China probt Blockade Taiwans mit bislang größter Militärübung
Peking/Taipeh, 30. Dez (Reuters) - China hat bei seinem bislang größten Militärmanöver Raketen in Richtung Taiwan abgefeuert.
Zudem verlegte die Volksbefreiungsarmee am Dienstag neue amphibische Angriffsschiffe, Bomber und Kriegsschiffe, um die demokratisch regierte Insel am zweiten Tag der Übung einzukreisen. Das Manöver mit dem Namen "Mission Gerechtigkeit 2025" dient dazu, eine Blockade Taiwans zu proben. Die Volksrepublik betrachtet die etwa 23 Millionen Einwohner zählende Insel als abtrünnige Provinz, die notfalls mit militärischer Gewalt mit dem Festland vereinigt werden soll. Die USA hatten erst vor wenigen Tagen angekündigt, Taiwan mit einem Waffenpaket im Wert von 11,1 Milliarden Dollar zu unterstützen.
Der taiwanische Präsident Lai Ching-te kritisierte das Manöver. Chinas Vorgehen entspreche nicht dem einer verantwortungsvollen Großmacht, schrieb er auf Facebook. Die Truppen an der Front seien bereit, die Insel zu verteidigen. Taiwan strebe jedoch keine Eskalation an. Das Verteidigungsministerium in Taipeh bestätigte, dass am Dienstagmorgen nördlich von Taiwan mit scharfer Munition geschossen wurde. Trümmerteile seien wenige Seemeilen von der Küste entfernt gefunden worden. Innerhalb von 24 Stunden seien 130 chinesische Militärflugzeuge sowie 22 Schiffe der Marine und der Küstenwache in der Nähe der Insel im Einsatz gewesen.
Das chinesische Ostkommando gab an, Raketen sowohl nördlich als auch südlich der Insel abgefeuert zu haben. Lyle Goldstein vom US-Institut Defense Priorities zufolge habe Peking durch die Zollverhandlungen mit den USA an Selbstvertrauen gewonnen. China nutze zudem die Spaltungen innerhalb des taiwanischen Parlaments aus.
VERSCHÄRFTE RHETORIK
Einem hochrangigen taiwanischen Sicherheitsbeamten zufolge beobachtet Taipeh, ob China wie schon 2022 nach dem Besuch der damaligen Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, erneut Raketen über die Insel hinweg abfeuern wird. Es ist bereits die sechste große Militärübung seit 2022. Peking scheint die Manöver zudem zu nutzen, um Angriffe auf Landziele wie das von den USA gelieferte Raketensystem Himars zu trainieren. Dieses hat eine Reichweite von etwa 300 Kilometern und könnte Ziele an der Küste Südchinas treffen.
Chinesische Staatsmedien hoben den erstmaligen Einsatz des amphibischen Angriffsschiffs vom Typ 075 hervor. Dieses könne gleichzeitig Kampfhubschrauber, Landungsboote sowie amphibische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge einsetzen, sagte ein Wissenschaftler der Nationalen Verteidigungsuniversität.
Die Rhetorik hatte sich verschärft, nachdem die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi im vergangenen Monat erklärt hatte, ein hypothetischer chinesischer Angriff auf Taiwan könne eine militärische Reaktion Tokios auslösen. Nun erklärte die Volksbefreiungsarmee erstmals öffentlich, dass die Übungen um die Insel auf die "Abschreckung" einer militärischen Einmischung von außen abzielten. Dem Ostkommando der Armee zufolge dienten die Übungen dazu, die Fähigkeit der See- und Luftstreitkräfte für ein koordiniertes Vorgehen zu testen. Ein Schwerpunkt sei die Simulation einer Blockade der wichtigen Häfen Keelung im Norden und Kaohsiung im Süden.
ANGRIFFSBEREIT?
Einem Entwurf für einen Bericht des US-Verteidigungsministeriums zufolge geht China davon aus, bis Ende 2027 in der Lage zu sein, einen Krieg um Taiwan zu führen und zu gewinnen. Dieses Datum markiert den 100. Jahrestag der Gründung der Volksbefreiungsarmee. Die jüngste Anti-Korruptionskampagne von Präsident Xi Jinping innerhalb des Militärs hat jedoch Fragen zur tatsächlichen Einsatzbereitschaft aufgeworfen.
Durch die Taiwanstraße werden jährlich Waren im Wert von rund 2,45 Billionen Dollar transportiert. Obwohl elf der 14 Flugrouten Taipehs von dem Manöver betroffen sind, scheinen die Störungen im internationalen Flugverkehr gering zu sein. Zudem befanden sich am Dienstag 14 Schiffe der chinesischen Küstenwache in der Anschlusszone Taiwans. Ein Vertreter der taiwanischen Küstenwache sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man verfolge die chinesischen Schiffe eng und wolle sie zum Rückzug zwingen.
(Bericht von Yimou Lee und Joe Cash, geschrieben von Rene Wagner, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
