Chinas Aktienmärkte unter extremen Druck – Abverkauf könnte sich fortsetzen – wird es Zeit, chinesiche Aktien-Werte aus dem Depot zu werfen?

onvista

Die regulatorischen Eingriffe der chinesischen Regierung gegen diverse nationale Unternehmen setzen die chinesischen Märkte nun schon seit einiger Zeit massiv unter Druck - das schlägt auch Wellen nach Übersee, wo die Nervosität trotz der im Großen und Ganzen guten Quartalszahlen wächst.

Chinas Aktienmärkte unter extremen Druck – Abverkauf könnte sich fortsetzen – wird es Zeit, chinesiche Aktien-Werte aus dem Depot zu werfen?

Die Eingriffe Chinas in die dortigen Kapitalmärkte gingen „bis zur faktischen Enteignung der Anteilseigner“, merkte Commerzbank-Stratege Chris-Oliver Schickentanz an. Die Unsicherheit über das weitere Vorgehen der Regierung führe zu verstärkten Aktienverkäufen und belaste damit die Börsenindizes. Chinas Leitindex CSI 300 rutschte am Dienstag um 3,5 Prozent auf den niedrigsten Stand seit November vergangenen Jahres ab. Seit Jahresanfang hat der CSI 300 bereits knapp 9 Prozent verloren. Ähnlich sieht es beim Hang Seng, dem wichtigsten Index in Hongkong aus, der seit Jahresbeginn fast 8 Prozent einbüßen musste.

Auch andere wichtige Indizes, die Werte aus dem chinesischen Festland abbilden, darunter der Shanghai Composite und der Shenzhen Components notieren mittlerweile auf Year-to-Date-Basis im Minus. Zudem ist auch der MSCI World aufgrund der hohen Gewichtung chinesischer Unternehmen unter Druck geraten.

Chinas Regierung zieht überall die Zügel deutlich enger

Angefangen mit regulatorischen Maßnahmen gegen den Fahrdienstvermittler Didi, der trotz einer Warnung chinesischer Behörden voreilig sein Börsendebüt an der New York Stock Exchange gegeben hat, weiten sich die Maßnahmen der Pekinger Regierung mittlerweile in diverse Bereiche aus, darunter den Bildungssektor, Technologie-Unternehmen, den Immobiliensektor, aber auch im Bereich des Lebensmittelhandels. Zuletzt wurden Maßnahmen gegen den Tech-Giganten Tencent ergriffen, der von den Kartellbehörden gezwungen wird, seine exklusiven Musiklizenzrechte aufgrund wettbewerbswidrigen Verhaltens aufzugeben.

Die nun deutlich enger gezogenen Daumenschrauben der Regierung verschrecken Anleger aus aller Welt und forcieren die Abverkäufe diverser chinesischer Titel. So hat auch der populäre US-Investmentfonds ARK Invest um Cathie Wood weitere Aktienpakete von Werten wie Alibaba, Tencent, Baidu, BYD oder JD.com abgestoßen. Aufgrund der deutlich strengeren Maßnahmen der Regierung, die die wirtschaftliche Macht der größten chinesischen Firmen beeinflussen wird, hält Wood eine Neubewertung bei vielen dieser Werte für wahrscheinlich, wie sie bereits Anfang des Monats skizzierte.

Die globalen Finanzmärkte stehen vor einer Spaltung

Ein Fortschreiten des Abverkaufs chinesischer Titel ist angesichts der derzeitigen Lage nicht unwahrscheinlich – Viele Hedgefonds werden in den nächsten Wochen evaluieren, ob sich ein weiteres Engagement in vielen dieser Titel noch lohnt, da eine Abkehr vom härteren Kurs der Regierung in Peking vorerst nicht erkennbar ist.

Übergeordnet bleibt der Handelsstreit zwischen China und den USA, sowie das generelle Ringen um die globale wirtschaftliche Machtstellung beider Parteien der Haupttreiber für die weiteren Entwicklungen am Aktienmarkt. Die zunehmend abschottende Haltung Chinas und der Versuch, den eigenen Konzen-Riesen straffere Zügel anzulegen, um nicht die wirtschaftliche Kontrolle zu verlieren, verstärkt die Spaltung zwischen den westlichen und den asiatischen Finanzmärkten. Dies dürfte sich in Zukunft auch auf die Notierung chinesischer Firmen an den US-Finanzmärkten auswirken, da sowohl die USA als auch China die regulatorischen Hürden dafür höher legen wollen. Anleger, die in chinesische Titel involviert sind, sollten sich deshalb genau überlegen, ob ein Engagement langfristig weiterhin sinnvoll ist.

Zudem befindet sich das Verhältnis zwischen den USA und China auf einem Tiefpunkt, sodass auf diplomatischer Ebene sobald ebenfalls keine Lösung in Sicht ist. Die USA wollten wieder China zum „imaginären Feind“ stilisieren, wurde der stellvertretende chinesische Außenminister Xie Feng von Fernsehen am Montag während des Treffens mit US-Außenministerin Wendy Sherman in Tianjin bei Peking zitiert. „Die chinesisch-amerikanischen Beziehungen sind im Stillstand und stehen vor ernsthaften Schwierigkeiten.“

Von Alexander Mayer mit Material von dpa-AFX und Reuters

Titelfoto: Poring Studio / Shutterstock.com

Testsieger onvista bank: Kostenlose Depotführung, nur 5,- € Orderprovision und komfortables Webtrading! Mehr erfahren > > (Anzeige)

Das könnte Sie auch interessieren

Kurs zu Hang Seng Index

  • 24.503,00 HKD
  • +1,50%
23.09.2021, 23:20, BNP Paribas Indikation
Weitere onvista-News
alle Artikel anzeigen

Derivate-Wissen

Mit Kapitalschutz in den "Hang Seng" investieren?

Mit Garantiezertifikaten können Sie ohne Kursrisiko in den "Hang Seng" investieren.

Erfahren Sie mehr zu Garantie-Zertifikaten