ETF-Ratgeber: So finden Sie die besten Indexfonds

Mit ETFs können Sie breit gestreut und preisgünstig in Aktien investieren. Erfahren Sie, wie Sie mit Indexfonds der Rendite auf die Sprünge helfen.

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ETFs sind preiswert, transparent , flexibel und bieten Anlegern einen hohen Diversifikationsnutzen. Tipps und Tricks für die Anlage in Indexfonds

Im Überblick: 

  • Wie funktioniert ein ETF?
  • Für wen sind ETFs geeignet?
  • Ich möchte einen ETF kaufen, wie geht das?
  • Was kostet ein ETF?
  • Warum Sie die Kostenvorteile von ETFs nicht unterschätzen sollten!
  • Worauf es neben Kosten noch ankommt
  • Sind alle ETFs identisch?
  • Was ist besser? Physische oder synthetische Indexabbildung?
  • Was ist der Unterschied zwischen einem thesaurierenden und einem ausschüttenden ETF?
  • Was macht ETFs für Anleger so attraktiv?
  • Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem klassischen Aktienfonds?
  • ETF oder Fonds? Was ist besser?
  • Geld in Aktien anlegen. Warum ETFs die erste Wahl sein sollten
  • Ich möchte Geld ansparen. Ist das mit ETFs möglich?
  • Was kostet ein ETF-Sparplan?
  • ETF-Sparplan: Wie Sie schon mit kleinen Beträgen ein Vermögen aufbauen
  • Was ist Besser: Einmalanlage oder ETF-Sparplan?
  • Ist mein Geld in einem ETF sicher angelegt?
  • Welche Anlagestrategien lassen sich mit ETFs umsetzen?
  • Was sind Dividenden-ETFs?
  • Was Sie über die Besteuerung von ETFs wissen sollten
  • Welche Märkte können mit ETFs abgebildet werden und wie viele ETFs gibt es?
  • Wer sind die größten ETF-Anbieter in Deutschland?
  • 10 Punkte, die Sie bei der Auswahl im Blick haben sollten
  • Sonstige Fragen und Antworten rund um ETFs

Wie funktioniert ein ETF?

Viele Privatanleger dürften von ETFs zwar schon einmal gehört haben. Wie diese modernen Anlageprodukte aber genau funktionieren und welche Chancen und Risiken sie bieten, wissen wohl die wenigsten. Exchange Traded Funds, so die vollständige Bezeichnung, sind passiv gemanagte, börsengehandelte Indexfonds. Passiv bedeutet, dass Sie die Wertentwicklung eines Referenzindex, zum Beispiel die des DAX, nahezu eins zu eins abbilden. Steigt zum Beispiel der DAX um ein Prozent legt ein DAX-ETF idealerweise ebenfalls um rund ein Prozent zu – und umgekehrt (jeweils abzüglich geringer Gebühren). Der Anleger erwirb also mit einer Anlage einen kompletten Markt. Darüber hinaus können ETFs einfach und schnell wie Aktien an der Börse gehandelt werden. Sie vereinen somit die breite Risikostreuung eines Investmentfonds mit der leichten Handelbarkeit einer Aktie.

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Exkurs: Welche Bedeutung haben Indizes? Ein Index ist eine Kennziffer zur Darstellung der Wertentwicklung (Performance) einer Gruppe von Wertpapieren. Bei einem Aktienindex handelt es sich dabei um Aktien. Welche Titel ein Index enthält, hängt den jeweiligen Auswahlkriterien (Index-Guidelines) des Indexbetreibers ab. Der DAX enthält zum Beispiel die 30 nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz größten deutschen Aktiengesellschaften. Mit Indizes kann man im Zeitverlauf erkennen, wie sich ein Markt oder eine Branche entwickelt hat. 

Für wen sind ETFs geeignet?

Geeignet sind EFTs prinzipiell für alle Anleger, die diversifiziert in den Aktienmarkt einsteigen wollen. Gerade auch Aktienneulinge können mit diesen Produkten aufgrund der hohen Transparenz sowie des diversifizierten Marktzutritts wichtige erste Erfahrungen bei der Geldanlage mit Wertpapieren sammeln. Die Idee einen Index abzubilden wurde übrigens in den USA bereits in den frühen 1970er-Jahren geboren. Allerdings konnten diese Urahnen der ETFs noch nicht an einer Börse gehandelt werden. Das war erst zu Beginn der 1990er-Jahre in den USA möglich. In Europa wurden ETFs erstmals im Jahr 2000 angeboten. Seither hat sich das am ETF-Markt investierte Geld (Anlagevolumen) rasant erhöht. Ende 2019 stecken nach Angaben der Marktforschungsfirma ETFGI weltweit mehr als sechs Billionen US-Dollar in diesen Anlageprodukten. Das ist eine gewaltige Summe, die von der großen Beliebtheit von ETFs sowohl unter professionellen als auch privaten Anlegern zeugt.

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Ich möchte einen ETF kaufen, wie geht das?

Um einen ETF zu kaufen, benötigen Sie lediglich ein Wertpapierdepot sowie ein Abrechnungskonto bei einer Bank, am besten bei einer Online-Bank oder einem Online-Brocker. Denn hier ist die Depotführung meistens kostenlos. Eine Order platzieren Sie dann über die Ordermaske unter Angabe der ISIN- oder WKN-Nummer des ETFs. Beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass Online-Banken häufig eine eigene Gebührenkategorie für ETFs eingerichtet haben. In der Regel sind Ordergebühren abhängig vom Auftragsvolumen und von der Börse oder der Handelsplattform, an der die ETF-Order ausgeführt wird. Je größer das Auftragsvolumen, desto geringer wird meist die prozentuale Kostenbelastung. Bei manchen Instituten können einige oder alle ETFs mit niedrigen Pauschalgebühren geordert werden. Vergleichen Sie also, wo sie ETFs mit günstigen Ordergebühren kaufen und verkaufen können. Das gleiche gilt für ETF-Sparpläne. Auch hier sollten Sie die Konditionen der Banken und ETF-Broker im Blick haben. Was kostet das regelmäßige ETF-Sparen? Ab welchen monatlichen Beträgen kann ich starten? Gibt es Sonderaktionen oder andere Vergünstigungen für Sparpläne auf bestimmte EFTs?

