ROUNDUP: Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway will wieder profitabel werden

dpa-AFX

AMSTERDAM (dpa-AFX) - Die Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway will im kommenden Jahr den operativen Verlust reduzieren und mittelfristig wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Dabei sollen neue Technologien und eine Ausweitung der Lebensmittelzustellung innerhalb kurzer Zeit helfen. "Das Lebensmittelgeschäft ist eine riesige Chance für uns", sagte der Leiter des operativen Geschäftes, Jörg Gerbig, bei einer Investorenveranstaltung am Donnerstag.

Wie der Delivery-Hero-Konkurrent mitteilte, soll sich die operative Marge 2022 deutlich verbessern, aber weiter negativ bleiben. Ein konkretes Ziel für die Rückkehr in die Gewinnzone nannte das Management nicht. Es hieß lediglich, dass mittelfristig eine Marge von fünf Prozent gemessen am Bruttotransaktionsvolumen (GTV) erreicht werden soll.

Im laufenden Jahr werde die um Sondereffekte bereinigte Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wegen Investitionen in den Ausbau des Geschäfts bei minus 1,5 bis minus 1,0 Prozent des GTV liegen, bekräftigte der Konzern. Bei einem erwarteten Bruttotransaktionsvolumen von 28 bis 30 Milliarden Euro ergibt dies rechnerisch einen operativen Verlust von bis zu 450 Millionen Euro nach einem Gewinn von 256 Millionen 2020. Nächstes Jahr soll sich die Lage wieder bessern. 2021 werde der Verlust seinen Höhepunkt erreichen, hieß es.

Im kommenden Jahr rechnet der Konzern, der hierzulande vor allem für seine Marke Lieferando bekannt ist, mit einer negativen Marge von 0,8 bis 0,6 Prozent. Das Bruttotransaktionsvolumen soll verglichen mit 2021 im mittleren zweistelligen Prozentbereich steigen. Darin ist die Entwicklung des zugekauften US-Geschäftes über den Lieferdienst Grubhub eingeschlossen. Gemessen an den jeweils mittleren Werten der Spannen ergibt dies für 2022 ein Bruttotransaktionsvolumen von ungefähr 33 Milliarden Euro und einen operativen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro.

Von Bloomberg befragte Experten rechneten vor dem Kapitalmarkttag im Schnitt mit einem operativen Verlust von weniger als 100 Millionen Euro. Die Ziele wurden am Aktienmarkt zunächst mit großer Enttäuschung aufgenommen. Der Kurs fiel im frühen Handel bis zu sechs Prozent. Zuletzt konnte sich der Kurs erholen und lag bei minus 0,75 Prozent.

Um seine Ziele zu schaffen, will das Management langfristig den Umsatz deutlich steigern und die Marketingkosten noch weiter reduzieren. Waren es beispielsweise in Deutschland 2017 noch 2,90 Euro, die der Konzern pro Bestellung aus eigener Tasche in Form von Gutscheinen oder anderen Werbemaßnahmen zahlte, waren es im vergangenen Jahr noch 60 Cent. Just Eat Takeaway nähere sich dem Niveau wie in den Niederlanden, wo der Konzern für jede Bestellung noch 40 Cent zahle, sagte Finanzchef Brent Wissink.

Auch die Kosten sollen stärker im Rahmen gehalten werden. Konzernchef Jitse Groen stellte in Aussicht, dass Fahrer künftig mehrere Bestellungen gleichzeitig ausliefern sollen. Bislang scheiterte das daran, dass Speisen warm geliefert werden sollen und das bei weiten Strecken zwischen Kunden oft nicht möglich ist. Künftig soll sich das mittels "Smart Routing" ändern: Registriert der Algorithmus mehrere Bestellungen in einem Gebäude oder einem Auslieferungsgebiet, sollen diese gebündelt werden. Zudem sollen Gebühren je nach Auslastung und Nachfrage berechnet werden.

Unterdessen betonte der Konzern erneut die Wichtigkeit des Lebensmittelgeschäftes. Just Eat Takeaway führe Gespräche im "späten Stadium" mit großen Handelsketten, sagte der Leiter des operativen Geschäfts Gerbig. Details nannte er erneut nicht. Mitte Mai hatte der Konzern sich zu einer Reaktion gezwungen gesehen, nachdem der Konkurrent Delivery Hero seine Deutschland-Pläne mit der Marke Foodpanda bekannt gemacht hatte - allerdings seither keine weiteren Neuigkeiten genannt.

Nach Unternehmensangaben bestellen Menschen konzernweit rund drei Mal im Monat. Das soll in den kommenden Jahren deutlich häufiger werden. Dabei soll auch der Ausbau des "Groceries"-Segments helfen, das andere Firmen wie Gorillas, Flink oder Delivery Heros Foodpanda als Quick Commerce (Q-Commerce) verstehen.

Allerdings betonte Gerbig am Donnerstag, dass sich Just Eat Takeaway im Gegensatz zur Konkurrenz eher auf Partnerschaften mit etablierten Lebensmittelhändlern fokussieren wolle, anstatt eigene Lagerhäuser in den Städten aufzubauen. "Wenn wir einen Händler mit Hunderten Geschäften als Partner haben, können wir viel schneller unsere Dienste anbieten als jeder unserer Konkurrenten", sagte Gerbig.

Unternehmenschef Groen betonte auf der Investorenveranstaltung, dass Warenhäuser, von denen aus Fahrer dann binnen Minuten Lebensmittel, Drogerieartikel und andere täglich benötigten Waren ausliefern sollen, deutlich teurer seien. "Wenn die Hubs selbst bauen, dann dauert es länger und kostet mehr", monierte der Firmenlenker. Zu den Baukosten kämen dann noch Betriebskosten sowie Ausgaben für die Mitarbeiter in den Warenhäusern hinzu./ngu/nas/he

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