Dax taucht tief ab ++ SAP: Umsatzwarnung sorgt für kräftiges Minus ++ Lufthansa: Alle zwei Stunden eine Million Euro Verlust ++ Siemens: 2 Milliarden Euro für Antriebstochter Flender?

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Dax taucht tief ab ++ SAP: Umsatzwarnung sorgt für kräftiges Minus ++ Lufthansa: Alle zwei Stunden eine Million Euro Verlust ++ Siemens: 2 Milliarden Euro für Antriebstochter Flender?

Auch die neue Börsenwoche steht unter keinem guten Stern. Heute müssen sich die Anleger anschnallen und gute Nerven beweisen. Zu den steigenden Infektionszahlen gesellt sich heute eine Umsatzwarnung von SAP. Keine gute Mischung für die Kurse. Nachdem der deutsche Leitindex schon in der vergangenen Woche fast 2 Prozent eingebüßt hatte, sackt er heute noch stärker ein. Der Dax startet mit einem Minus von 2,7 Prozent und 12.304,75 Punkten in die letzten Tage der Oktober-Woche. Die Corona-Pandemie greift auch an der Börse wieder um sich.

Volkswirte werden wieder vorsichtiger

Zudem wächst angesichts rasant steigender Corona-Neuinfektionen in Deutschland unter Volkswirten die Sorge vor den möglichen ökonomischen Folgen einer zweiten Pandemie-Welle. „Der konjunkturelle Aufschwung dürfte bis zum Frühjahr weitgehend zum Erliegen kommen“, sagte die Chefvolkswirtin der staatlichen KfW Bankengruppe, Fritzi Köhler-Geib. „Dadurch dürfte auch die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten stagnieren oder – wenn es schlecht läuft – deutlich zunehmen.“

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nannte die Infektionslage „dramatisch“, warnte jedoch erneut vor einem Herunterfahren der Wirtschaft. „Einen neuen flächendeckenden Lockdown darf es nicht geben, und ich halte ihn auch nicht für erforderlich“, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Finanzminister Olaf Scholz hält Deutschland für finanziell gut gerüstet. „Die Corona-Pandemie ist längst noch nicht besiegt, und wie erwartet verzeichnen wir jetzt im Herbst deutlich steigende Infektionszahlen“, sagte der SPD-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“ (Samstag). „Die Lage ist ernst, und wir nehmen sie ernst.“

Aus Sicht der Industrieländervereinigung OECD könnte die für 2021 erhoffte Erholung der Weltwirtschaft schwächer ausfallen als angenommen. „Weil wir mit einem sehr viel weniger klaren wirtschaftlichen Aufwärtstrend ins neue Jahr gehen als erwartet, mit weniger Power“, sagte OECD-Generalsekretär Ángel Gurría der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. In diesem Jahr werde der Wirtschaftseinbruch vermutlich noch gravierender als angenommen. Grund dafür seien die in vielen Ländern wieder stark steigenden Corona-Neuinfektionszahlen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben innerhalb eines Tages nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Samstagmorgen 14 714 neue Corona-Infektionen gemeldet, so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Da es allerdings am Donnerstag zu Datenlücken bei der Übermittlung von Zahlen gekommen war, könnten Nachmeldungen zu Buche geschlagen haben. Für Sonntag meldeten die Gesundheitsämter laut dem RKI 11 176 neue Corona-Infektionen. Allerdings sind an Sonntagen die erfassten Fallzahlen meist niedriger, auch weil am Wochenende weniger getestet wird.

Aus Sicht von KfW-Chefvolkswirtin Köhler-Geib bleiben die Beschäftigungsrisiken gerade in kundennahen Wirtschaftsbereichen hoch. Besonders für das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie Teile des Einzelhandels und der Kulturwirtschaft würden die Herbst- und Wintermonate noch einmal zur Belastungsprobe. Eine Ansicht, die auch Marc Schattenberg, Volkswirt bei der Deutschen Bank, teilt: „Die Situation ist belastend, besonders für den Dienstleistungssektor.“

Für das vierte Quartal gebe es Abwärtsrisiken, die sich auch in das neue Jahr hineinziehen könnten, sagte Schattenberg. Auch bei der Allianz-Gruppe hieß es, die Risiken nach unten überwögen. Leider dürfte es schon ab Herbst wieder ungemütlicher für die deutsche Wirtschaft werden, sagte Allianz-Expertin Katharina Utermöhl. Das Auslaufen stützender Nachholeffekte werde unmissverständlich deutlich machen, dass die derzeitige Konjunkturerholung kein Selbstläufer sei.