Was kostet ein ETF?

ETFs sind ein sehr günstiges Anlageinstrument, da sie lediglich einen Index nachbilden. Gekauft wird nur das, was im Index enthalten ist und verkauft nur das, was aus dem Index rausfällt. Die aufwendige Titelselektion eines aktiv gemanagten Investmentfonds und damit auch der teure Analyse-, Bewertungs- und Überwachungsprozess des Portfolios durch ein Team von Investmentspezialisten und Fondsmanagern entfällt komplett.

Der bedeutendste Kostenbestandteil eines ETFs sind die jährlichen Verwaltungsgebühren (auch als Verwaltungsentgelt oder Managementgebühr bezeichnet). Sie umfassen die Betriebskosten des ETFs, dazu zählen insbesondere die Kosten für die Indexnachbildung. Die Verwaltungsgebühren werden pro Jahr (p.a.) angegeben und fortlaufend vom Preis des ETFs abgezogen. Fortlaufend bedeutet, dass sie anteilig für jeden Tag berechnet werden und somit den ETF-Wert täglich marginal verringern. Dazu ein Beispiel: Bei einem ETF-Anteilswert von 100 Euro und einem jährlichen Verwaltungsentgelt von 0,2 Prozent würde sich der ETF-Wert jeden Tag- unter ansonsten gleichen Bedingungen - um rund 0,00055 Cent verringern.

Bei den meisten Aktien-ETFs liegen die Verwaltungsgebühren in einer Spanne zwischen 0,2 und 0,4 Prozent pro Jahr. Das ist im Vergleich zu aktiv gemanagten Investmentfonds sehr günstig, bei denen in der Regel Verwaltungsgebühren zwischen etwa 0,8 bis 2,0 Prozent pro Jahr fällig werden. Viele Fonds sind sogar noch teurer, je nachdem welche Anlagestrategie sie verfolgen. Hinzu kommt bei aktiv gemanagten Fonds oftmals noch eine erfolgsabhängige Performancegebühr, die zum Beispiel dann zum Abzug kommt, wenn die Fondsperformance über gewissen Zielmarken liegt.

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Wie hoch die Verwaltungsgebühren eines ETFs sind, können Sie im Internet aus den entsprechenden Produktseiten des Anbieters oder unserem ETF-Vergleich entnehmen. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch auf die sogenannte Total Expense Ratio, kurz TER, verwiesen. Diese auch als Gesamtkostenquote bezeichnete Kennziffer enthält neben den Verwaltungsgebühren noch weitere kleinere Kostenfaktoren wie Depotbank-, Lizenz- oder Vertriebsgebühren. Die TER ist daher meistes etwas höher als die Verwaltungsgebühr, in der Regel etwa um 0,05 bis 0,15 Prozent.

Hinzu kommen externe Kosten, die sich aus dem An- und Verkauf eines ETF Fonds ergeben wie Order-, Depot,- oder Börsengebühren. Diese fallen jedoch auch für jedes andere börsengehandelte Wertpapier an. Ein weiterer Kostenfaktor stellen die Handelskosten in Form des Spreads (Geld-Brief-Spanne) dar. Das ist die Differenz zwischen dem An- und Verkaufskurs eines ETFs. Bei den meisten ETFs ist der Spread sehr gering. Bei ETFs auf liquide Aktienindizes wie den DAX oder den EURO STOXX 50 liegt er durchschnittlich für gewöhnlich in einer Spanne von 0,05 und 0,10 Prozent. Als Faustregel gilt: Je liquider der zugrundeliegende Index, desto niedriger der Spread. Allerdings kann eine hohe Volatilität an den Märkten dazu führen, dass sich die Geld-Brief-Spanne ausweitet.

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Warum Sie Kostenvorteile nicht unterschätzen sollten!

Der Kostenunterschied zwischen einem ETF und einem aktiv gemanagten Fonds kann im Zeitverlauf ganz erhebliche Ausmaße annehmen. Dazu ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Betrag von 20.000 Euro für die nächsten 20 Jahre in europäische Aktien anlegen und haben dazu die Auswahl zwischen zwei Fonds. Bei dem einen handelt es sich um einen Aktien-ETF auf den Stoxx Europe 600 Index, bei dem anderen um einen aktiv gemanagten Investmentfonds mit Schwerpunkt Aktien Europa. Zur Info: Der STOXX Europe 600 Index verfügt über eine breite Streuung. Er enthält die 600 bedeutendsten Aktien aus den zehn wichtigsten Industrieländern Europas. Für den ETF fällt eine jährliche Verwaltungsgebühr in Höhe von 0,30 Prozent auf die Anlagesumme an. Das ist kein ungewöhnlicher Gebührensatz für einen ETF. Bei dem aktiv gemanagten Fonds liegen die Verwaltungskosten – ebenfalls nicht unüblich – bei 1,50 Prozent pro Jahr. Andere Kosten bleiben unberücksichtigt. Nehmen wir nun weiter an, dass die Portfolios der beiden Fonds nach zehn Jahren keine Wertveränderung erfahren haben, also allein die Gebühren zum Abzug kommen. Beim ETF wären in diesem Szenario nach 20 Jahren Gebühren in Höhe von insgesamt 1.166 Euro angefallen, die den ETF-Wert nach Ablauf der Anlagedauer von 20.000 Euro auf 18.834 Euro verringert hätten. Bei dem aktiv gemanagten Investmentfonds wäre die Kostenbelastung ungleich höher. Hier summieren sich die Aufwendungen nach 20 Jahren auf 5.217 Euro. Vom Anfangskapital in Höhe von 20.000 Euro wären also nur noch 14.783 Euro übrig. Das heißt, mehr als ein Viertel des eingesetzten Kapitals wurde hier allein durch die Gebühren aufgefressen. Das zeigt: Die Kostenunterschiede mögen, prozentual gesehen, zwar gering erscheinen, können sich aber – absolut und langfristig– entscheidend auf die Wertentwicklung der Anlage auswirken. Oder anders ausgedrückt: Klassische Fonds müssen - um den Kostenvorteil von ETFs zu kompensieren - zwangsläufig besser abschneiden als der Markt. Doch genau das gelingt dauerhaft nur sehr wenigen Fondsmanagern.  

