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Deutsche Bank: Wurden fragwürdige Transaktionen von Trump durchgewunken? Aktie auf dem Weg zum Allzeittief – Hauptversammlung könnte zum Scherbengericht werden

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Deutsche Bank: Wurden fragwürdige Transaktionen von Trump durchgewunken? Aktie auf dem Weg zum Allzeittief – Hauptversammlung könnte zum Scherbengericht werden

Die Hauptversammlung der Deutschen Bank könnte zum Scherbengericht werden. Vor allem Aufsichtsratschef Paul Achleitner droht bei dem Aktionärstreffen an diesem Donnerstag (23.5.) in Frankfurt harsche Kritik der Anteilseigner – bis hin zu einer Klatsche bei der Abstimmung über die Entlastung des Kontrollgremiums für die Arbeit im Geschäftsjahr 2018. Die schwerwiegendsten Punkte dürften das Fusions-Hin-und-Her mit der Commerzbank, die anhaltend schlechte Geschäftsentwicklung, sowie die immer mehr in den Fokus rückende Causa Trump sein.

Jahresauftakt macht die ernste Lage wieder mehr als deutlich

Von der einst stolzen Deutschen Bank ist wenig geblieben. 2018 brachte zwar den ersten Jahresgewinn seit 2014. Doch der Jahresauftakt 2019 zeigte einmal mehr, wie angespannt die Lage bleibt: Im ersten Quartal verdiente Deutschlands größtes Geldhaus gerade einmal 201 Millionen Euro, während die US-Konkurrenz in den drei Monaten Milliardengewinne einfuhr. Seit Achleitner im Juni 2012 antrat, hatte die Deutsche Bank inklusive des seit gut einem Jahr amtierenden Christian Sewing vier Vorstandsvorsitzende.

Fusions-Überlegung mit der Commerzbank aus der Verzweiflung geboren?

Trieb die Deutsche Bank die Fusionsgespräche mit der Commerzbank deshalb voran, weil sie zu dem Schluss gekommen war, alleine nicht bestehen zu können? „Dieser Eindruck mag herumgehen, ist aber falsch“, sagte Achleitner nach Beendigung der Fusionsgespräche Ende April der „Financial Times“. Wie geht es nun weiter? Tags zuvor (22.5.) ist das auch die entscheidende Frage bei der Hauptversammlung der Commerzbank.

Causa-Trump wird zu einem immer größeren Problem

Derzeit werden die Finanzen von Trump vom US-Kongress und den Behörden des Bundesstaates New York durchleuchtet. Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus fordern von der Deutschen Bank und anderen Geldinstituten Auskunft darüber. Die Deutsche Bank hatte Trump vor seiner Präsidentschaft hohe Kredite gewährt und steht deshalb im Zentrum des Interesses.

Wie jetzt durch einen Bericht der „New York Times“ öffentlich wurde, haben Geldwäschebekämpfungsspezialisten der Deutschen Bank in den Jahren 2016 und 2017 empfohlen, mehrere Transaktionen an die Behörden zu melden, an denen Trump und sein Schwiegersohn Jared Kushner zumindest indirekt beteiligt waren, da sie durch ein internes Überprüfungssystem als verdächtig eingestuft wurden.

Führungskräfte der Deutschen Bank, die den Unternehmen Trump und Kushner in einem Zeitraum von mehreren Jahren Milliarden von Dollar geliehen haben, sollen dies jedoch aktiv verhindert haben. Die Berichte wurden nie bei der Regierung eingereicht.

Um was für Transaktionen es sich genau handelt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Zumindest einige davon betrafen Geldflüsse mit ausländischen Unternehmen oder Einzelpersonen, die von Bankangestellten als verdächtig eingestuft wurden, wie die NYT schreibt.

Man zeigt alles wichtige auf, und man gibt eine Handlungs-Empfehlung, und nichts passiert“, sagte Tammy McFadden, eine ehemalige Geldwäschebekämpfungsspezialistin der Deutschen Bank, die einige der Transaktionen überprüfte, gegenüber der Zeitung. „Es ist der ‚Deutsche-Bank-Weg‘. Sie neigen dazu, alles abzuwerten.“

Aktionäre am Ende der Geduld

Bei der Deutschen Bank ist die Geduld vieler Aktionäre überstrapaziert. Es sei an der Zeit, dass die Anteilseigner Aufsichtsrat und Vorstand für die vielen Jahre mit Strafzahlungen und Imageverlust zur Rechenschaft zögen, meint der Stimmrechtsberater ISS.