Altmaier betonte, „die positiven Konjunkturannahmen, die wir für das Jahr 2021 gemacht haben – also ein substanzielles Wachstum in der Größenordnung von mindestens vier Prozent – stehen natürlich unter dem Vorbehalt, dass es uns gelingt, die hohen Infektionszahlen wieder zu senken“. Für 2020 indes könne man davon ausgehen, dass die Entwicklung weitgehend so eintrete, wie sie prognostiziert worden sei. Für das kommende Jahr hatte die Bundesregierung ein Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent vorausgesagt, für das laufende einen Konjunktureinbruch von 5,8 Prozent.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, befürchtet, dass die Risiken einer zweiten Welle unterschätzt werden. Es müsse dringend gelingen, den Bürgern den Ernst der Lage bewusst zu machen und sie zu deutlich mehr Vorsicht zu bringen. „Ein starker und anhaltender Anstieg der Infektionen könnte die Wirtschaft genauso hart treffen wie die erste Welle“, sagte Fratzscher der „Augsburger Allgemeinen“: „Die Wirtschaft ist heute viel weniger widerstandsfähig als noch im März und April.“

Nach Meinung von FDP-Bundestagsfraktionsvize Christian Dürr zeigt sich, wie wirkungslos das Konjunkturpaket der Koalition gewesen sei. Die Mehrwertsteuersenkung sei teuer und verpuffe ohne erkennbaren Erfolg: „Wir brauchen jetzt schleunigst ein Signal für dauerhafte Entlastungen, damit Unternehmen mit so viel Zuversicht wie möglich wirtschaften und investieren können.“

SAP: Pandemie verschont auch die Walldorfer nicht

Die Corona-Pandemie hat Europas größten Softwarehersteller stärker im Griff als gedacht. Weil die Nachfrage wegen neuer Beschränkungen verhaltener ausfiel als erwartet, geht das Management um Vorstandschef Christian Klein nun von weniger Umsatz in diesem Jahr aus, auch der operative Gewinn dürfte nicht mehr so hoch ausfallen wie zuletzt geplant. Der wertvollste Dax-Konzern verfehlte mit den Zahlen zum dritten Quartal die Erwartungen von Analysten.

SAP rechnet bis Mitte kommenden Jahres mit Belastungen durch die Infektionskrankheit, was auch die für 2023 gesetzten Mittelfristziele um ein bis zwei Jahre nach hinten verschiebt. Wegen des noch schnelleren Umstiegs auf Cloudsoftware müssen sich Anleger nun darauf einstellen, dass SAP bis dahin auch kaum Fortschritte bei der Profitabilität machen wird. Die Walldorfer stellen den Finanzmarkt darauf ein, dass das starke Wachstum der Cloudangebote wohl vier bis fünf Prozentpunkte bei der operativen Marge kosten wird.

Zwar wächst die Software zur Nutzung über das Internet stark, doch sie ist noch immer nicht so profitabel wie die Softwareverkäufe gegen einmalige Lizenzgebühren. Für das Wachstum mit Cloudsoftware muss SAP auch weiter Geld in die technische Infrastruktur stecken, so seien voraussichtlich kommendes und übernächstes Jahr zusätzliche Investitionen erforderlich, hieß es. „Unser beschleunigter Umstieg in die Cloud wird sicherstellen, dass wir unseren Weg als Cloud-Wachstumsunternehmen fortsetzen, während wir uns gleichzeitig weiterhin auf Kosteneinsparungen konzentrieren“, sagte Finanzchef Luka Mucic.

