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Versprechen eingelöst / Kommentar zur SAP-Strategie von Sebastian Schmid Frankfurt (ots) - Gut 18 Monate nachdem SAP die Übernahme des US-Start-ups Qualtrics abgeschlossen hat, wird bereits wieder die Trennung eingeleitet. Zwar wird es so nicht formuliert. SAP bleibe enger Partner und Mehrheitseigner - ohne die Absicht, die Beteiligung zu veräußern. Der US-Tochter soll jedoch jener Börsengang ermöglicht werden, den Europas größter Softwarekonzern mit der Übernahme 2018 erst in letzter Minute gestoppt hatte.

Der damalige SAP-Chef Bill McDermott setzte mit der Akquisition darauf, dass die Erfahrungsdaten-Plattform von Qualtrics ein entscheidender Wettbewerbsvorteil gegenüber der enteilenden Konkurrenz im Geschäft mit Software zum Management von Kundenbeziehungen (CRM) werden könnte. In dem von Salesforce dominierten Geschäft war SAP noch hinter Oracle zurückgefallen.

Schnell zeigte sich, dass eine derart enge Auslegung der Qualtrics-Plattform weder im Sinne von SAP noch von Qualtrics sein würde. Die zunächst zusammen mit dem eigenen CRM-Angebot C/4Hana im Bereich Customer and Experience Management zusammengefasste Tochter wurde vom vierten Quartal 2019 an separat ausgewiesen und kommt überdies in zahlreichen nicht-kundenbezogenen SAP-Anwendungen zum Einsatz. Indes hätte es für die Einbettung in zahlreiche Produkte wohl kaum einer Übernahme bedurft.

War der Deal also nur ein 8 Mrd. Dollar teures Missverständnis? Ein Missverständnis vielleicht, teuer aber kaum. Analysten zufolge könnte die SAP-Tochter bei einem IPO mit bis zu 16 Mrd. Dollar bewertet werden und ihren Wert damit binnen zwei Jahren in etwa verdoppelt haben. Eine Abschreibung droht kaum, da SAP sich vorbehält, den Börsengang vom Kapitalmarktumfeld abhängig zu machen.

Doch der Qualtrics-Spin-off zeigt nicht nur, wie sich SAP-Chef Christian Klein die künftige M&A-Strategie vorstellt. Er ist sich mit Aufsichtsratschef Hasso Plattner einig, dass Zukäufe stärker im Konzern integriert werden müssen. Bei Qualtrics, deren CEO Ryan Smith nach dem IPO größter Einzelaktionär werden will, war das nie eine Option.

Mit dem IPO von Qualtrics verabschiedet sich SAP von McDermotts M&A-Strategie und löst zugleich dessen Versprechen beim Qualtrics-Erwerb ein. "Wir würden niemals jemanden an uns binden, der dies nicht will", hatte McDermott damals gesagt. Und auch Klein löst ein Versprechen ein. Mit dem Ende der Doppelspitze im Mai hatte SAP schnellere Entscheidungen angekündigt. Im Fall von Qualtrics hat Klein erstmals geliefert.

(Börsen-Zeitung, 28.07.2020)

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