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Worauf es neben Kosten noch ankommt

Neben der Höhe der Kosten spielen auch noch andere Kriterien bei der Auswahl eines ETFs eine Rolle. Da ist zum einen der sogenannte Tracking Error. So bezeichnet man die Abweichung der ETF-Performance von der Performance des Referenzindex. Da es das hauptsächliche Ziel von ETFs ist, die Wertentwicklung des Referenzindex so exakt wie möglich zu replizieren, gilt es für den ETF-Anbieter, den Tracking Error so klein wie möglich zu halten. Demzufolge ist der Tracking Error ein Indikator für die Qualität der Indexnachbildung. Außerdem sollte ein ETF über eine ausreichend lange Historie verfügen, um erkennen zu können, ob es der Fonds auch über einen längeren Zeitraum geschafft hat, die Performance des Referenzindex möglichst exakt widerzuspiegeln. Ab einem „Alter“ von fünf Jahren lässt sich das sehr gut einschätzen. Schließlich sollten Sie darauf achten, dass der ETF auch über eine gewisse Größe (Anlagevolumen) verfügt. Sind zu wenig Gelder im ETF investiert, kann es passieren, dass der Anbieter den Fonds mangels Profitabilität schließt beziehungsweise vom Markt nimmt. Umgekehrt können sehr große ETFs durch Wertpapierleihgeschäfte Zusatzeinnahmen generieren, die einen erheblichen Teil der jährlichen Verwaltungsgebühr abdecken oder diese sogar überkompensieren können. Im letzteren Fall wäre auch eine kleine Outperformance zum Referenzindex möglich.

Tipp: Über den ETF-Vergleich von Onvista können Sie auf einfache und schnelle Weise einen Überblick über die Performance, die Fondsgröße, der TER und weiteren Qualitätskriterien einen Überblick verschaffen.

Sind alle ETFs identisch?

Die Abbildung eines Referenzindex durch einen ETF kann grundsätzlich auf zwei Wegen vorgenommen werden: durch physische oder durch synthetische Replikation.

1. Physische Replikation

Bei dieser Variante werden die ETFs exakt dem Index nachgebaut. Das heißt, wird ein ETF-Anteil von einem Anleger erworben, wird anteilig jede einzelne Aktie im Index mit ihrem entsprechenden Gewicht am Markt gekauft. Die Einzelteile werden dann im ETF gebündelt. Ändert sich die Gewichtung oder kommt es zu Veränderungen der Zusammensetzung, erfolgt die Anpassung durch entsprechende Transaktionen. Diese Vorgehensweise wird auch als Direktabbildung oder als „Full Replication“ bezeichnet. Eine Unterart der physischen Replikation stellt das Sampling dar. Bei dieser Methode werden nur die Titel mit dem höchsten Indexgewicht, beziehungsweise dem höchsten Einfluss auf die Wertentwicklung des Index, erworben. Das Sampling macht insbesondere bei sehr marktbreiten Indizes wie dem MSCI World Index Sinn. Hier wäre eine vollständige Replikation aufgrund der vielen Komponenten zu teuer. Der MSCI World Index enthält mehr als 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern.

2. Synthetische Replikation

Bei der synthetischen Replikation investiert der ETF nicht in die Werte, die der Referenzindex enthält, sondern in andere Vermögenswerte (Trägerportfolio). Um die Wertentwicklung des Referenzindex zu erhalten, schließt der ETF-Anbieter einen Tauschvertrag (englisch: Swap) mit einem Partner ab. Das ist in der Regel eine Investmentbank. In dem Vertrag verpflichtet sich der Swap-Partner, börsentäglich dem ETF die Rendite des Referenzindex zu liefern. Im Gegenzug verpflichtet sich der ETF, dem Swap-Partner zeitgleich die Rendite des Trägerportfolios gutzuschreiben.

Was ist besser? Physische oder synthetische Indexabbildung?

Der Vorteil der physischen Replikation liegt in der hohen Transparenz. Da sich der ETF exakt aus den im Referenzindex enthaltenen Werten zusammensetzt, weiß der Anleger immer genau, in welchen Wertpapieren sein Geld investiert ist. Allerdings birgt diese Variante auch Probleme: So ist die „Full Replication“-Methode auf Indizes mit liquiden Aktien angewiesen. Ist dies nicht der Fall, besteht die Gefahr, dass durch die Transaktionen des ETFs, der Kurs von wenig liquiden Titeln bewegt wird. Ein weiterer Punkt: Die physische Nachbildung ist bei marktbreiten Indizes mit sehr vielen Komponenten sehr aufwendig. Die Managementkosten von physischen ETFs sind daher meist höher als bei synthetischen ETFs. Einige ETF-Anbieter bilden daher lediglich einen repräsentativen „Sample“ (eine Stichprobe) mit den höchsten gewichteten Aktien ab.

Bei einer synthetischen Abbildung kann der ETF auch in Vermögenswerte investieren, die nicht im Referenzindex enthalten sind. Somit kann die Zusammensetzung eines Swap-basierten ETFs vom Referenzindex abweichen. Das geht zu Lasten der Transparenz und widerspricht in gewissem Maß auch dem Ziel, einen Index mit seinen Komponenten nachzubauen. Zudem besteht die Gefahr, dass der Swap-Partner die aus dem Swap-Geschäft versprochene Performance nicht liefern kann. Um das „Exposure“ gegenüber dem Swap-Partner gering zu halten, werden die Swap-Kontrakte daher regelmäßig glattgestellt. Auch ist in Europa vorgeschrieben, dass Differenzen im Wert der beiden Portfolios, der sogenannte Swap-Wert, stets besichert sein müssen. Ungeachtet dessen weisen synthetische ETFs einige Vorzüge auf. Zum einen sind sie in der Regel kostengünstiger als vergleichbare physische ETFs. Zum anderen bieten sie die Möglichkeit, in Märkte zu investieren, die physisch replizierenden Fonds nur schwer oder gar nicht zugänglich sind, wie beispielsweise Rohstoffmärkte oder bestimmte Schwellenmärkte.