In diesem Jahr rechnet SAP nun mit einem Gesamtumsatz von 27,2 bis 27,8 Milliarden Euro auf Basis konstanter Wechselkurse – das heißt zu Wechselkursen aus dem vergangenen Jahr. Schlägt der starke Euro besonders hart bei der Umrechnung von ausländischen Erlösen zu Buche, sind auch Werte darunter möglich. Vorher waren 27,8 bis 28,5 Milliarden angepeilt.

Darunter dürfte vor allem auch der Umsatz mit Cloudsoftware schwächer ausfallen mit 8 bis 8,2 Milliarden Euro, hier standen zuvor 8,3 bis 8,7 Milliarden Euro im Plan. Vor allem die US-Tochter Concur, die Kunden Reisekostenmanagement anbietet, leidet unter der Krise. Das Betriebsergebnis dürfte nun zwischen 8,1 und 8,5 Milliarden Euro landen statt zwischen 8,1 und 8,7 Milliarden. Bereits im April hatte SAP die ursprünglichen Jahresziele wegen der Corona-Krise eingedampft.

Weil der Konzern stark auf die Kostenbremse getreten ist, sieht es in diesem Jahr immerhin bei der Entwicklung der Kassenlage besser aus. Statt mit rund 4 Milliarden Euro freiem Barmittelzufluss (Free Cashflow) kalkuliert Mucic nun mit über 4,5 Milliarden Euro Zufluss in die Kasse.

Der Gesamtumsatz schrumpfte zwischen Juli und Ende September im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 6,54 Milliarden Euro, wobei der starke Euro für das Minus sorgte. Währungsbereinigt wären die Erlöse stabil geblieben. Das um Sonderkosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 2,07 Milliarden Euro um ein Prozent unter dem Vorjahreswert, wäre ohne Wechselkurseinfluss nach Berechnungen von SAP aber um 4 Prozent gewachsen.

Unter dem Strich konnte Mucic immerhin einen deutlichen Gewinnanstieg von 31 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro ausweisen. Dafür sorgte vor allem ein Bewertungseffekt bei der Beteiligungstochter Sapphire Venturs, die vorwiegend Geld in Start-Ups investiert. Mit den Werten von Umsatz und operativem Ergebnis lag SAP klar unter den Schätzungen von Analysten.

Lufthansa: Es muss noch mehr gespart werden

Die Lufthansa will angesichts global verschärfter Reiserestriktionen unter anderem mit erneuten Flugzeugstilllegungen und kleinerer Flotte die Kosten stärker drücken. Im Winterflugbetrieb 2020/21 könnten die Airlines der Gruppe maximal ein Viertel ihrer Vorjahreskapazität anbieten, die Zahl der Fluggäste werde voraussichtlich bei weniger als einem Fünftel des Vorjahreswertes liegen und damit noch einmal deutlich unter der angebotenen Kapazität, heißt es in einem Brief des Lufthansa-Vorstandes an die Mitarbeiter. „Wir müssen daher unsere bisherigen Anstrengungen, die Kosten weiter herunterzubringen, noch einmal verstärken“, heißt es in dem Schreiben vom Sonntag.

Zwar sei es gelungen, den Mittelabfluss von einer Million Euro pro Stunde zu Beginn der Pandemie auf „nur noch“ eine Million alle zwei Stunden zu senken. An der Dramatik habe sich aber nichts geändert. Daher sei es „unumgänglich, den Geschäftsbetrieb im Winter 2020/21 noch weiter herunterzufahren und möglichst viele Bereiche ab Mitte Dezember in einen „Wintermodus“ zu versetzen“. Unter anderem sollen 125 Flugzeuge erneut stillgelegt werden, die für den Einsatz im Winterflugplan vorgesehen gewesen seien. „Unseren ursprünglichen Plan, zum Jahresende wieder auf 50 Prozent der angebotenen Kapazität zu kommen, können wir nicht mehr einhalten“, heißt es.

