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Dax: Euphorie über Trumps China-Aussagen schwindet

dpa-AFX

Die Hoffnung auf ein Ende des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits hat dem Dax am Freitag zeitweise deutliche Kursgewinne beschert. Diese schmolzen am Nachmittag allerdings sichtbar zusammen.

Dax: Euphorie über Trumps China-Aussagen schwindet

Zum Börsenschluss behauptete der deutsche Leitindex ein Plus von 0,44 Prozent auf 11 518,99 Punkte und setzte damit seinen Erholungstrend fort. Auf Wochensicht erzielte er einen deutlichen Gewinn von knapp drei Prozent, nachdem er im Oktober noch den heftigsten Monatsverlust seit Anfang 2016 erlitten hatte. Der MDax , in dem die mittelgroßen deutschen Unternehmen notiert sind, schloss am Freitag 0,56 Prozent höher bei 24 473,93 Punkten.

Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets UK befürchtet, dass US-Präsident Donald Trumps erklärte Bereitschaft für ein Handelsabkommen mit China nur ein politisches Manöver für die Zwischenwahlen zum Kongress am Dienstag ist. Der am Nachmittag veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht sei zwar besser als erwartet ausgefallen. Er lasse angesichts der erwartungsgemäßen Lohnkostenentwicklung aber keine Ängste vor einer schnelleren Straffung der amerikanischen Geldpolitik aufkommen.

Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es letztlich um 0,32 Prozent auf 3214,41 Zähler bergauf. Die nationalen Indizes in Paris und London schlossen uneinheitlich. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial notierte zum europäischen Handelsende knapp ein halbes Prozent in der Verlustzone.

Nach Monaten der Konfrontation im Handelsstreit hatten die USA und China ein deutliches Signal der Entspannung gesendet. Trump will den Konflikt einem Medienbericht zufolge noch in diesem Monat aus der Welt schaffen. Zum Treffen der G20-Staaten Ende November wolle er ein Handelsabkommen mit dem Präsidenten der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, Xi Jinping, abschließen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Beide Staatsführer sprachen von einem sehr positiven Telefonat.

"Wir werden bis zu den Wahlen (am Dienstag) über die Details der amerikanischen Vorschläge zu einem Handelsabkommen mit China wahrscheinlich genauso wenig hören wie über die Details des neuen Nafta-Deals", prophezeit indes Experte Stanzl. "Am Ende kann sich die Situation nach den Wahlen wieder genauso einstellen wie jetzt." Im schlimmsten Fall handele es sich anlässlich der Wahlen nur um einen vorübergehenden Waffenstillstand.

Zumindest dem Autosektor brachten die Nachrichten aber satte Kursgewinne ein. Denn das seit Monaten über der Fahrzeugindustrie schwebende Damoklesschwert drohender US-Strafzölle auf Autoimporte hat nun erst einmal an Schärfe eingebüßt. So stieg der Sektorindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts um gut anderthalb Prozent und stand damit ganz oben im Branchentableau.

Bei Volkswagen (VW) stützten zudem positive Unternehmensnachrichten, so dass die Vorzugsaktien knapp zwei Prozent gewannen. Die Wolfsburger hattene im Oktober als einziger deutscher Hersteller einen größeren Absatzsprung auf dem US-Markt gechafft. Damit bleibt das Unternehmen dort, wo der "Dieselgate"-Skandal die Verkäufe zeitweise hatte einbrechen lassen, weiter auf Erholungskurs. Zudem kündigte VW an, bei der Entwicklung des autonomen Fahrens im wichtigsten Einzelmarkt China stärker mitmischen zu wollen. Dazu steigt der Konzern bei der Entwicklungsplattform Apollo des chinesischen Internet-Riesen Baidu ein.

Zudem standen die Bankenwerte im Fokus. Nach Börsenschluss bekommen die wichtigsten Geldhäuser des Kontinents von der europäischen Bankenaufsicht EBA und der Europäischen Zentralbank (EZB) die Ergebnisse des diesjährigen Stresstests präsentiert. Untersucht wurden 48 Banken aus 15 europäischen Staaten. Die Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank gewannen bereits davor jeweils über zweieinhalb Prozent.

Mit über dreieinhalb Prozent plus waren Lufthansa-Titel der Spitzenreiter im Dax. Händler verwiesen auf einen optimistischeren Ausblick des Wettbewerbers IAG . Die British-Airways-Mutter will in den kommenden fünf Jahren bei steigenden Investitionen ihr Ergebniswachstum erhöhen.

Ans Indexende rutschte dagegen Wirecard mit einem Minus von sechseinhalb Prozent. Analyst Adithya Metuku sorgt sich um die Wettbewerbsposition des Zahlungsdienstleisters und die Nachhaltigkeit der inzwischen eingepreisten Wachstumsdynamik. Daher stufte er die Aktie auf "Underperform" ab.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,25 Prozent am Vortag auf 0,27 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,09 Prozent auf 140,78 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,19 Prozent auf 159,72 Punkte. Der Kurs des Euro sank auf 1,1381 US-Dollar. Den Referenzkurs hatte die Europäische Zentralbank (EZB) zuvor auf 1,1417 Dollar festgesetzt./gl/he


Von Gerold Löhle, dpa-AFX

Foto: Drop of Light / Shutterstock.com

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