Aktuell (März 2020) werden in Deutschland rund 1.800 ETFs gehandelt. Rund 55 Prozent davon werden physisch repliziert. Knapp 30 Prozent nutzen das synthetische Replikationsverfahren und bei rund 15 Prozent erfolgt ein physisches Sampling.

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Empfehlung für Privatanleger: Wer auf Nummer sicher gehen will und auf eine hohe Transparenz Wert legt, sollte physische ETFs präferieren, auch wenn diese etwas teurer sind. Anleger, die möglichst geringe Kosten haben wollen, sollten synthetische ETFs bevorzugen. 

Was ist der Unterschied zwischen einem thesaurierenden und ausschüttenden ETF?

Ein ETF kann etwaig Erträge, die durch die Indexkomponenten generiert werden, wie zum Beispiel Dividenden bei einem Aktien-ETF, an die Anteilseigner ausschütten oder ansammeln (thesaurieren). Für Anleger, die auf ein regelmäßiges Zusatzeinkommen Wert legen, ist ein ausschüttender ETF die richtige Wahl. Einen thesaurierenden ETFs sollten Sie dagegen dann in Erwägung ziehen, wenn Sie langfristig Vermögen aufbauen wollen. Denn dann profitieren Sie vom sogenannten Zinseszinseffekt. Zwar können auch bei ausschüttenden ETFs etwaige Zahlungen manuell wieder im ETFs angelegt werden, allerdings ist das nicht nur umständlich, sondern auch teuer, da mitunter für jede Transaktion Ordergebühren anfallen. Dann lieber gleich in einen thesaurierenden ETF investieren.

Was macht ETFs für Anleger so attraktiv?

ETFs bestechen durch ihre einfache Funktionalität, ihre hohe Transparenz und Flexibilität sowie den geringen Kosten. Sie ermöglichen es Anlegern, mit einem Produkt einen kompletten Markt, Branche, Anlageklasse ins Depot zu nehmen und an dessen Wertentwicklung teilzunehmen. Dadurch ist zwar keine Outperformance gegenüber dem Markt möglich, allerdings läuft der Anleger auch nicht Gefahr, schlechter abzuschneiden als der Markt. Das ist ein wichtiger Punkt: Denn wie die Vergangenheit zeigt, schaffen es nur die wenigsten aktiven Fondsmanager, den Markt dauerhaft zu schlagen. Ein weiterer Punkt ist die Transparenz: Der Anleger weiß immer genau, wie sein Geld investiert ist, nämlich in den Aktien des Referenzindex. Bei einem aktiven Fonds hingegen stellt der detaillierte Auswahlprozess für Außenstehende eine Blackbox dar. Ein weiterer Vorteil: Weil ETFs einen Index lediglich nachbilden, spart sich der Anleger die hohen Kosten für das aktive Fondsmanagement.

Durch die Vielzahl an ETFs lassen sich die eigenen Anlageziele sehr individuell abbilden. Investitionen können sowohl lang- als auch kurzfristig erfolgen. Zudem sind viele ETFs auch als Sparplan verfügbar, sodass schon mit kleinen monatlichen Beträgen ein stattliches Vermögen aufgebaut werden kann.

Überblick: Was ETFs auszeichnet

  1. vorteilhafte Kostenstruktur
  2. breiter Marktzugang
  3. hohe Transparenz
  4. hoher Diversifikationsnutzen
  5. individuelles Anlegen 

Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem klassischen Aktienfonds?

Der Hauptunterschied zwischen ETFs und aktiv gemanagten Fonds liegt im Portfoliomanagement. Bei einem aktiv gemanagten Fonds entscheidet in der Regel ein Team von Experten nach Analyse der Märkte und der Unternehmen über die Auswahl der Einzeltitel und die Zusammenstellung des Fonds. Dieses auch als Stock-Picking bezeichnete Auswahlverfahren ist mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden, der in Form der Managementgebühr und gegebenenfalls einer Performancegebühr an den Anleger weitergegeben wird. Bei einem passiv gemanagten Indexfonds (ETFs) findet dieser aufwendige Auswahlprozess nicht statt. Stattdessen sollen ETFs die Wertentwicklung des Referenzindex möglichst exakt wiedergeben. Das Fondsvermögen wird nur dann umgeschichtet, wenn sich die Zusammensetzung im Referenzindex ändert, also ein Unternehmen den Index verlässt und ein anderes aufrückt, oder wenn sich die Gewichte innerhalb des Index verschieben. Für eine ETF-Gesellschaft ist es also nicht notwendig, aktive Anlagestrategien zu verfolgen oder ein aufwendiges Research zu betreiben. Damit sind bei passiv gemanagten Fonds, die Verwaltungsgebühren meist deutlich geringer als bei aktiv gemanagten Fonds.

ETF oder Fonds - was ist besser?

Studien zeigen immer wieder, dass es nur wenigen aktiven Fondsmanagern gelingt, dauerhaft besser abzuschneiden als der Vergleichsmarkt (Benchmark). Denn erstens haben Sie mit höheren Kosten zu kämpfen und zweitens bremsen falsche oder ineffiziente Anlageentscheidungen immer wieder die Wertentwicklung. ETFs bilden dagegen eins zu eins einen Index ab. Das verhindert zwar eine Outperformance, schließt aber auch eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung aus. Allerdings kosten auch passive Investments Geld, wenngleich deutlich weniger als bei aktivem Management. Die renommierte Fondsratinggesellschaft Morningstar hat untersucht, was sich in Vergangenheit für Anleger nach Kosten mehr ausgezahlt hat: aktives oder passives Management. Das Ergebnis: Von allen untersuchten aktiv gemanagten Aktienfonds schnitt in den vergangenen zehn Jahren nur jeder Fünfte (20 Prozent) besser ab als die Vergleichsgruppe der Indexfonds (Quelle: morningstar.de, Active-Passiv-Barometer). Damit geht der Punkt "Performance" klar an die ETFs.