Der Vorstand verwies darauf, dass nach den ersten neun Monaten ein Verlust von 4,1 Milliarden Euro zu Buche geschlagen habe. „Dieser Fehlbetrag wird sich im vierten Quartal noch deutlich erhöhen“, heißt es. Eine verlässliche Aussage über die Entwicklung der Branche sei schwieriger denn je. Dennoch sei der Vorstand „fest entschlossen, mindestens 100 000 der heute 130 000 Arbeitsplätze der Lufthansa Group zu erhalten“.

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Kurz & knapp:

Siemens: Die Antriebstochter Flender des Technologiekonzerns steht Kreisen zufolge vor dem Verkauf an einen US-Investor. Die Deutschen näherten sich einer entsprechenden Vereinbarung mit der US-Firma Carlyle , berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Sonntag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Preis liege bei etwa zwei Milliarden Euro, die Vereinbarung könnte bereits in der kommenden Woche bekanntgegeben werden. Carlyle habe mehr geboten als Branchenkollege Brookfield, hieß es in den Kreisen weiter. Die Verhandlungen könnten sich aber noch verzögern oder ganz scheitern. Verantwortliche der drei Firmen hätten die Angelegenheit nicht kommentieren wollen

Bayer: Die Leverkusener bauen ihr Geschäft mit Zell- und Gentherapien mit der Milliardenübernahme des US-Unternehmens Asklepios BioPharmaceutical aus. Für den Kauf von AskBio flössen zunächst zwei Milliarden US-Dollar (1,7 Mrd Euro), wie der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern am Montag in Berlin mitteilte. Erfolgsabhängig kämen nochmals bis zu zwei Milliarden Dollar hinzu, drei Viertel davon voraussichtlich in den kommenden fünf Jahren. Die Transaktion soll noch 2020 abgeschlossen werden und AskBio weiter als unabhängiges Unternehmen agieren. „Durch den Kauf macht unser noch junges Zell- und Gentherapiegeschäft einen großen Sprung“, sagte Bayer-Pharmachef Stefan Oelrich im Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Der Manager sieht AskBio als Ergänzung zum 2019 übernommenen Stammzellspezialisten BlueRock Therapeutics, der sich unter anderem auf neurologische und kardiologische Krankheiten fokussiert. Ein wesentliches Programm zielt dabei auf die Parkinson-Erkrankung, bei der Nervenzellen langsam absterben. Auch AskBio forscht unter anderem in diesen Bereichen, setzt aber nicht auf Stammzellen, sonder auf die Gentherapie. Bei der werden mit Hilfe harmloser Viren Gene in Zellen eingeschleust, die die Funktion beschädigter Gene ersetzen.

Carnival: Die Rostocker Kreuzfahrtreederei Aida Cruises hat eine positive Bilanz ihrer ersten Tour nach coronabedingt siebenmonatiger Unterbrechung gezogen und plant weitere Fahrten. Die Kreuzfahrt mit der „Aidablu“ entlang der italienischen Westküste mit rund 1000 Gästen an Bord sei nach sieben Tagen in Civitavecchia, dem Hafen von Rom, zu Ende gegangen, sagte eine Unternehmenssprecherin am Sonntag. Das Schiff war aufgrund der Corona-Schutzvorkehrungen weniger als zur Hälfte belegt. Die Reise stehe bis Mitte Dezember mehrmals auf dem Programm, die Nachfrage sei groß, hatte ein Sprecher zum Start der Tour gesagt. Weitere Italien-Kreuzfahrten seien geplant und sollen jeweils samstags in Civitavecchia starten, hieß es nun. Voraussetzung für Passagiere sei ein Covid-19-PCR-Test mit negativem Testergebnis, der nicht älter als drei Tage sein dürfe. Vor dem Check-in erfolge mittels Thermoscanner eine kontaktlose Temperaturmessung. Zusätzlich werde bei allen Gästen, die sich vor Reisebeginn in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder ein solches durchreist haben, im Hafenterminal ein weiterer Covid-19-Test durchgeführt. Anfang November solle eine Tour mit der „Aidamar“ rund um die Kanarischen Inseln starten.

Von Markus Weingran

Foto: 360b / Shutterstock.com

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