ROUNDUP 2: Der BER fährt ein Stück weit runter

dpa-AFX

(neu. Äußerungen Gatzer/Kollatz)

SCHÖNEFELD (dpa-AFX) - Nur wenige Wochen nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER soll Anfang Dezember eine der beiden Start- und Landebahnen vorübergehend wieder schließen. Auch eines der drei Terminals wird eingemottet; ein weiteres war beim Flughafen-Start vor vier Wochen gar nicht erst geöffnet worden. Wegen der anhaltend niedrigen Passagierzahlen versuchen die Betreiber, an vielen Stellen Kosten zu senken. Gleichzeitig brauchen sie Millionen von ihren Eigentümern, den Ländern Berlin, Brandenburg und dem Bund.

Der Verkehr sei wieder auf ein Zehntel des üblichen zurück gegangen, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag. Statt 36 Millionen wie im letzten Jahr rechnet er 2020 mit 9,1 Millionen Passagieren, 2021 mit 10 Millionen. "Solange Corona das Reisen schwer macht, werden wir nur wenig Besserung erwarten können."

Schon in diesem Jahr gleichen die Eigentümer die coronabedingten Umsatzausfälle mit 300 Millionen Euro aus. Nächstes Jahr stellen sie 660 Millionen Euro bereit, die Verträge dafür seien fertig, wie Lütke Daldrup nach einer Aufsichtsratssitzung sagte. Er sprach von einem "Corona-Darlehen".

Allerdings hatte das Unternehmen schon vor der Corona-Krise einen Bedarf von etwa 375 Millionen Euro für 2021 angemeldet, vor allem weil dann noch Rechnungen für den BER zu begleichen sein werden. Der neue Flughafen war Ende Oktober mit neun Jahren Verspätung eröffnet worden. 108 Millionen Euro hatten die Gesellschafter schon vor zwei Jahren für 2021 zugesagt. Lütke Daldrup geht davon aus, dass der BER 2025 seine Betriebskosten allein decken kann.

Unterdessen geht die Debatte über einen Einstieg privater Investoren weiter. Der zuständige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und BER-Aufsichtsrat, Werner Gatzer, sagte der RBB-"Abendschau": "Meines Wissens gibt es private Investoren, die bereit sind, einzusteigen." Man werde die Frage stellen müssen, ob alle Gesellschafter Anteile abgeben, damit sich ein privater Investor einbringen könne. Für die nächsten zwei Jahre sei das nach dem Gesellschaftervertrag aber ausgeschlossen.

Berlin und Brandenburg lehnen eine Teilprivatisierung bislang ab. Berlin wolle selbst mit dem Flughafen Geld verdienen, wenn die Krise vorbei sei, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz dem RBB. "Wenn der Bund sich zurückziehen will, können wir das nicht verhindern." Der Bund hält 26 Prozent der Anteile, die beiden Länder je 37 Prozent.

Im Gegenzug für die Hilfe muss der Staatsbetrieb seine Kosten senken. Das Abfertigungsgebäude des früheren DDR-Flughafens Schönefeld dient dem BER als Terminal 5. Es soll spätestens Ende März für zunächst ein Jahr schließen und so die Kosten 2021 um 20 bis 25 Millionen Euro senken. Mit der Südbahn-Schließung spare man die Arbeit von etwa 50 Mitarbeitern ein, sagte Lütke Daldrup.

Der Verkehr wird dann nur mit dem Hauptterminal und der nördlichen Start- und Landebahn abgewickelt. Wie lange das so sein wird, ist offen. "Wir müssen auf Sicht fahren", hieß es.

Für die rund 2200 Mitarbeiter der Flughafengesellschaft wurden für die nächsten beiden Jahre Nullrunden vereinbart. Betriebsbedingte Kündigungen sind dafür ausgeschlossen. Aber knapp jede vierte Stelle fällt weg, 125 in diesem Jahr, weitere 400 in den nächsten.

Zum Teil war jedoch schon vor Corona klar, dass weniger Personal benötigt wird. Denn nach der Schließung des Flughafens Tegel ist der Berliner Luftverkehr in Schönefeld an einem Standort konzentriert.

Nach drei Monaten Pause rund um die Inbetriebnahme kehrt das Unternehmen im Dezember zur Kurzarbeit zurück und wird sie für einen Großteil der Mitarbeiter im gesamten Jahr 2021 nutzen, wie Lütke Daldrup sagte.

Viele zusätzliche Möglichkeiten für Einnahmen gibt es dagegen nicht. Anfang nächsten Jahres soll ein Eintrittsgeld von drei Euro für die Besucherterrasse eingeführt werden. Bis zu 6000 Menschen pro Tag haben in den letzten Wochen noch den kostenfreien Blick über den Flughafen Willy Brandt genutzt. "Der Flughafen ist zu einem gewissen Ausflugziel geworden", sagte Lütke Daldrup./bf/DP/nas

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