Aber: In Phasen starker Kursturbulenzen ist es aktiv gemanagten Fonds in der Regel möglich, ihre Aktienbestände zu reduzieren und das frei gesetzte Geld in sicheren Barmittel bzw. Anleihen anzulegen. Das reduziert in turbulenten Börsenzeiten das Verlustrisiko. Über eine solche flexible Risikosteuerung verfügen ETFs für gewöhnlich nicht.

Geld in Aktien anlegen. Warum ETFs die erste Wahl sein sollten

Wer Geld in Aktien investieren möchte, steht grundsätzlich vor der Frage: Übernehme ich die Zusammenstellung des Portfolios auf eigene Faust oder investiere ich kompakt per Fonds oder ETF in den Markt. Was die erste Vorgehensweise betrifft - das hat die Börsenpsychologie gezeigt -, überschätzen sich viel Anleger häufig selbst. Oftmals wird aus dem Bauchgefühl oder aus dem Hörensagen heraus entschieden, welche Titel über Kurspotenzial verfügen und somit als Kaufkandidat infrage kommen. Solche Depots weisen dann häufig eklatante Risiken auf, zum Beispiel weil sich die Zusammensetzung auf wenige Werte beschränkt und damit neben dem allgemeinen Marktrisiko auch noch unverhältnismäßig hohe titelspezifische Risiken eingegangen werden. Ein Aktiendepot mit lediglich zwei oder drei Positionen ist weitaus gefährlicher als ein breit gefächertes Portfolio. Will man das Portfolio breiter aufstellen, besteht das Problem wiederum darin, dass für jede einzelne Transaktion Ordergebühren gezahlt werden müssen. Angenommen ein Anleger hat 10.000 Euro zur freien Verfügung, die er in zehn Aktien seiner Wahl investieren will. Fällt dabei für jede Transaktion eine Ordergebühr von pauschal 10 Euro an, würde allein dieser Kostenblick schon mit 100 Euro zu Buche schlagen. Kurzum: Ein Aktiendepot in Eigenregie zu erstellen ist zeitintensiv, riskant und teuer und bedarf einer gewissen Erfahrung. Wer sich Zeit, Geld und mitunter auch Ärger beim Aktienkauf ersparen will, greift zu Aktienfonds oder Aktien-ETFs. Mit einer Transaktion erhält der Anleger auf diese Weise ein komplettes und in der Regel auch ausreichend diversifiziertes Portfolio geliefert. Der Unterschied: Bei einem aktiv gemanagten Aktienfonds kann letztendlich niemand mit Gewissheit sagen, wie erfolgreich das Fondsmanagement am Markt agiert. Die Performanceunterschiede von klassischen Aktienfonds sind selbst bei gleichen Anlageschwerpunkten mitunter frappierend. So lag die Performancedifferenz zwischen den besten und schlechtesten globalen Aktienfonds im vergangenen Jahr (2019) bei mehr als 15 Prozentpunkten. Die Unsicherheit hinsichtlich der Managementleistung ist der eine Punkt. Der andere sind die Vergleichsweise hohen Verwaltungskosten von aktiv gemanagten Fonds.  

Bei ETFs hat der Anleger dagegen die Gewissheit, die Performance des Markts abzüglich der relativ niedrigen Verwaltungskosten geliefert zu bekommen. Wer also ohne großen Zeitaufwand, gut diversifiziert und preisewert in Aktien investieren will, sollte in erster Linie auf Indexfonds setzen. So sieht es auch die Stiftung Warentest. Sie rät Anlegern zu ETFs auf den Weltleitindex MSCI World. Diese globale Aktienbarometer enthält mehr als 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern. Anleger holen sich also mit nur einer Order ein komplettes Weltportfolio ins Depot - und das im Vergleich zu klassischen Aktienfonds unschlagbar günstigen Kosten.

Ich möchte Geld ansparen. Ist das mit ETFs möglich?

ETF-Sparpläne sind eine der besten und günstigsten Möglichkeiten, in kleinen Schritten ein Vermögen aufzubauen. Ein ETF-Sparplan funktioniert im Prinzip wie ein Banksparplan oder ein klassischer Fondssparplan. Der Anleger erwirbt regelmäßig (in der Regel monatlich) für einen bestimmten Betrag Anteile von einem ETF seiner Wahl (zum Beispiel iShares MSCI World Index ETF). Dabei entscheidet er selbst über Höhe, Rhythmus und Zeitraum der Einzahlungen. Anpassungen sind für gewöhnlich jederzeit möglich. Ist das Geld gerade mal knapp, können die Sparraten ausgesetzt oder nach unten angepasst werden. Stehen mehr Mittel zur Verfügung, einfach die Rate erhöhen. ETF-Sparpläne werden von Banken und Broker schon mit sehr geringen Mindestsparraten ab 25 Euro angeboten.

Was kostet ein ETF-Sparplan?

Neben den Kosten für den ETF selbst (Verwaltungskosten) fallen einen ETF-Sparplan für gewöhnlich noch Ordergebühren und ein Börsenentgelt an. Tipp: Auf bestimmte ETFs von ausgewählten Partnern bieten viele Online-Banken und ETF-Broker stark vergünstigten Konditionen für Sparpläne an, etwa in Form von sehr geringen oder gar keinen Ordergebühren. Mit dem ETF-Sparplan-Vergleich von Onvista finden Sie günstige Angebote.

ETF-Sparplan: Wie Sie schon mit kleinen Beträgen ein Vermögen aufbauen

Aktien mögen kurzfristig zwar schwanken, langfristig haben sie in Vergangenheit aber weitaus höhere Erträge abgeworfen als festverzinsliche Anlagen. Der MSCI World Index zum Beispiel legte in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt um 7,5 Prozent pro Jahr zu. Angenommen, Sie haben die Möglichkeit monatlich 50 Euro für Sparzwecke beiseite zu legen. Nach Prüfung der Angeboten entscheiden Sie sich für einen ETF-Sparplan auf den MSCI World Index (thesaurierend). Unterstellt, der MSCI World Index ETF gewinnt nach Abzug aller Kosten durchschnittlich um 4,0 % Prozent pro Jahr(inklusive Wiederanlage hinzu. Dann hätten Sie nach 20 Jahren ein Vermögen knapp 17.000 Euro aufgebaut. Das zeigt, selbst mit kleinen Beträgen lässt sich über einen ETF-Sparplan langfristig ein stattliches Vermögen ansammeln.

