Geldpolitik

Fed-Vize plädiert in Zeiten des Shutdowns für vorsichtigen Zinskurs

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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Das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve
Quelle: Adobe.com/doganmesut

Vor dem Hintergrund des US-Shutdowns plädiert Fed-Vizepräsident Philip Jefferson für ein vorsichtiges Vorgehen beim Zinskurs.

Er treffe Entscheidungen "von Sitzung zu Sitzung", sagte er am Freitag auf einer Konferenz der Bundesbank in Frankfurt laut Redetext. Ein solches Vorgehen sei besonders umsichtig, da unklar sei, wie viele Konjunkturdaten vor der Sitzung im Dezember angesichts des anhaltenden Shutdowns der US-Regierung vorliegen würden. Wegen des teilweisen Regierungsstillstands im Zuge der längsten Haushaltssperre in der US-Geschichte sind wichtige Konjunkturdaten Mangelware: Veröffentlichungen von staatlichen Stellen sind ausgesetzt.

Die US-Notenbank verschafft sich allerdings im Rahmen ihres Konjunkturberichts einen Überblick über die wirtschaftliche Lage und kann überdies auch während des Shutdowns auf privat erhobene Daten zurückgreifen. Jefferson erklärte, solche Informationen deuteten darauf hin, dass sich das gesamtwirtschaftliche Bild in den USA in den vergangenen Monaten kaum verändert habe.

Nach der jüngsten Senkung des Leitzinses auf die neue Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent sei die aktuelle Geldpolitik nach wie vor "etwas restriktiv" - also konjunkturhemmend, sagte Jefferson. Das Niveau sei dazu geeignet, die Inflation zu dämpfen, die sich weiterhin über dem Zielwert der US-Notenbank von 2,0 Prozent bewege. Der Leitzins befinde sich nun "näher an seinem neutralen Niveau, das die Wirtschaft weder hemmt noch ankurbelt", sagte Jefferson. Angesichts dessen sei es sinnvoll, sich dem neutralen Niveau "langsam" anzunähern.

Weitere Zinssenkung "keine ausgemachte Sache"

Die Federal Reserve soll Vollbeschäftigung fördern und Preisstabilität sichern. Sie betonte nach dem jüngsten Zinsentscheid, sie habe Risiken für beide Seiten ihres Mandats im Auge. Die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung hätten in den vergangenen Monaten zugenommen.

Es war bereits die zweite Senkung in Folge, nachdem die Fed im September nach Schwächesignalen vom Jobmarkt den ersten Schritt nach unten im laufenden Jahr unternommen hatte. Im August kamen in den USA nur noch 22.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft hinzu. Eine Datenrevision offenbarte überdies frühe Schwächen des amerikanischen Jobmarkts. Der Arbeitsmarktbericht für September ist wegen des Shutdowns noch immer nicht veröffentlicht worden.

Eine weitere Zinssenkung im Dezember sei "keine ausgemachte Sache", betonte Zentralbankchef Jerome Powell nach dem jüngsten Zinsentscheid. US-Finanzminister Scott Bessent dringt jedoch auf weitere Senkungen. Teile der US-Wirtschaft, insbesondere der Immobiliensektor, könnten sich aufgrund der hohen Zinssätze bereits in einer Rezession befinden, warnte er jüngst.

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