Springer kauft britische "Telegraph"-Gruppe - "Unser Traum wird wahr"
Berlin/London, 06. Mrz (Reuters) - Axel Springer kauft die traditionsreiche britische Zeitung "Telegraph".
Der Kaufpreis für die Telegraph Media Group beläuft sich auf 575 Millionen Pfund in bar, wie Springer am Freitag mitteilte. Man habe mit dem Eigentümer RedBird IMI eine Vereinbarung dazu geschlossen. Springer-Chef Mathias Döpfner sagte, der Berliner Konzern habe vor mehr als 20 Jahren vergeblich versucht, das Unternehmen zu erwerben. "Nun wird unser Traum wahr." Nach dem Kauf der US-Newsplattform Politico 2021 für etwa eine Milliarde Dollar ist dies die zweitgrößte Investition in der rund 80-jährigen Firmengeschichte.
Mit dem Geschäft geht eine der ältesten Zeitungen Großbritanniens, die enge Verbindungen zum britischen Establishment und zur Konservativen Partei unterhält, in deutschen Besitz über. "Axel Springer wird die Telegraph-Gruppe weiter ausbauen und international stärken – mit dem Ziel, das führende bürgerlich-konservative Medium der englischsprachigen Welt zu werden", erklärte der Berliner Herausgeber von "Bild" und "Welt". Das Medienhaus war 2015 im Bieterkampf um die "Financial Times" gescheitert und hatte gegenüber der japanischen Nikkei Gruppe den Kürzeren gezogen.
SPRINGER WILL MIT "TELEGRAPH" AUCH IN USA WACHSEN
Verlagsgründer Axel Springer habe sein Unternehmen 1946 auf Grundlage einer britischen Presselizenz gegründet, erklärte Döpfner. "Der 'Telegraph' war für ihn dabei sein Leitstern." Das Management sehe nun erhebliches Wachstumspotenzial für die Telegraph-Gruppe, sagte der Springer-Chef und Großaktionär. "Technologische Kompetenz und Transformation mittels Künstlicher Intelligenz sind für diesen Weg von entscheidender Bedeutung." Die Berliner wollen die Expansion der Telegraph-Gruppe in den US-Markt gezielt vorantreiben und dabei die Expertise ihrer Marken Politico und Business Insider einbringen. Das Unternehmen solle auch von Springers Erfahrung etwa bei digitaler Werbung, Abonnements und Events profitieren.
Die Übernahme durch Springer durchkreuzt damit die Pläne des "Daily Mail"-Eigentümers DMGT, den Konkurrenten "Telegraph" zu erwerben. Dieser sah sich in Großbritannien regulatorischen Untersuchungen ausgesetzt. Denn es gab Befürchtungen, die Übernahme könne die Medienvielfalt verringern und zu einer Angleichung der redaktionellen Ausrichtung von "Daily Mail" und "Telegraph" führen. Döpfner erklärte, es sei Privileg und Verpflichtung zugleich, Eigentümer des "Telegraph" zu sein. Man werde seinen unverwechselbaren Charakter und sein Erbe bewahren.
Springer war eher kurzfristig in das Bieterverfahren eingestiegen, anfangs im Konsortium mit dem Herausgeber der "New York Sun", Dovid Efune. Letztlich stemmten die Berliner das Investment aber allein und dankten Efune für seine Unterstützung rund um die Transaktion.
Springer hatte Anfang März bereits angekündigt, die US-Medien- und Event-Plattform Bisnow zu übernehmen und damit sein US-Geschäft auszubauen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dies sei eine Investition im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
(Bericht von Klaus Lauer, Sam Tabahriti und Amy-Joe Crowley, Mitarbeit von Prerna Bedi, redigiert von Olaf Brenner.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