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Wenn Sie sich für einen ETF-Sparplan entscheiden, sollten Sie folgende Ratschläge beherzigen:

  1. Investieren Sie in einen marktbreiten, gut diversifizierten Index, wie zum Beispiel den Weltleitindex MSCI World.
  2. Prüfen Sie, ob Ihre Bank oder Ihr Broker, ETF-Sparpläne auf den Zielindex mit vergünstigen Ordergebühren anbietet. Im Idealfall wird auf Ordergebühren ganz verzichtet.
  3. Bevorzugen Sie für Ihren Sparplan thesaurierende ETFs, bei denen die Dividenden wiederangelegt werden. Damit profitieren Sie vom Zinseszinseffekt. Eine manuelle Wiederanlage von Ausschüttungen ist zwar theoretisch möglich, in der Praxis aber sehr umständlich und mitunter mit Kosten verbunden.
  4. Bietet Ihre Bank bzw. Ihr Broker mehrere ETFs auf den Zielindex zu vergünstigten Orderkonditionen an, wählen Sie den Indexfonds mit den geringsten Verwaltungsgebühre aus.

Was ist besser: Einmalanlage oder ETF-Sparplan?

Was für die Geldanlage in ETFs sinnvoller sein kann, Einmalanlage oder ETF-Sparplan, hängt in erster Linie von Ihren finanziellen Möglichkeiten ab. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle. In der folgenden Tabelle finden Sie einige Punkte, die bei der Frage "Einmalanlage oder Sparplan?" von Bedeutung sein können.

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Natürlich können Sie die beiden Varianten ETF-Sparplan und Einmalanlage auch kombinieren.

Ist mein Geld in einem ETF sicher angelegt?

Das in einem ETF investierte Geld stellt Sondervermögen dar, das im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft geschützt ist. Sie müssen sich also im Pleitefall des ETF-Anbieters keine Sorgen machen. Die Fondsanteile fallen nicht unter die Konkursmasse, sondern die im ETF-Portfolio enthaltenden Wertpapiere gehören weiter Ihnen. In puncto Sicherheit haben ETFS also einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber Index-Zertifikaten. Bei diesen Produkten handelt es sich lediglich um Schuldverschreibungen des Emittenten. Im Insolvenzfall des Emittenten, also bei Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit, müssen Sie bei Zertifikaten mit dem Totalverlust des eingesetzten Kapitals rechnen (Emittentenrisiko).

Ein Emittentenrisiko besteht bei ETFs zwar nicht, doch wie bei jeder Aktienanlage tragen Sie ein gewisses Marktrisiko. Darunter versteht man, dass Aktien beziehungsweise Aktienindizes im Zeitverlauf infolge von verschiedenen Einflüssen - wie zum Beispiel der Konjunkturentwicklung - schwanken, also auch an Wert verlieren können. Dabei gilt: Je volatiler der Referenzindex, umso riskanter der ETF.

Welche Anlagestrategien lassen sich mit ETFs umsetzen?

Aufgrund ihrer günstigen Kostenstruktur, der Fülle an Referenzindizes sowie der guten Handelbarkeit lassen sich mit ETFs eine Vielzahl an Investmentstrategien umsetzen. Hier einige der wichtigsten Anlagestrategien für Privatanleger:

Benchmarking: Um die Performance des Portfolios in Einklang mit dem Markt zu bringen, mussten Anleger in früheren Zeiten in zahlreiche Einzelaktien investieren. Das ist zeitaufwendig und teuer. Mit einem ETF lässt sich die Performance eines bestimmten Marktes (Referenzindex) mit nur einer Transaktion abbilden.

Diversifizierung des Portfolios: Ein klassisches Einsatzgebiet für ETFs ergibt sich aus der modernen Portfoliotheorie. Demnach weist ein gut diversifiziertes Portfolio ein deutlich geringeres Schwankungsrisiko auf als ein Portfolio, das sich nur aus einem oder wenigen Wertpapieren zusammensetzt. Voraussetzung dafür ist, dass die Wertpapiere nicht oder nur bedingt miteinander korrelieren. Sie dürfen sich also nicht zu sehr in die gleiche Richtung bewegen. Ist diese Anforderung erfüllt, sinkt das Gesamtrisiko, ohne dass die Ertragschancen darunter leiden müssen. Portfoliooptimierung wird das genannt. Dazu können ETFs einen wichtigen Beitrag leisten. Zum einen, weil sie als Indexanlagen schon in sich diversifiziert sind. Zum anderen, weil sich die Risikostreuung durch die Hinzunahme weiterer ETFs noch erweitern lässt. Dazu ein einfaches Beispiel. Durch die Kombination eines Aktien-ETFs mit einem Renten-ETF entsteht im Nu ein gemischtes Aktien-Anleihen-Portfolio.

Core-Satellite-Strategie: Bei einer Core-Satellite-Strategie besteht das Portfolio aus einem strategischen Kern von Basisinvestments (Core), die einen gewissen Zusatzertrag bringen sollen (Satelliten). Bei einem ausgewogenen Portfolio kann der Kern zum Beispiel aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Staatsanleihen bestehen. Die Satelliten können Branchen oder Anlageklassen sein, denen kurz- bis mittelfristig gutes Renditepotenzial eingeräumt wird, zum Beispiel Internetaktien oder Gold. Da der Kern langfristig ausgerichtet ist, kann er idealerweise mit ETFs bestückt werden. Im obigen Beispiel könnten dies etwa ein ETF auf den Weltaktienindex MSCI World sowie ein ETF auf einen Staatsanleihen-Index wie den REX sein. Aufgrund der riesigen Auswahl an Referenzindizes und der guten Handelbarkeit, lassen sich aber auch bestimmte Satelliten einfach und bequem über ETFs abbilden. 

