CANCOM – einen Blick wert?

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CANCOM – einen Blick wert?

CANCOM bietet IT-Lösungen für Unternehmen, Organisationen und den öffentlichen Sektor. Dabei beinhaltet das Angebot von CANCOM die Beratung, Umsetzung und den Betrieb der IT-Systeme. Der MDAX-Konzern beschäftigt weltweit mehr als 4.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,4 Mrd. Euro.

Die Zahlen sehen gut aus

In den vergangenen Jahren hat sich CANCOM sehr gut entwickelt. Sowohl der Umsatz als auch das EBITDA konnten in den vergangenen zehn Jahren stark gesteigert werden. So stieg der Umsatz seit 2008 jährlich um knappe 15 % und das EBITDA konnte sogar jährlich um mehr als 30 % zulegen. Der starke Anstieg beim EBITDA ist in erster Linie auch einer enormen Verbesserung der Margen geschuldet. Diese stieg seit 2008 von knapp über 2 % auf aktuell über 8 %.

Diese starke Entwicklung ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass CANCOM seine Angebote weiterentwickelt. Als Basis dient weiterhin das reine Geschäft als IT-Systemhaus. Darauf aufbauend bietet CANCOM nun aber auch Cloudlösungen an. Mit dieser Strategie liegt der Konzern voll im Trend und erfüllt den zunehmenden Wunsch seiner Kunden nach Cloudlösungen.

Wie wichtig und chancenreich das Cloudgeschäft für CANCOM ist, erkennt man, wenn man die beiden Unternehmensbereiche getrennt betrachtet. Das IT-Geschäft bildet weiterhin das Rückgrat von CANCOM. In den ersten neun Monaten 2019 machte es rund 960 Mio. Euro Umsatz und erzielte ein EBITDA von etwa 48 Mio. Euro. Damit konnte der Umsatz um knappe 22 % und das EBITDA um mehr als 12 % im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden. Die EBITDA-Marge war leicht rückläufig und lag bei 5 %.

Ein zweistelliges Wachstum bei Umsatz und EBITDA ist aus meiner Sicht schon sehr ordentlich. Trotzdem ist der Wachstumstreiber bei CANCOM das Cloudgeschäft. Dieses konnte den Umsatz um etwas mehr als 22 % steigern und zudem das EBITDA um mehr als 27 %. Das Beeindruckende ist jedoch in erster Linie die Marge, die bei über 26 % lag. Dadurch erwirtschaftete CANCOM im Cloudbereich mit 56 Mio. Euro ein höheres EBITDA als mit seinem Kerngeschäft, obwohl der Cloudbereich nur rund ein Viertel des Umsatzes macht (214 Mio. Euro).

Dementsprechend möchte CANCOM nun auch in Zukunft sein margenstarkes Cloudgeschäft weiter ausbauen. In den nächsten zwei bis vier Jahren möchte der Konzern sein EBITDA nahezu verdoppeln. Um dieses Ziel zu erreichen, soll neben weiterem Umsatzwachstum in erster Linie die EBITDA-Marge des Gesamtkonzerns weiter verbessert werden. Diese soll in den kommenden Jahren auf über 10 % steigen. Eine solche Steigerung kann nur gelingen, wenn das margenstarke Cloudgeschäft weiter so stark wächst wie bisher und seinen Anteil am Gesamtumsatz weiter ausbaut.

Das Haar in der Suppe

Wenn man sich die Zahlen und Perspektiven so anschaut, dann könnte man meinen, dass es aktuell super harmonisch bei CANCOM laufen müsste. Leider ist dies nicht der Fall. Anfang Januar gab der Konzern bekannt, dass man sich vorzeitig von seinem Vorstandsvorsitzenden Thomas Volk trennen werde. Volk war nur etwas mehr als ein Jahr im Amt und der erste externe Vorstandsvorsitzende, nachdem der CANCOM-Gründer Klaus Weinmann den Posten nach 25 Jahren aufgegeben hatte. Nun muss Volk „aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Entwicklung des Unternehmens“ gehen und Rudolf Hotter soll das Ruder übernehmen.

Als langfristiger Anleger ist diese ganze Unruhe erst einmal sehr negativ. Ein Unternehmen kann nur langfristig erfolgreich sein, wenn das Management gut arbeitet und an einem Strang zieht. Wenn es interne Streitigkeiten gibt, wird sich das langfristig immer negativ auf die Performance des Unternehmens auswirken und ist daher Gift für die langfristige Entwicklung der Aktie. Im Fall von CANCOM scheint man diese Streitigkeiten nun aus dem Weg geräumt zu haben, da Thomas Volk ja nun aus dem Unternehmen ausgetreten ist. Mit Rudolf Hotter übernimmt jemand das Steuer, der bereits über 15 Jahre Bestandteil des Vorstands ist und CANCOM in- und auswendig kennt. Aus meiner Sicht ist dies ein positives Zeichen, da er für die gute Entwicklung der letzten zehn Jahre mitverantwortlich ist und ich ihm daher zutraue, CANCOM in Zukunft auch erfolgreich auszurichten.

Sollte man jetzt darüber nachdenken, die CANCOM-Aktie zu kaufen?

Ich persönlich bin etwas zwiegespalten. CANCOM liefert klasse Zahlen und auch die Perspektive für die nächsten Jahre wirkt sehr erfolgversprechend. Zudem ist der Konzern für dieses starke Wachstum mit einem KGV von aktuell knapp 36 (Stand: 23.01.2020) gar nicht so hoch bewertet. Trotzdem schrecken mich die aktuellen internen Machtkämpfe erst einmal ab.

Ich persönlich denke daher, dass man als langfristiger Anleger CANCOM genau beobachten sollte und insbesondere bei der Veröffentlichung des vorläufigen Jahresergebnisses Anfang Februar genau schauen sollte, wie sich der Konzern in Zukunft ausrichten möchte. Erst danach würde ich persönlich eine Entscheidung treffen, ob ich mir CANCOM in mein Depot hole oder nicht.

Ist dies die nächste Wirecard?

Wirecard stieg um fast 2.000 %. Jetzt gibt es einen aussichtsreichen „Nachfolger“, der schon bald die Spitze einnehmen könnte. Im Jahr 2018 kam die Aktie an die Börse. Mit +49 % Umsatz-Wachstum (2018) und einer traumhaften Marge von 52 % (vor Steuern und Abschreibungen) fasziniert das Unternehmen die Analysten, während seine Plattform die Internet-Händler in der ganzen Welt mit der besten Performance begeistert und so bereits über 3 Milliarden Menschen erreicht. Wächst hier ein ganz neuer Tech-Gigant heran? Alle Details liest du hier:

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Robin Gey besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2020

Foto: Getty Images

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