Erstmals seit 2021 mehr Genehmigungen für Wohnungsbau - "Trendwende"
Berlin, 18. Feb (Reuters) - Der krisengeplagte deutsche Wohnungsbau hat die Trendwende geschafft: Nach drei Minus-Jahren in Folge stieg die Zahl der Baugenehmigungen 2025 erstmals wieder. Die Behörden gaben grünes Licht für den Bau von 238.500 Wohnungen in neuen sowie bestehenden Gebäuden, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das waren 10,8 Prozent oder 23.200 Wohnungen mehr als 2024, als die Zahl auf den niedrigsten Stand seit 2010 gesunken war. Gestiegene Zinsen und höhere Materialkosten hatten in den drei Vorjahren viele Bauherren abgeschreckt.
Nach den Worten von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hat "die Trendwende im Wohnungsbau begonnen". "Die Stimmung in der Branche hat sich verbessert und auch die Investitionen steigen", sagte die Ministerin. Der Abbau von Bürokratie, etwa durch den sogenannten Bau-Turbo, sowie Förderprogramme sorgten dafür, "dass sich der positive Trend auch im Jahr 2026 weiter fortsetzt".
Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie tritt dagegen auf die Euphoriebremse. "Nicht alles, was genehmigt wird, wird auch gebaut", warnte Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Der politische Erfolg der Bundesregierung müsse sich an den Zahlen der Baufertigstellungen messen lassen. Das sieht der Immobilienverband Deutschland (IVD) ähnlich. "Der leicht steigende Trend bei den genehmigten Bauanträgen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein erheblicher Teil der Vorhaben sich verzögern oder gar nicht realisiert wird", sagte IVD-Präsident Dirk Wohltorf. "Und in Baugenehmigungen kann man nicht wohnen."
GEFRAGTE EINFAMILIENHÄUSER
Dem Frühjahrsgutachten der sogenannten Immobilienweisen zufolge dürften in diesem Jahr etwa 215.000 neue Wohnungen gebaut werden und damit rund 20.000 weniger als 2025. Manchen Experten ist das zu wenig. Einer Studie des Pestel-Instituts im Auftrag des Bündnisses "Soziales Wohnen" zufolge fehlen in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen. Um das Defizit bis 2030 abzubauen, wäre demnach der Neubau von gut 400.000 Wohnungen jährlich erforderlich. Ralph Henger vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) erläuterte, die Bundesregierung kurbele an vielen Stellen den Markt an, reguliere Mieten aber auch stark. "Aus ökonomischer Sicht ist das wie beim Autofahrer - Gas geben und gleichzeitig bremsen." Es fehlten dadurch Anreize, um zu investieren. Der Markt stabilisiere sich zwar, das Angebot bleibe aber zu gering. Unter dem Strich sei damit mit weiteren Preis- und Mietsteigerungen zu rechnen.
Besonders stark stieg 2025 die Zahl der Baugenehmigungen für neue Einfamilienhäuser. Hier gab es ein Plus von 17,2 Prozent auf 44.500. Bei den neu genehmigten Zweifamilienhäusern sank die Zahl dagegen leicht um 1,1 Prozent auf 12.600. Zusammen machten die zumeist von Privatpersonen errichteten Ein- und Zweifamilienhäuser 28,8 Prozent der genehmigten Neubauwohnungen aus.
In neuen Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten und vorrangig von Unternehmen errichteten Gebäudeart, genehmigten die Bauämter 128.100 Wohnungen. Das waren 12,1 Prozent mehr als im Jahr davor. Sie machten 64,6 Prozent aller im Jahr 2025 in Deutschland genehmigten Neubauwohnungen aus. Zudem stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen in neuen Wohnheimen um 34,2 Prozent auf 9100.
Die Stimmung im deutschen Wohnungsbau hat sich zu Jahresbeginn etwas verbessert. Das Geschäftsklima stieg im Januar von -22,7 auf -20,9 Punkte, wie die Umfrage des Münchner Ifo-Instituts ergab. Die Unternehmen zeigten sich etwas zufriedener mit ihren laufenden Geschäften, auch die Erwartungen hellten sich auf. "Bis sich die gestiegenen Wohnungsbaugenehmigungen in Aufträgen realisieren, braucht es Geduld", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Rüttger und Sabine Wollrab - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
