Kutzers Zwischenruf: Viele Anleger warten auf das nächste Einstiegssignal

Hermann Kutzer

Der Aktienmarkt liefert uns seit einigen Tagen kein scharfes Bild mehr. Hat der Dax nur kurzfristige Konditionsprobleme, was kein Wunder wäre? Langfristig orientieren sich die Börsen beiderseits des Atlantiks weiter nach oben. Selbst Anleger, die ihre Bestände jetzt vorsichtshalber reduzieren, wechseln nur ungern ins Bärenlager.

Den Verhaltensbeobachtern fällt die Stimmungsbeschreibung nicht gerade leicht. Vor allem die institutionellen Investoren sind nun bereits seit rund drei Wochen überwiegend pessimistisch gestimmt, wie der von der Börse Frankfurt damit beauftragte Sentiment-Analyst Joachim Goldberg in seinem neuen Marktbericht feststellt. Daran hat auch der zwischenzeitliche Anstieg des Dax auf etwas mehr als 15.500 Punkte nichts geändert. Im Gegenteil: Die Investoren haben die Nerven behalten. Überdies haben rund 25 Prozent der verbliebenen Optimisten aus der Vorwoche ihre Gewinne mitgenommen und sich zu den bereits mehrheitlich pessimistischen Akteuren hinzugesellt.

Folgert Goldberg: Der bisherige schnelle Rücksetzer des Dax hat den Pessimisten recht gegeben, ist aber offensichtlich für die meisten von ihnen noch nicht deutlich genug ausgefallen, um gewinnbringende Rückkäufe auszulösen.

Bei den Privatanlegern gab es eine ähnliche Entwicklung. Dort verringerte sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index sogar etwas deutlicher als bei den institutionellen Pendants. Dabei handelt es sich übrigens um den ersten negativen Index der Privatanleger in diesem Jahr. Der überwiegende Teil (knapp 60 Prozent) der Neuankömmlinge im Bärenlager rekrutiert sich aus ehemals neutral eingestellten Anlegern; bei den verbleibenden neuen Pessimisten handelt es sich um ehemalige Optimisten, die ihre Meinung überwiegend um 180° gedreht haben und nun auf fallende Kurse setzen.

Insgesamt betrachtet ist die weiter verschlechterte Stimmung hierzulande für den Dax eigentlich auch aufgrund möglicher Nachfrage nicht ungünstig, zumal das Sentiment in der relativen Betrachtung auf Sicht von sechs Monaten sogar so schlecht wie zuletzt im April 2020 ist. Und fast scheint es, als wollten viele Börsianer hierzulande einfach nur eine Bereinigung eines überzogen wirkenden Aktienmarktes und eine „Rückkehr zur Rationalität“ abwarten, um schließlich auf niedrigerem Niveau mit gutem Grund neu einzusteigen und die Hausse letztlich fortsetzen zu können.

Und was sagen die bekennenden Optimisten unter den Vermögensstrategen ihren Kunden? Nach meinen Beobachtungen nichts Neues. Zwei Entwicklungen sind nach meiner Überzeugung für den Verlauf der kommenden Monate mitentscheidend: erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie und Signale für eine nur mäßige Inflationssteigerung - dann droht der Börse keine nachhaltige monetäre Wende durch die Notenbanken. Apropos Nachhaltigkeit: Hervorgestellt als Anlageziele werden nach wie vor das Thema Nachhaltigkeit und als Anlagestil die lange vernachlässigten Value-Aktien. Vergessen Sie auch nicht den höchst attraktiven  Markt China.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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