
(Reuters) - Der Umbau des fränkischen Auto- und Industriezulieferers Schaeffler geht den Investoren zu langsam. Eine nach den Worten von Vorstandschef Klaus Rosenfeld "eher konservative" Prognose für 2026 schickte die Aktie des Familienunternehmens am Dienstag auf Talfahrt: Ein Minus von 17 Prozent auf 8,21 Euro stand am Mittag zu Buche. "Das hätte ich so nicht erwartet", sagte Rosenfeld in der Bilanzpressekonferenz. Die Verunsicherung der Autokäufer und der langsame Wandel hin zur Elektromobilität hat dem Hersteller von Antrieben und Wälzlagern im vergangenen Jahr bei stagnierenden Umsätzen erneut einen Nettoverlust von 424 (2024: 632) Millionen Euro eingebrockt.
Rosenfeld setzt neben dem Hochlauf des E-Auto-Geschäfts auch auf neue Geschäftsfelder, etwa in der Raumfahrt, Rüstung und mit menschenähnlichen Robotern für die Industrie. "Wir erfinden uns neu, ohne das aufzugeben, wofür wir seit Jahrzehnten stehen", sagte der Vorstandschef. Das hatte zuletzt für viel Fantasie an der Börse gesorgt. Doch nennenswerte Umsätze bringen die neuen Betätigungsfelder derzeit nicht, bisher sind nur Prototypen von Satelliten-Stabilisatoren, Drohnen-Motoren oder Fingergelenken für Roboter bestellt.
Bis 2035 sollen die neuen Produkte zehn Prozent des Umsatzes ausmachen und damit das wegbrechende Geschäft mit klassischen Auto-Antrieben wenigstens zum Teil wettmachen. "Vielleicht schaffen wir es auch ein paar Jahre früher", sagte Rosenfeld. Große Investitionen seien dafür nicht nötig: "Wir nutzen bestehende Kapazitäten, wir müssen keine neuen Werke bauen."
Kurzfristig geht es darum, das wachsende Geschäft mit Teilen für Elektroautos in die Gewinnzone zu führen und die bröckelnden Gewinne im Geschäft mit klassischen Getriebe- und Karosserie-Komponenten wettzumachen. Rosenfeld bekräftigte das Ziel, in der E-Auto-Sparte bis 2028 keine Verluste mehr zu erwirtschaften. "Es mag sein, dass die Welt in Unordnung ist, aber wir lassen uns von unserem Ziel nicht abbringen." Im übernächsten Jahr soll Schaeffler auf 27 bis 29 Milliarden Euro Umsatz kommen, bei einer operativen Umsatzrendite (Ebit-Marge) von sechs bis acht Prozent.
Die Prognose für das laufende Jahr enttäuschte die Börse: Der Umsatz soll mit 22,5 bis 24,5 Milliarden Euro um den Wert des vergangenen Jahres schwanken, für das bereinigte Ebit gilt eine Spanne von 3,5 bis 5,5 Prozent. Die Analysten erwarten im Schnitt aber mehr als fünf Prozent. Auch die Verluste in der E-Auto-Sparte gingen langsamer zurück als gedacht, schrieben die Analysten von Jefferies.
Im vergangenen Jahr - dem ersten, in dem der Autozulieferer Vitesco ganz zum Schaeffler-Konzern gehörte - schrumpfte der Umsatz währungsbereinigt leicht auf 23,5 Milliarden Euro; Ziel waren 23 bis 25 Milliarden. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Sondereffekten (Ebit) verbesserte sich auf 936 (842) Millionen Euro, die operative Umsatzrendite lag mit 4,0 (3,5) Prozent in der Mitte der anvisierten Spanne von drei bis fünf Prozent.
FAST DIE HÄLFTE DES STELLENABBAUS IST VOLLZOGEN
Schaeffler habe sein Sparprogramm schneller umgesetzt als erwartet, erklärte der Vorstandschef. Von 4.700 Mitarbeitern, die gehen sollten, seien 2.200 schon weg, für 75 Prozent seien die Aufhebungsverträge unterschrieben. Ende des Jahres beschäftigte Schaeffler weltweit knapp 110.800 Menschen. Weitere Einsparungen wollte Rosenfeld nicht ausschließen: Das nächste Sparprogramm werde "nicht übermorgen" kommen, "wir müssen uns aber mit der Frage beschäftigen: Wo gibt es weiteren Anpassungsbedarf?"
Trotz der Verluste sollen die Aktionäre - allen voran die Eigentümerfamilie Schaeffler - eine um fünf Cent erhöhte Dividende von 30 Cent je Aktie erhalten. "Das ist ein Zeichen von Stärke", sagte Rosenfeld. Für die Dividende maßgebend sei das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis, aus dem Restrukturierungs- und Integrationskosten sowie Abschreibungen auf Software von 572 Millionen Euro herausgerechnet seien.





