Bitcoin, Ethereum, Libra und Co: Kann die EU mit neuen Regulierungsplänen eine Vorreiterrolle für die Krypto-Branche einnehmen?

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Bitcoin, Ethereum, Libra und Co: Kann die EU mit neuen Regulierungsplänen eine Vorreiterrolle für die Krypto-Branche einnehmen?

Die Volatilität an den Aktienmärkten, die zuletzt wieder für einen deutlichen Rücksetzer gesorgt hat, mach auch vor der Kryptowährung Bitcoin und dem restlichen Sektor keinen Halt. Zuletzt hatte Bitcoin sich um den Bereich der Marke von 11.000 Dollar aufgehalten, der jüngste Kursrutsch an den traditionellen Finanzmärkten hat neben Gold jedoch auch die von vielen als digitales Gold deklarierte Kryptowährung bis an die Grenze von 10.000 Dollar heruntergezogen. Bis unter diese Marke ist der Kurs jedoch vorerst nicht gefallen, der Kurs hält sich momentan nach einer leichten Erholung wieder im Bereich von 10.500 Dollar auf.

Auf lange Sicht könnte es aber nun auf regulatorischer Ebene zu einigen richtungsweisenden Änderungen kommen, denn die Europäische Union zeigt ernsthafte Bestrebungen, internationale rechtliche Standards für digitale Währungen zu schaffen. Das könnte einerseits das Ende für viele Projekte bedeuten, andererseits aber auch eine enorme Chance für die Branche sein, die wie jede andere auch auf Rechts- und Planungssicherheit bedacht ist und für die weitere Adaption in der derzeitigen Finanzwelt Regulierungen braucht.

EU-Zone als weltweiter Vorreiter für den Krypto-Sektor?

Die Ideen der EU-Kommission bieten etwa nach Ansicht des Digitalverbands Bitkom gute Chancen für Werte wie Bitcoin. Dieser könnten mithilfe des Entwurfs der Brüsseler Behörde deutlich an Fahrt gewinnen, teilte der Verband mit. „Die EU harmonisiert den bestehenden Regulierungs-Flickenteppich bei Kryptowerten und kann damit eine weltweite Vorreiterrolle einnehmen“, sagte der Blockchain-Experte des Verbands, Patrick Hansen.

Zu den Vorschlägen gehören Sicherheitsnetze für Investoren und klare Vorschriften für die Betreiber, wie die EU-Kommission am Donnerstag mitteilte. „Die Zunkunft der Finanzwelt ist digital,“ erklärte Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis. „Technologie kann Verbrauchern und Unternehmen viel mehr bieten und wir sollten den digitalen Wandel proaktiv annehmen, während wir jedwede potenziellen Risiken vermindern.“ Der Bankenverband äußerte sich positiv zu den Regulierungsplänen aus Brüssel.

Mit den neuen Regeln sollen unter anderem Anbieter von Krypowährungen und entsprechende Finanzdienstleister, die in einem EU-Land eine Genehmigung erhalten, die Möglichkeit erhalten, ihre Dienste in der gesamten Ländergemeinschaft anbieten zu können. In der Banken-Branche ist dieses Vorgehen als „EU-Pass“ bekannt. Um Digitalwährungen sicher zu gestalten soll es unter anderem Kapitalanfordeungen für die Betreiber geben und klare Beschwerdemöglichkeiten für Investoren. Für die Betreiber von weltweiten sogenannten „Stable Coins“, zu denen auch die geplante Facebook-Währung Libra zählt, soll es noch schärfere Kapitalanforderungen geben. Das gilt laut EU-Kommisssion auch für die Investorenrechte und die Aufsicht.

Die deutschen Privatbanken, die auf eine zügige Einführung eines digitalen Euro dringen, äußerten sich positiv zum Vorstoß der EU-Kommission. „Die Regulierung von digitalen Währungsformen ist überfällig und zu begrüßen: Es geht um die digitale Währungshoheit Europas“, erklärte Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands BdB. Wenn internationale Anbieter aus China oder aus den USA die Währung als Objekt ökonomischen Wettbewerbs entdeckten, sei Regulierung unerlässlich. „Zugleich müssen die neuen Rahmenbedingungen so gefasst werden, dass Innovationsfähigkeit und digitale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Finanzsektors gestärkt werden“, erklärte Krautscheid.

Bitkom-Experte Hansen betonte, diese Schritte verbunden mit Rechtssicherheit könnten „zahlreiche Krypto-Unternehmen nach Europa locken“ – Voraussetzung sei aber ein Binnenmarkt, in dem nationale Lizenzen in der ganzen Gemeinschaft gelten und übertragbar sind. „Die EU kann mit ihrer Regulierung weltweite Standards setzen und sich einen globalen Standortvorteil aufbauen“, sagte Hansen. Zugleich warnte er vor zu hohen Anforderungen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass etwa Start-ups ausgeschlossen werden.

