Der designierte Fed-Chef verheißt weiter Normalität - hoffentlich
Maximilian Nagel

Der Markt hat immer Recht, heißt es. Und wenn diese Weisheit auch heute gilt, bedeutet das, dass der designierte Fed-Vorsitzende Kevin Warsh für Stabilität und Kontinuität steht.
Denn in einer ersten Reaktion auf die Nominierung Warshs durch US-Präsident Donald Trump stieg der Dollar, den Trump selbst mit seiner Politik auf das niedrigste Niveau seit Jahren prügelte. Wer nicht gerade in der Wüste haust oder auf einer einsamen Insel abgeschirmt lebt, der weiß: Unter diesem Präsidenten hätte das auch schnell anders kommen können.
Neben Warsh gab es viel abenteuerlichere Kandidaten
Die Liste möglicher Nachfolger für Fed-Chef Jerome Powell beinhaltete nämlich auch so manche, sagen wir, unorthodoxe Kandidaten, wie der Blog Alphaville der „Financial Times“ im vergangenen Jahr amüsant aufzeigte.
Im Gespräch waren beispielsweise Stephen Miran, Trump-Loyalist und Befürworter drastisch fallender Zinsen, oder auch Judy Shelton, eine eisenharte Gold-Fanatikerin, welche die Fed am liebsten abschaffen würde.
Sogar Finanzminister Scott Bessent war im Gespräch, gar in einer Doppelrolle, die sehr praktisch gewesen wäre. Die Staatsfinanzierung der USA über die Druckerpresse der Fed wäre mit Bessent als Fed-Chef und Finanzminister einfacher denn je gewesen. Ob das den Börsen gefallen hatte, darf angezweifelt werden.
Eine mustergültige Notenbanker-Karriere
Gut, dass sich die Märkte darum nun nicht sorgen müssen, denn Warsh ist eine geradezu nüchterne Wahl von Trump. Diese Nominierung ist etwa so, als wolle man einen Blockbuster drehen, und entscheide sich für Steven Spielberg als Regisseur. Man weiß, was man bekommt.
Warsh ist nämlich kein Unbekannter. Von 2006 bis 2011 saß er schon im Direktorium der Notenbank, und bringt auch ansonsten mit, was erwartet wird: Abschlüsse der renommierten Universitäten in Stanford und Harvard, kombiniert mit ein paar Jahren Erfahrung an der Wall Street sowie als Wirtschaftsberater der Bush-Regierung. Die KI hätte keinen schöneren Lebenslauf für den bald wichtigsten Notenbanker der Welt schreiben können.
Wird’s deshalb langweilig rund um die Fed? Keineswegs. Zwar hat Warsh den Ruf eines geldpolitischen Falken inne, ist also tendenziell restriktiver. Passend, denn mit zuletzt 2,7 Prozent ist die Inflation in den USA noch nicht eingedämmt. Zuletzt aber forderte Warsh, ebenso wie Trump, niedrigere Zinsen.
Und mal ehrlich, wäre es wirklich noch Trump, wenn er das Thema mit Warsh Nominierung nun abschließen würde? Jerome Powell musste sich in den vergangenen Monaten so einiges aus dem Weißen Haus anhören, Trump wurde regelrecht persönlich, und erklärte im Juli sogar, er sei überrascht, dass jemand Powell für den Fed-Vorsitz vorgeschlagen habe. Er war’s natürlich selber, in seiner ersten Amtszeit. Warsh war übrigens damals schon im Gespräch.
Fürs Erste dürfen die Märkte entspannen
Nun, es sei Warsh vergönnt, dass Trump seine Meinung nicht wieder ändert und es sich mit seinem neuen Fed-Chef nicht verkracht. Bis es so weit kommen könnte, vergeht aber ohnehin noch etwas Zeit. Erst Ende Mai endet Powells Amtszeit, und Warsh muss noch vom Senat abgesegnet werden.
Einige Senatoren erklärten schon, dass sie die Nominierung begrüßen. Doch mit Thom Tillis will ausgerechnet ein Republikaner keinen neuen Fed-Chef bestätigen, ehe nicht das Verfahren gegen Powell wegen der teuren Renovierung der Fed-Zentrale in Washington zu einem Urteil kommt oder zurückgezogen wird.
Fürs Erste aber dürfen sich die Märkte entspannen. So irritierend Trumps zweite Amtszeit bisher war, so beruhigend (und fast schon überraschend) ist, dass ein kompetenter Nachfolger für Powell gewählt wurde. Allerdings sollte man sich bei Trumps Amerika nie zu sicher sein. Aber hoffen darf man.
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