Trading: Die Kapitalmärkte sind ständig in Bewegung. Jeden Tag können sich neue Chancen auftun. Trader versuchen diese Chancen kurzfristig zu nutzen. Dafür sind sie bereit erhöhte Risiken einzugehen. Aufgrund der geringen Spreads können ETFs als Trading-Instrument eingesetzt werden. Wer zum Beispiel kurzfristig auf einen steigenden DAX setzen will, muss dazu keine intransparenten Hebelprodukte wie Optionsscheine erwerben. Ein DAX-ETF tut es mitunter auch. Für sehr risikofreudige Anleger gibt es mittlerweile auch ETFs (Leverage ETFs oder Faktor ETFs), die mit einem Hebel (Long/Short) ausgestattet sind. Steigt der DAX zum Beispiel um 2 Prozent, legt ein Hebel-Long-ETF auf dem DAX mit Faktor 3 um 6 Prozent zu. Weil es aber auch in die umgekehrte Richtung gehen kann, sind solche ETFs nur für sehr erfahrene und risikofreudige Anleger geeignet. 

Was sind Dividenden-ETFs?

Dividenden tragen bekanntlich zu einem bedeutenden Teil zur Gesamtrendite von Aktien bei. Außerdem helfen sie das Depot in unruhigen Zeiten zu stabilisieren. Einem Dividenden-ETF liegt für gewöhnlich ein Aktienindex als Referenzindex zugrunde, der sich aus den dividendenstärksten Titeln eines Marktes, Region oder Landes zusammensetzt. Beispiele hierfür sind der DivDAX oder der STOXX Global Select Dividend Index. Die Dividendenzahlungen der Indexmitglieder können dem ETF-Anleger dabei auf zwei verschiedene Arten zugutekommen. Zum einen durch automatische Reinvestition der Dividenden in den ETF (thesaurierender ETF). Oder durch eine regelmäßige Auszahlung der angesammelten Dividenden an den ETF-Inhaber (ausschüttender ETF).

Was Sie über die Besteuerung von ETFs wissen sollten

Die Versteuerung von Erträgen aus Fonds und ETFs war früher mit bis zu 33 Ertragsarten ein sehr komplexes Thema. Seit 1. Januar 2018 gilt das neue Investmentsteuergesetz, das die Besteuerung von ETFs vereinfacht hat. Egal, ob inländischer oder ausländischer Fonds, ob thesaurierend oder ausschüttend, das Investmentsteuerreformgesetz wendet für alle Fonds die gleiche Systematik an – nämlich in Form einer jährlichen Pauschale. Von dieser wird die Abgeltungssteuer berechnet und von der Depotbank automatisch vom Referenzkonto abgeführt.

Gilt der Sparerpauschbetrag auch für ETFs?

Ja. Demnach sind Kapitalerträge in Höhe des Sparerpauschbetrages von 801 Euro pro Person und Jahr steuerfrei. Bei Verheirateten erhöht sich der Betrag auf 1.602 Euro pro Jahr. Um vom Sparerpauschbetrag zu profitieren, muss der Bank beziehungsweise der Depotbank ein Freistellungsauftrag erteilt werden. Im Freistellungsauftrag kann der Anleger die Höhe des steuerlich freizustellenden Ertrags bis zum gesetzlichen Maximum (801 bzw. 1.602 Euro) selbst bestimmen. Tipp: Werden mehrere Konten beziehungsweise Depots geführt, empfiehlt sich der Übersichtlichkeit halber, in einer Tabelle zu vermerken, bei welcher Bank in welcher Höhe ein Freistellungsauftrag erteilt wurde.

Was ist die Besteuerung von ETFs konkret geregelt?

Als Berechnungsgrundlage für die Abgeltungssteuer (25 Prozent zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag plus gegebenenfalls Kirchensteuer) dient die sogenannte Vorabpauschale. Die Vorabpauschale orientiert sich, vereinfacht ausgedrückt, am Wert des ETFs und einem Basiszins.

Vorabpauschale bei thesaurierenden Aktien-ETFs

Um die Vorabpauschale zu bestimmen, berechnet der Fondsanbieter den sogenannten Basisertrag. Er ergibt sich bei Aktien-ETFs aus dem Wert der ETF-Anteile zu Beginn des Steuerjahres multipliziert mit dem Teilfreistellungsfaktor von 0,7 (bei Aktien-ETFs) multipliziert mit dem Basiszins. Der Basiszins ist ein Referenzzins für risikolose Anlagen, der von der Bundesbank immer zu Jahresbeginn festgestellt wird. Für das das Jahr 2019 lag der Basiszins bei 0,52 Prozent, für 2020 wurde er auf 0,07 Prozent herabgesetzt. Vereinfachtes Beispiel für die Berechnung der Vorabpauschale 2019 bei thesaurierenden Aktien-ETFs 

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Vorabpauschale bei ausschüttenden Aktien-ETFs

Bei einem ausschüttenden Aktien-ETF unterliegen Ausschüttungen (Dividenden) zum Zahlungszeitpunkt der Abgeltungssteuer. Sie werden daher auf die Vorabpauschale angerechnet (abgezogen). Sollten die Dividendenausschüttungen größer sein als die Vorabpauschale, wird nur die Dividende besteuert.

Was passiert steuerlich bei einem Verkauf der ETF-Anteile?

Bei einem Verkauf mit Gewinn können alle Vorabpauschalen, die während der Haltedauer des ETFs angesetzt wurden, auf den Verkaufserlös in voller Höhe abgezogen werden. Diese bereits besteuerten Ertragsteile müssen vom Anleger somit kein zweites Mal besteuert werden. Vom verbleibenden Veräußerungsgewinn sind dann bei Aktien-ETFs 30 Prozent steuerfrei.

Welche Märkte können mit ETFs abgebildet werden und wie viele ETFs gibt es?