Die Negativserie setzte sich 2018 fort: Die Finanzaufsicht Bafin verpasste der Bank einen Sonderaufpasser, um die Umsetzung von Vorgaben gegen Geldwäsche zu überwachen. Im November verschreckte eine öffentlichkeitswirksame Geldwäsche-Razzia in den Frankfurter Zwillingstürmen Kunden und Investoren.

„Ab einem bestimmten Zeitpunkt sollten die Aktionäre ihren Bedenken Gehör verschaffen“, folgert ISS und rät erstmals dazu, Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Bank die Entlastung zu verweigern. Der Stimmrechtsberater Glass Lewis schlägt in die gleiche Kerbe und verweist unter anderem auf den drastischen Einbruch des Aktienkurses.

Nicht-Entlastung des Vorstands droht

Nach den Empfehlungen der Stimmrechtsberater richten sich viele Fonds und Großanleger, insbesondere aus den USA und Großbritannien. Eine Nicht-Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand hat zwar keine rechtlichen Konsequenzen, gilt aber als schallende Ohrfeige. Als erster amtierender Chef eines Dax-Konzerns wurde auf diese Weise jüngst Bayer-Chef Werner Baumann wegen der Monsanto-Übernahme abgestraft. Bei der Schweizer Großbank UBS wurde das Führungsteam mit Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber ebenfalls nicht entlastet.

Für ein Gegengewicht zu den Gegnern einer Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand könnten bei der Deutschen Bank Großaktionäre wie das Emirat Katar, der Finanzinvestor Cerberus und der US-Vermögensverwalter Blackrock sorgen.

Keine Chance auf Mehrheit wird einem Antrag der Riebeck-Brauerei auf Abberufung Achleitners eingeräumt. Der „Niedergang der Deutschen Bank“ sei „untrennbar“ mit der Person des 62-jährigen Österreichers verbunden, argumentiert der Aktionär. Falsche Personal- und Strategieentscheidungen hätten „zum desaströsen Zustand der Bank geführt“.

Die Deutsche Bank erklärt dazu nüchtern: „Bereits für die ordentliche Hauptversammlung 2018 hatte die Riebeck-Brauerei von 1862 Aktiengesellschaft die Abberufung von Herrn Dr. Achleitner als Mitglied des Aufsichtsrats vorgeschlagen. Dieser Beschlussvorschlag wurde durch die Hauptversammlung 2018 mit einer Mehrheit von 90,95 Prozent der abgegebenen Stimmen abgelehnt.“

Was macht die Aktie?

Der Börsenwert des Dax -Konzerns ist seit dem Beginn des Niedergangs auf etwas über 14 Milliarden Euro zusammengefallen. Seitdem konnte die Aktie sich nicht aus ihrem Abwärtstrend befreien.

Die jüngsten Meldungen haben das Wertpapier erneut unter Druck gesetzt. Nach der Veröffentlichung des NYT-Berichts ist die Aktie im Montag im deutschen Handel erneut um1,7 Prozent eingebrochen.

UBS mit kritischem Urteil für die Deutsche Bank

Wegen des weiter niedrigen Zinsniveaus und der deswegen wohl anhaltenden Ertragsflaute für die Deutsche Bank reduzierte UBS-Analyst Daniel Brupbacher seine Gewinnschätzungen für die Jahre 2020 und 2021 deutlich. Er geht davon aus, dass sich der Überschuss nur schleppend erholt und die Deutsche Bank damit weiter deutlich hinter der Konkurrenz hinterherhinkt.

Die erwartete Kapitalrendite und die begrenzten strategischen Optionen rechtfertigten nicht mehr das alte Kursziel, dementsprechend reduzierte Brupbacher dieses um 27 Prozent auf 5,70 Euro. Da dies deutlich unter dem aktuellen Niveau liegt, stufte er die Aktie von „Neutral“ auf „Sell“ ab. Der UBS-Experte hat damit nach seinem Societe-Generale-Kollegen Andre Lim das zweitniedrigste Kursziel für die Aktie der Bank.

Sollte das Papier auf das von ihm jetzt gesetzte Kursziel fallen, würde es die Verluste deutlich ausbauen. Bereits jetzt summieren sich die Kursverluste seit dem Amtsantritt Sewings im April 2018 auf fast 40 Prozent. Sollte das Papier auf die 5,70 Euro fallen, würde das Minus auf knapp 50 Prozent steigen – der Börsenwert würde auf rund 12 Milliarden Euro fallen.

Mit der Einstufung „Sell“ geht die UBS davon aus, dass die Gesamtrendite der Aktie (Kursgewinn plus Dividende) auf Sicht von zwölf Monaten um mindestens sechs Prozent unter der von der UBS erwarteten Marktrendite liegt.

(onvista/dpa-AFX)

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