Der europäische Verbraucherverband Beuc teilte mit, Kryptowährungen müssten in der gesamten EU reguliert werden. Deshalb unterstütze er Regeln auf europäischer Ebene. In einem Positionspapier betont der Verband seine Bedenken. So sei die Gefahr hoch, dass Verbraucher ihre Investitionen leicht verlieren, hinzu kämen das Betrugsrisiko sowie Haftungsfragen. „Für jede Art von Krypto-Assets müssen die Verbraucherschutzregeln geklärt werden.“

Welche Kryptowährungen momentan die meiste Relevanz haben und damit besonders von neuen Regulierungen betroffen wären, sind folgend aufgelistet:

Bitcoin: Der Bitcoin ist die bei weitem älteste und bekannteste Digitalwährung. Er hat zudem mit aktuell etwa 60 Prozent den größten Marktanteil unter den derzeit rund 7000 Kryptowährungen. Entstanden ist der Bitcoin zu Zeiten der Finanzkrise 2008. Sein Erfinder ist bis heute nur unter dem Decknamen „Satoshi Nakamoto“ bekannt. Wichtigste Merkmale des Bitcoin sind seine dezentrale Organisation und die Verwendung der Datenbanktechnik „Blockchain“.

Ethereum: Das Ethereum-Netzwerk mit der dazugehörigen Währung Ether ist nach Bitcoin die zweitgrößte Digitalwährung der Welt. Ihr Marktanteil beträgt etwas mehr als zehn Prozent. Kennzeichnend für Ether ist zum einen die ebenfalls dezentrale Organisation des zugrundeliegenden Netzwerks Etherum. Zum anderen – und das ist ein wichtiger Unterschied zum Bitcoin – liegt ein Schwerpunkt von Ether auf „intelligenten Verträgen“. Bei diesen sogenannten Smart Contracts handelt es sich im Grunde um kleine Computerprogramme, die Verträge nach der Zahlungsabwicklung quasi automatisch ausführen können. Ähnlich wie der Datenbanktechnik Blockchain wird Smart Contracts eine große Zukunft vorhergesagt.

Tether: Tether gehört zu den „Stable Coins“, deren Wert durch die Unterlegung mit klassischen Anlagen garantiert wird. Im Fall von Tether ist es die weltgrößte Währung US-Dollar. Dadurch wird jedoch eine wichtige Idee des Kryptowährungskonzepts verletzt, nämlich die Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – erfreut sich Tether großer Beliebtheit. Ein Vorteil der Anbindung an den US-Dollar ist nämlich, dass der Kurs im Vergleich zu anderen Digitalwährungen weniger stark schwankt. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Zweifel, ob die behauptete Deckung mit US-Dollar den Tatsachen entspricht.

Libra: Ähnlich wie Tether soll Libra eine Digitalwährung nach dem Prinzip „Stable Coins“ werden, jedoch mit zwei gewaltigen Unterschieden. Erstens: Es gibt sie noch gar nicht. Zweitens: Hinter Libra steht mit Facebook eines der mächtigsten Technologieunternehmen der Welt. Die Idee von Libra ist, einer Digitalwährung auf breiter Front den kommerziellen Durchbruch zu verschaffen. Das Problem: Staatliche Institutionen sind davon überhaupt nicht begeistert. Zwar untersuchen auch Staaten und Zentralbanken seit längerem, wie sie sich das Konzept digitaler Währungen nutzbar machen können. Sie lassen sich dabei aber nicht gerne das Zepter aus der Hand nehmen. Auf entsprechend großen Widerstand stößt daher die von Facebook initiierte „Libra Association“ mit ihrem Vorhaben.

Digital-Yuan: Schon länger arbeitet China an der digitalen Variante seiner Währung Yuan oder Renminbi. Das Vorhaben steht im klaren Gegensatz zu den freiheitlichen Ideen, die die Vordenker digitaler Währungen einst hatten. Denn eine staatlich unkontrollierte, dezentrale Währung mit anonymisierten Zahlungsvorgängen ist sicherlich nicht das, was die politische Führung der Volksrepublik im Sinn hat. Im Gegenteil dürfte ihr eher daran gelegen sein, Zahlungsvorgänge und damit verbundene Geschäfte möglichst engmaschig zu kontrollieren. Der Digital-Yuan kann damit als eine Art Gegenentwurf zur Ur-Kryptowährung Bitcoin angesehen werden.

onvista/dpa-AFX/reuters

Titelfoto: Visual Generation / Shutterstock.com

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