Güterbahnen ächzen unter Strompreis und warnen vor Diesel-Lok-Comeback

Reuters · Uhr

Berlin (Reuters) - Die Güterbahnen warnen wegen der hohen Strompreise vor einer Verlagerung von Fracht auf die Straße.

Allein im vergangenen Jahr hätten sich die Tarife für Bahnstrom verdoppelt, erklärte das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) am Mittwoch. Zu Jahresbeginn sei keine Entspannung zu beobachten, an den Strombörsen lägen die Preise jetzt sogar bis zu sechsmal so hoch wie im Januar 2021. Die Entwicklung bedrohe nicht nur die Existenz von Güterbahnen. Sie gefährde auch die Klimaziele im Verkehrssektor, weil aus Kostengründen die Schiene Ladung an den Lkw verlieren könnte. "Der Preis schlägt das Argument Klimaschutz." Zwar sei auch Diesel teurer geworden, aber eben längst nicht so stark wie Strom. Es könne daher sogar günstiger sein, wieder Dieselloks einzusetzen.

Laut dem NEE, dem Zusammenschluss der Güterverkehrs-Konkurrenten der Deutschen Bahn, hatten die Energiekosten für die Bahnen schon vor der jüngsten Entwicklung einen Anteil von etwa 20 Prozent Betriebskosten. Dieser habe sich nun verdoppelt.

Für die Bundesregierung und ihren Klimaminister Robert Habeck (Grüne) ist der Strompreis-Anstieg ein gravierendes Problem. Vor allem, weil die Spanne zu Diesel, Benzin oder Heizöl größer wird. Da beim Strom der Anteil Erneuerbarer Energien wachsen soll und inzwischen fast die Hälfte erreicht hat, setzt die Regierung wo immer möglich auf Elektrifizierung. Der Regierungsberater Felix Matthes vom Ökoinstitut hatte darauf hingewiesen, dass deswegen Öl-Heizungen wieder die attraktivste Wärmequelle werden könnten und der Kostenvorteil von E-Autos sinke.