Reederei Hapag-Lloyd wagt sich mit Maersk auf Suezkanal-Route zurück

Reuters · Uhr
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Berlin/Kopenhagen, 02. Feb - Deutschlands größte Containerreederei Hapag-LloydHLAG.DE wagt sich nach gut zwei Jahren Unterbrechung wieder auf die wichtige Handelsroute durch den Suezkanal. Am Dienstag kündigte das Hamburger Unternehmen an, einen seiner mit dem dänischen Schifffahrtsriesen MaerskMAERSKb.CO betriebenen Liniendienste wieder durch das Rote Meer und den Suezkanal ⁠zu schicken. Es handele sich ‍um den IMX-Service, der Indien und den Nahen Osten mit dem Mittelmeer verbindet. Die Schiffe würden durch begleitende Marine geschützt.

Viele große Containerreedereien haben den Suezkanal seit dem Jahreswechsel 2023/2024 gemieden, nachdem es im angrenzenden Roten Meer Angriffe von Huthi-Rebellen aus dem ‌Jemen auf Handelsschiffe gegeben hatte. Die Umleitung um die Südspitze Afrikas hat die Kosten und den CO2-Ausstoß, aber auch die Frachtraten in die Höhe getrieben. Maersk lässt unabhängig von Hapag-Lloyd betriebene Schiffe ‍bereits wieder das Rote Meer durchqueren. Die französische Reederei CMA CGM machte indes nach einem ähnlichen Vorstoß vor zwei Wochen einen Rückzieher.

Hapag-Lloyd und Maersk teilten am Dienstag weiter mit, die Änderungen würden ab Mitte Februar gelten. In Richtung Westen werde zuerst die "Albert Maersk", in Richtung Osten die "Astrid Maersk" die Route über das Rote Meer und den Suezkanal nehmen. "Es werden höchstmögliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen, da die Sicherheit der Besatzungen, der Schiffe sowie der Ladung der Kunden für beide Reedereien höchste Priorität hat", erklärte Hapag-Lloyd. Beide Unternehmen beobachteten die Sicherheitslage im Nahen Osten weiter ‍sehr genau. Entscheidend sei, dass die Lage im Roten Meer stabil bleibe und ⁠es zu keiner Eskalation der Konflikte in der Region komme.

Die Huthi-Rebellen im Jemen hatten ihre Angriffe damit begründet, dass sie sich mit der Hamas im Gazastreifen solidarisch zeigen wollten. Sowohl Huthis als auch die Hamas werden vom Iran unterstützt. Im Gaza-Krieg mehrten sich zuletzt die Anzeichen für Entspannung: Am Montag öffnete ‍Israel erstmals seit Mai 2024 den Grenzübergang Rafah wieder für den Personenverkehr. Dieser Schritt ist eine der zentralen Bedingungen des von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenstillstands.

Der Dienst IMX wird von Maersk und Hapag-Lloyd im ⁠Rahmen ihrer im Februar 2025 gestarteten Gemini-Kooperation betrieben. Durch die operative Zusammenarbeit wollen die Unternehmen Kosten sparen und für mehr Pünktlichkeit sorgen. Hapag-Lloyd und Maersk kündigten weiter an, wenn möglich zu einem späteren Zeitpunkt auch mit zwei weiteren Liniendiensten wieder das Rote Meer und den Suezkanal durchqueren zu wollen.

Nach einem Testlauf hatte Maersk Ende Januar allein angekündigt, Schiffe wieder regulär durch ‍das Rote Meer und den Suezkanal fahren zu lassen. Die Dänen begründeten ‌die Entscheidung mit anhaltend stabilen Bedingungen in dem Seegebiet in Nahost. Maersk verwies zugleich aber auf Notfallpläne, falls sich die Sicherheitslage wieder verschlechtern sollte. Dann könnten einzelne Fahrten oder der gesamte Dienst wieder über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet werden.

Eine Kehrtwende hat die französische Reederei CMA CGM vollzogen. Sie kündigte vor zwei Wochen an, drei Liniendienste zwischen Asien und Europa vorerst wieder über Südafrika umzuleiten. Als Grund nannte das Unternehmen die "komplexe und unsichere internationale Lage", ohne dies weiter auszuführen. CMA CGM ist nach Maersk die drittgrößte Containerreederei weltweit. Hapag-Lloyd ist die Nummer fünf. Branchenführer MSC mit Sitz in der Schweiz gilt als sehr verschwiegen, so dass Äußerungen der börsennotierten Unternehmen Maersk und Hapag-Lloyd zu Entwicklungen in der Handelsschifffahrt mit großem Interesse verfolgt werden.

Die Aktie von Maersk fiel nach der jüngsten Entscheidung zum Gemini-Dienst um bis zu drei Prozent ⁠und notierte später noch 1,8 Prozent schwächer. Anleger befürchten, dass die Rückkehr zu der kürzeren Route die Frachtraten drücken könnte. Hapag-Papiere gaben 1,3 Prozent nach.

(Bericht: Elke Ahlswede und Stine Jacobsen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für ‍Unternehmen und Märk)

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