreten, könne das zudem zu riskanten Notverkäufen führen. "Dabei würden die eigenen Vermögenswerte der Investoren stark an Wert verlieren, was das globale Finanzsystem, in dem sie agieren, destabilisieren würde."

Angesichts der zunehmenden politischen Unsicherheit in den USA dürften Investoren ihre US-Bestände jedoch ‍wahrscheinlich weiter schrittweise diversifizieren. "In Verbindung mit der wachsenden ⁠Staatsverschuldung der USA kann dies zu einem Aufwärtsdruck auf die Risikoprämien für künftige Anleiheemissionen führen", betonte Sievert. "Dies erhöht die Anfälligkeit der Staatsfinanzen, da die Zinsaufwendungen weiter steigen."

Der dänische Pensionsfonds ‍AkademikerPension hatte am Dienstag angekündigt, seine gesamten Bestände an US-Staatsanleihen im Wert von rund 100 Millionen Dollar zu verkaufen. "Die Entscheidung wurzelt ⁠in den schlechten US-Staatsfinanzen, die uns zu dem Schluss bringen, dass wir uns um einen alternativen Weg für unser Liquiditäts- und Risikomanagement bemühen müssen", betonte Investmentchef Anders Schelde. AkademikerPension erklärte zwar, dass die Entscheidung keine politische ‍Aktion im Zusammenhang mit dem Streit zwischen ‌Dänemark und den USA um Grönland sei. Schelde fügte jedoch hinzu: "Es steht also nicht in direktem Zusammenhang mit dem anhaltenden Zerwürfnis zwischen den USA und Europa, aber natürlich hat das die Entscheidung nicht erschwert."

Die in Berlin beheimatete europäische Ratingagentur Scope geht davon aus, dass die gesamtstaatliche Schuldenquote der USA bis 2030 auf 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen wird. 2024 waren es noch 122 Prozent. Unter den Industrieländern wären die USA demnach nach Japan der am zweithöchsten verschuldete Staat. Die Schuldenquote läge damit ⁠über den bis 2030 prognostizierten Niveaus für Großbritannien (115 Prozent), Frankreich (125 Prozent) und Italien (136 Prozent).

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