
Der Sensoren- und Radar-Spezialist Hensoldt erwartet angesichts der Aufrüstung in Europa weiteres Wachstum. Im vergangenen Jahr schnellte der Auftragseingang um 62 Prozent auf 4,71 Milliarden Euro in die Höhe, wie das Unternehmen aus Taufkirchen bei München am Donnerstag mitteilte. Zum Jahresende 2025 saß Hensoldt auf Aufträgen über 8,83 Milliarden Euro, ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Deswegen rechnet der Vorstand nun mit einem stärkeren Umsatzwachstum als bisher.
Dass die Erlöse im vergangenen Jahr leicht unter den Markterwartungen zulegten, machte Börsianern zufolge jedoch der Aktie zu schaffen. Die Hensoldt-Titel gaben im Nebenwerteindex MDax mehr als sechs Prozent nach. Die Zahlen seien gemischt ausgefallen, daher dürften die Anleger Kasse machen, sagt ein Händler. Seit Anfang 2025 hatte sich der Kurs der Hensoldt-Papiere mehr als verdoppelt.
Im abgelaufenen Jahr stieg der Umsatz um knapp zehn Prozent auf 2,46 Milliarden Euro. Börsianer hatten mit 2,50 Milliarden Euro gerechnet. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) kletterte um zwölf Prozent auf 452 Millionen Euro. Die bereinigte operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) lag mit 18,4 (2024: 18,1) Prozent über der Zielmarke von mindestens 18,0 Prozent.
"Diese Ergebnisse zeigen, dass sich der Markt gerade fundamental verändert", sagte Vorstandschef Oliver Dörre. Die geopolitische Lage zwinge Europa zu einer dauerhaften Stärkung seiner Verteidigungsfähigkeit. "Das sehen wir nicht nur in steigenden Budgets, sondern seit dem letzten Halbjahr auch in beschleunigten und konkreten Beschaffungsentscheidungen."
Vor allem Aufträge der Bundeswehr füllten die Bücher, darunter für Luftverteidigungsradare und für Optronik für die Panzer-Plattformen Luchs 2 und Leopard 2. "60 Prozent des Auftragsbestands kommen aus Deutschland, 25 Prozent aus Europa, 15 international", sagte Finanzchef Christian Ladurner. Langfristig werde das Verhältnis etwa 50 zu 30 zu 20 Prozent betragen. Mit dem Hochlauf der Produktion "schaffen wir die Grundlage, unseren Auftragsbestand planmäßig in Umsatz zu überführen und unseren Wachstumspfad nachhaltig abzusichern", sagte Ladurner.
Hensoldt erhöht die Dividende
Die Aktionäre, allen voran der Bund (25,1 Prozent) und der italienische Rüstungskonzern Leonardo (22,8 Prozent), sollen eine um fünf auf 55 Cent je Aktie erhöhte Dividende erhalten.
Für das laufende Jahr präzisierte Hensoldt-Chef Dörre die Erwartungen: Der Umsatz soll 2026 auf 2,75 Milliarden Euro steigen, das wäre ein Plus von zwölf Prozent. Bisher hatte der Vorstand zehn Prozent Zuwachs in Aussicht gestellt. Die bereinigte Ebitda-Marge soll zwischen 18,5 und 19,0 Prozent liegen; bisher war eine jährliche Steigerung um 0,5 Prozentpunkte prognostiziert worden.
Von einem möglichen Scheitern des europäischen Kampfflugzeug-Projekts FCAS sieht sich Hensoldt nicht betroffen. "Mit dem Wachstum, das wir liefern, wie auch immer es in FCAS weitergeht, sehe ich uns da sehr, sehr gut aufgestellt", sagte Dörre. Er sehe "keine Risiken oder Ausfälle mit Blick auf die getätigten Prognosen".




