Cockpit, Kabine, Boden - überall Tarifstreit bei der Lufthansa
Frankfurt, 19. Feb (Reuters) - Bei der Lufthansa schaukeln sich Tarifkonflikte mit allen drei großen Gewerkschaften hoch. Nach dem eintägigen Streik der Piloten und der Kabinenbeschäftigten bei der Kernmarke in der vergangenen Woche, beginnt bei der Lufthansa-Tochter Cityline eine Urabstimmung der Piloten. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) erklärte am Donnerstag, das Votum über einen möglichen Arbeitskampf laufe bis zum 26. Februar. Eine streikfähige Cityline könnte dann mit den rund 5000 Lufthansa-Piloten in den Arbeitskampf ziehen. Die VC hatte im Streit um die Altersvorsorge bei Lufthansa einen weiteren Streik angedroht.
Keinen Fortschritt sieht die Gewerkschaft Verdi bei den Verhandlungen für die rund 20.000 Beschäftigten am Boden. Nach drei Verhandlungsrunden poche die Lufthansa weiter auf eine Nullrunde und wolle Tarife absenken, erklärte Verhandlungsführer Marvin Reschinsky. "Wir prüfen jetzt mit den Beschäftigten unsere Durchsetzungsoptionen, um den Druck zu erhöhen", ergänzte er. Da die Friedenspflicht endete, sind Warnstreiks möglich.
KOSTEN SOLLEN RUNTER
Die Lufthansa steckt nach Verlusten 2024 mitten in einem Sanierungsprogramm - auch die Personalkosten sollen sinken, um wieder Gewinn einzufliegen und die Umsatzrendite des Konzerns bis Ende des Jahrzehnts auf acht bis zehn Prozent zu erhöhen. Gegenüber den Forderungen der Gewerkschaften VC, Verdi und der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) beim "Problemkind" Lufthansa zeigt das Unternehmen den Gewerkschaften zufolge bisher kein Entgegenkommen. Verdi fordert für das Bodenpersonal sechs Prozent oder mindestens 250 Euro mehr Gehalt. Die Verhandlungen sollen am 3. März weitergehen. Es gebe Termine bis Mitte April, erklärte die Lufthansa und wollte sich zum Inhalt der Gespräche nicht äußern.
VON CITYLINE ZU CITY AIRLINES
Bei der von Schließung bedrohten Cityline, die mit rund 30 Flugzeugen innerdeutsche und europäische Strecken bedient, erklärte die VC die Verhandlungen über mehr Geld für die rund 500 Piloten in dieser Woche für gescheitert. Sie fordert rückwirkend ab 2024 in drei jährlichen Schritten eine Erhöhung um insgesamt 9,9 Prozent. "Ein tariffähiges Angebot des Arbeitgebers liegt bis heute nicht vor", erklärte VC-Präsident Andreas Pinheiro. Eine Vergütungserhöhung, die an anderer Stelle wieder eingespart werden solle, sei kein Angebot.
Cityline widersprach und verwies auf ein neues, "verhandlungsfähiges" Angebot. Doch müsse ein Abschluss die hohen Verluste der Airline reflektieren. Cityline appellierte an die VC, wieder zu verhandeln statt zu streiken. Die Fluggesellschaft wird seit zwei Jahren verkleinert und soll geschlossen werden. Stattdessen wird die neu gegründete City Airlines aufgebaut. Die Lufthansa will Personalkosten senken, indem bei City Airlines für den Arbeitgeber günstigere Tarifverträge ausgehandelt werden. Zwischen der Lufthansa und der VC ist das ein Zankapfel. Die Piloten wehren sich gegen ein immer stärkeres Absenken der Tarife. Die Lufthansa schrumpft ihre Premiumairline und baut die günstigeren Töchter Discover und City Airlines aus.
So nahm die in München beheimatete City Airlines kürzlich auch in Frankfurt den Betrieb auf. Bis Herbst soll die Flotte in Frankfurt auf sieben Airbus A320neo wachsen, die zu 13 Flugzeugen am Drehkreuz München hinzukommen. Derzeit hat die Fluglinie 450 Mitarbeitende. In den kommenden Monaten sollen 80 Cockpit- und 200 Kabinenbeschäftigte hinzukommen. Bei den laufenden Gesprächen zur Ersttarifierung macht sich Verdi Hoffnungen, als Tarifpartner zum Zug zu kommen. "Es gibt inzwischen wieder einen guten, konstruktiven Verhandlungsverlauf, auch wenn wir uns noch nicht in allen Punkten einig sind", sagte Reschinsky. UFO-Tarifexperte Harry Jaeger erklärte, die Gespräche lägen nicht in der erhofften Frequenz. Die VC bleibt unterdessen gesprächsbereit.
(Bericht von Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)


