US-Arbeitsmarkt brummt: Zollkrieg könnte "goldene Zeiten" beenden

Washington (Reuters) - Der US-Arbeitsmarkt sendet Signale der Stärke und dämpft damit Rezessionssorgen wegen des eskalierenden Zollkonflikts.
Im März kamen 228.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft hinzu, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Bericht der Regierung in Washington hervorgeht. Der kräftige Stellenaufbau im Zuge der Frühjahrsbelebung überraschte viele Ökonomen, die nur rund halb so viele Jobs auf dem Zettel hatten. Auch wenn die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote um einen Tick auf 4,2 Prozent nach oben ging, vermittelt sich das Bild eines stabilen Arbeitsmarkts: Doch Experten befürchten, dass die "goldenen Zeiten" bald vorbei sein könnten, wenn der Zollkonflikt weiter eskaliert.
"Die von China heute bekanntgegebenen Kontermaßnahmen auf US-Importe zeigen, dass sich ohne Verhandlungserfolge ein globaler Handelskrieg derzeit warm zu laufen scheint", gibt VP Bank-Chefökonom Thomas Gitzel zu bedenken, der die Stellenzahl vom März als "Randnotiz und Wasserstandsmeldung" abhakt: Würde die Weltwirtschaft durch den eskalierenden Zollkonflikt größeren Schaden nehmen, würden auch die USA eine Rezession fürchten müssen, was den Arbeitsmarkt unter Druck setzen würde.
Einstweilen leuchten jedoch noch keine Alarmlampen. Der Stellenzuwachs liegt mit 228.000 wieder in gehörigem Abstand zur Marke von 100.000, die im Februar mit 117.000 nur leicht überboten wurde. Ein monatlicher Jobaufbau im Umfang von 100.000 gilt als nötig, um die US-Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter mit Jobs zu versorgen. Die Stelle für Regierungseffizienz Doge (Department of Government Efficiency) unter Leitung des Tech-Milliardärs Elon Musk hat die Axt beim Personal angelegt. Die Zahl der auf Bundesebene Beschäftigten sank im März um 4000, nachdem bereits im Februar 11.000 Stellen abgebaut worden waren. Mitarbeiter im bezahlten Urlaub oder mit laufender Abfindung werden in der Statistik als Beschäftigte gezählt. Dies macht es schwierig, den Stellenabbau nachzuverfolgen.
"ZOLLHAMMER TRIFFT AUCH US-WIRTSCHAFT"
"Bremsspuren von Musks Dodge-Initiative dürften allerdings in den kommenden Monaten sichtbar werden, schließlich kam es zu massenhaften Entlastungen im öffentlichen Sektor", sagt der VP Bank-Chefvolkswirt. Auch das gesamtwirtschaftliche Umfeld droht sich einzutrüben, befürchtet Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Ein langsamerer Beschäftigungsaufbau und Stellenstreichungen rückten auf die Agenda. "Trumps Politikkurs verunsichert die Unternehmen zusehends. Geht die Planungssicherheit flöten, läuft es auch bei den Neueinstellungen schlechter." Der Zollhammer treffe auch die US-Wirtschaft selbst. Es drohten vorübergehende Preissteigerungen und Nachfrageausfälle. Und Unternehmen dürften über Kapazitäts- und Produktionskürzungen nachdenken: "Das wird am Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen."
Die Notenbank Federal Reserve (Fed), die für stabile Preise sorgen und Vollbeschäftigung fördern soll, achtet sehr stark auf die Jobdaten. Händler an den Terminmärkten sahen sich durch die Zahlen vom Arbeitsmarkt in der Einschätzung bestätigt, dass die Fed wahrscheinlich noch bis Juni mit einer Zinssenkung warten kann.
Durch die Zölle dürfte die Inflation in den USA anziehen, da sich importierte Güter verteuern. Ein Risiko, das die US-Zentralbank sehr genau im Blick hat. Angesichts dieser Gefahr hat Fed-Direktorin Adriana Kugler für eine Zinspause plädiert. Die US-Investmentbank Morgan Stanley rechnet wegen der Zollpolitik sogar damit, dass die Fed dieses Jahr die Zinsen nicht senken wird.
(Bericht vom Reuters-Büro Washington, geschrieben von Reinhard Becker, redigiert von Christian Rüttger Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)




