Heute zeitweise acht Prozent im Minus

„Gold schwankt von einem ins andere Extrem“

onvista · Uhr

Der Goldpreis hat am Montag zeitweise bis zu acht Prozent eingebüßt und notierte auch nach positiven Signalen zum Iran-Krieg im Minus. Warum der Kurs des Metalls sich aktuell nicht wie eine Krisenwährung verhält.

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Quelle: Shutterstock/KanawatTH

Gold gilt als Krisenwährung und Inflationsschutz. Aber so richtig erfüllte das Edelmetall beide Rollen zuletzt nicht. Trotz einer geopolitischen Krise, dem Iran-Krieg, und der Aussicht auf einen neuen Inflationsschub, verursacht durch den steigenden Ölpreis, rutschte der Kurs immer weiter ab.

Am Montagmorgen sackte der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) im Tief bis auf 4.098 Dollar. Das sind fast exakt 1.500 Dollar weniger als der Ende Januar erreichte Rekord. Allein vom Schlusskurs des Freitags aus ging es demnach fast 400 Dollar oder gut acht Prozent nach unten. Dann drehte der Goldpreis, wie auch die Aktienmärkte, nach einem Social-Media-Post von Donald Trump am Montagmittag, in dem er abermals ein schnelles Ende des Irankriegs in Aussicht stellte, vom deutlichen Minus binnen kurzer Zeit ins Plus.

Trotz dieses jüngsten Comebacks: Es ist schon erstaunlich, wie schlecht sich Gold aktuell schlägt – vor allem verglichen mit Aktien. Noch vor Trumps Aussagen nämlich notierte Gold grob doppelt so stark im Minus wie deutsche Standardwerte, gemessen am Dax. Eine Krisenwährung sieht anders aus.

„Dieser Preisrückgang stellt bereits eine Übertreibung dar“

Eine mögliche Erklärung für die Goldschwäche sind die Inflationserwartungen. Gold wirft keinen Zins ab, ein Anstieg der Renditen bei Anleihen ist damit ein direkter Belastungsfaktor für den Preis. Warum sollten Investoren auf einen unsicheren künftigen Goldpreis setzen, wenn viele Staatsanleihen eine Rückzahlung zum Ende praktisch garantieren und einen kalkulierbaren Zinsertrag bieten?

Trotzdem sind die Bewegungen außergewöhnlich. „Dieser Preisrückgang stellt bereits eine Übertreibung dar. Nur mit der Veränderung der Zinserwartungen, dem dadurch ausgelösten Anstieg der Anleiherenditen und der Aufwertung des US-Dollar lässt sich das nicht mehr erklären“, erklärt Commerzbank-Rohstoffanalyst Carsten Fritsch auf Anfrage von onvista.

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Goldbarren sind vor einem Kurschart zu sehen.

Fritsch erinnert dabei daran, dass die vorigen Anstiege einen ähnlichen Charakter hatten. Das hatte der Experte bereits in einem Interview Ende Januar bekräftigt, und erklärt, niemand könne beispielsweise seriös prognostizieren, ob Gold nicht noch auf 6.000 Dollar je Feinunze steigt.

„Man könnte daher sagen, dass der Goldpreis von einem Extrem ins andere geschwankt ist“, sagt er nun angesichts der Lage am Montag. Das zeigt auch eine Auswertung der täglichen Preisbewegungen – die seit Jahresbeginn ungewöhnlich hoch sind (siehe Grafik oben).

Commerzbank-Experte: Gold bleibt ein Inflationsschutz

Wie weit es nun bergab gehen kann, beziehungsweise wo eine Unterstützung den Rutsch beenden könnte, lasse sich nicht einfach so sagen, ergänzt Fritsch. Er merkt jedoch an: „Entscheidend dürfte sein, wann erste Anleger das niedrigere Preisniveau als Einstiegs-Gelegenheit erachten und ob die physische Goldnachfrage in Asien nach dem Preisrückgang anzieht.“

Eine Frage, die viele am Markt zudem umtreiben dürfte, ist, ob Gold denn nun ein Inflationsschutz ist oder nicht. Die vage Hoffnung auf eine Deeskalation im Nahen Osten nach Trumps Aussagen hat den Ölpreis zwar etwas nach unten geschickt. Trotzdem ist denkbar, dass die Inflation nun wieder ansteigt.

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Ein Tanker wird beladen.

So gerieten wichtige Gas-Förderanlagen in Katar unter Beschuss. Dem Land zufolge könnte es Jahre dauern, bis die Schäden repariert und die Anlage wieder mit voller Kapazität laufen könnte. Auch nach einem Kriegsende könnten Energieträger teuer bleiben.

Außerdem deuteten die Erzeugerpreise in den USA für den Monat Februar an, dass sich wieder Preisdruck aufbaute – also noch vor Beginn des Irankriegs. Insofern scheinen Inflationsängste gerechtfertigt.

„Natürlich kann Gold weiter als Inflationsschutz betitelt werden“, sagt Fritsch dabei klar. „Es gibt langfristig keinen besseren Inflationsschutz als Gold, trotz kurzfristiger Phasen wie aktuell.“ So sei Gold nach dem Inflationsschock 2022 ebenfalls zwischenzeitlich unter Druck geraten, nur um anschließend deutlich zusteigen.

Gold, gerechnet in Dollar und um die Inflation adjustiert, schlug sich damals tatsächlich besser als Aktien, deren (inflationsadjustierte) Erholung etwas länger brauchte. Wenn du wissen möchtest, wie Gold sich langfristig gegenüber Aktien als Inflationsschutz schlägt, kannst du das hier in diesem Artikel nachlesen, in der wir auch andere Investments vorstellen, die bei höherer Inflation helfen.

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