Pilotenstreik trifft weniger Lufthansa-Flüge als beim letzten Mal

(Reuters) - Die Lufthansa hat die Flugausfälle durch den Pilotenstreik bei ihrer Kernmarke am Donnerstag begrenzen können. Das Unternehmen bekräftigte nach dem ersten von zwei Streiktagen, mehr als 50 Prozent der Flüge in die Luft gebracht zu haben. "Der reduzierte Flugplan findet wie angekündigt statt", sagte ein Lufthansa-Sprecher am Donnerstag. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte die Beschäftigten von Lufthansa und der Frachttochter Lufthansa Cargo sowie von der Zubringer-Airline Cityline zum Streik aufgerufen.
Nach Angaben der VC hingegen blieben rund 70 Prozent der Flugzeuge am Boden, bis 15.00 Uhr konnten demnach nur 30 Prozent abheben. "Unsere Einschätzung stützt sich auf eine solide Datengrundlage", sagte Arne Karstens, Sprecher der Tarifkommission. "Dass das Unternehmen seine Zahlen gerne etwas geschönt darstellt, ist ein bekanntes Vorgehen."
Zahlen vom Flughafen Frankfurt stützen unterdessen die Darstellung der Lufthansa. Am größten Drehkreuz der Airline verzeichnete der Betreiber Fraport am Donnerstag 426 Streichungen von ursprünglich geplanten 1168 Starts und Landungen, also eine Ausfallquote von 36 Prozent. Ein Großteil seien Flüge der Lufthansa, erklärte ein Fraport-Sprecher. Im Vergleich zum ersten Streiktag der VC im Konflikt über die betriebliche Altersvorsorge war der Effekt auf jeden Fall geringer. Damals fielen der VC zufolge 93 Prozent der bestreikten Flüge aus. Betroffen waren rund 100.000 Passagiere von 800 Flügen bundesweit.
Schwester-Airlines füllen Lücken bei der Lufthansa
Die Lufthansa rettete einen Teil des Flugprogramms, indem Maschinen der Schwester-Airlines Discover und City Airlines einsprangen. Teilweise wurden größere Flugzeuge eingesetzt. Es hätten sich aber auch mehrere Hundert Piloten freiwillig zum Dienst gemeldet, ergänzte der Sprecher. Darunter dürften auch VC-Mitglieder sein, denn der Organisationsgrad der Gewerkschaft ist bei der Lufthansa hoch.
Hintergrund ist ein verändertes Vorgehen des Arbeitgebers: Bei früheren Streikankündigungen strich die Lufthansa einen Großteil des Flugprogramms prophylaktisch, um Chaos an den Flughäfen mit vielen gestrandeten Passagieren zu verhindern. Denn das hatte die Airline mal erlebt, als sie die Streikbereitschaft des Kabinenpersonals im Tarifkonflikt mit der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) unterschätzt hatte.
Die Pilotinnen und Piloten mussten früher nicht zu erkennen geben, ob sie streiken oder nicht. Jetzt können sich Arbeitswillige auf Listen eintragen oder sie werden vom Unternehmen angerufen, ob sie zum Dienst erscheinen oder nicht.
Der Machtkampf zwischen Lufthansa und VC geht damit weiter. Die VC erklärte, es liege weiterhin kein "verhandlungsfähiges" Angebot vor und forderte eine faire Lösung auf Augenhöhe. Am Freitag streiken die Crews von Lufthansa und Lufthansa Cargo weiter, die um mehr Gehalt ringenden Cityline-Beschäftigten treten wieder zum Dienst an.