Die Auswahl kennt fast keine Grenzen. Der zugrundeliegende Index eines ETFs kann sich beziehen auf:

  1. Ein bestimmtes Land oder eine Region (z. B. Deutschland, Eurozone)
  2. Eine bestimmte Branche (z.B. Automobil oder Software)
  3. Eine bestimmte Anlageklasse (z. B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien oder Gold)
  4. Eine bestimmte Strategie (z. B. Value oder Growth)
  5. Auf ein bestimmtes Thema (z. B. Nachhaltigkeit, Dividenden) 
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Wer sind die größten ETF-Anbieter in Deutschland?

Der Markt für ETFs ist über die Jahre stark gewachsen. Immer mehr ETF-Anbieter konkurrieren um die Gelder der Kunden. Dieser Wettbewerb führte in den vergangenen Jahren – ganz im Sinne der Verbraucher – zu mehr Auswahl und niedrigeren Kosten. Derzeit sind in Deutschland rund 1.800 ETFs handelbar, wovon sich die meisten (rund 1.050 Stück) auf Aktienindizes beziehen. Weltweit waren Ende 2019 sogar mehr als 6.900 ETFs von rund 400 Anbietern auf dem Markt (Quelle: ETFGI).

Zu den wichtigsten Anbietern in Deutschland zählen:

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Was sind die besten ETFs? 10 Punkte, die Sie bei der Auswahl im Blick haben sollten

  1.  Was ist mein Anlageziel? Zum Beispiel Aktien Eurozone
  2. Welche ETFs gibt es auf mein Anlageziel? Zum Beispiel EURO STOXX 50 ETF
  3. Welcher Anbieter gibt es zu meinem Wunsch-ETF? Zum Beispiel iShares oder Xtracker. 
  4. Wie hoch ist die Qualität des Indextracking? Gemessen unter anderem am Tracking Error und an der Abbildungsmethode.  
  5. Hat der ETF eine ausreichende Größe? Gemessen am investierten Anlagevolumen (Assets under Management, kurz: AuM). 
  6. Welchen Track Record hat der ETF? Wie lange gibt es den ETF und wie hat er in der Vergangenheit abgeschnitten? 
  7. Was passiert mit den Dividenden? Werden Erträge ausgeschüttet oder wiederangelegt (thesaurierend)? 
  8.  Welche Kosten fallen für den ETF an? Gemessen an den Verwaltungsgebühren bzw. an der Gesamtkostenquote (TER).
  9. Bietet meine Depotbank Sonderkonditionen für den Handel mit ETFs an? Zum Beispiel vergünstigte Ordergebühren.
  10. Ist der ETF reguliert? Zum Beispiel nach dem EU-Standard UCITS?

Sonstige Fragen und Antworten rum um ETFs

Gibt es ETFs, auf denen ich Geld parken kann?

Eine solche Möglichkeit bieten Geldmarkt-ETFs. Als Referenzindizes für Geldmarkt-ETFs fungieren für den Euroraum insbesondere EONIA-Indizes. Diese bilden eine täglich rollierende Einlage zum EONIA-Satz ab. Das heißt: Dem Index wird auf täglicher Basis der anteilige Zins hinzugerechnet, während die Verwaltungsgebühren des ETFs abgezogen werden. Beim EONIA (Euro Over Night Index Average) handelt es sich um einen von der Europäischen Zentralbank festgestellten effektiven Tagesgeldsatz, der als gewichteter Durchschnitt aller unbesicherten Tagesgeldausleihungen im Interbankenmarkt berechnet wird. Empfehlenswert sind solche Geldmarkt-ETFs für Privatanleger im aktuellen Zinsumfeld allerdings nicht. Aktuell liegt der EONIA-Tagesgeldsatz bei minus 0,45 Prozent (März 2020). Das heißt, beim ETF erfolgt keine Zinsgutschrift, sondern ein Zinsabzug. Dann das Geld lieber auf einem kostenlosen Tagesgeldkonto bei einer Bank oder Online-Bank parken.

Was Sie beim Spread beachten sollten

ETFs werden an der Börse gehandelt. Dabei kümmert sich nicht der ETF-Anbieter, sondern ein oder mehrere sogenannte Market Maker (Designated Sponsor) um den Handel mit den ETF-Anteilen. Der Market Maker sorgt für ausreichend Liquidität und stellt fortlaufend verbindliche An- und Verkaufskurse (Geld- und Briefkurse). Als Lohn dafür behält er den Spread, also die Differenz aus Ankaufs- und Verkaufspreis, ein. Bei den meisten ETFs ist der Spread sehr gering, was den An- und Verkauf von ETFs sehr preiswert macht. Als Faustregel gilt: Je höher das Vermögen des ETF ist, umso enger liegen An- und Verkaufskurse beieinander. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei ETFs mit mehr als einer Milliarde Euro Anlagevolumen die Spreads in der Regel unter 0,25 Prozent des Ordervolumens liegen. Bei ETFs mit weniger als 100 Millionen Euro Assets under Management können aber auch deutlich höhere Spreads bis zu 0,5 Prozent und mehr zu Buche schlagen. 

Ein weiterer Einflussfaktor für den Spread liegt in der Liquidität der im Index enthaltenen Wertpapiere. Je weniger liquide diese sind, desto größer das Transaktionsrisiko für den Market Maker, umso weiter der Spread. Bei europäischen Standardaktien ist er in der Regel deutlich enger, als wenn es um einen Schwellenmarkt-ETF geht. Bei ETFs auf liquide Aktienindizes wie den DAX oder den EURO STOXX 50 liegt der Spread durchschnittlich zwischen 0,05 und 0,10 Prozent. Als Faustregel gilt: Je liquider der Index, desto niedriger der Spread. Allerdings kann ein volatiler Handel kann dazu führen, dass sich die Geld-Brief-Spanne ausweitet. Weitere Einflussfaktoren sind das Handelsvolumen, die Orderbuchtiefe und der Börsenplatzt. Bei exotischen Anlageklassen kann er auch ein Prozent erreichen.

Was bedeutet die Abkürzung UCITS in vielen ETFs?

Bei vielen ETFs taucht im Namen die Bezeichnung „UCITS” auf. Die Abkürzung steht für “Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities”. Der Hintergrund: In der EU müssen sich Fonds an gewisse Regeln, den UCITS-Richtlinien, halten. Sie dienen speziell dem Schutz von Privatanlegern. So wird zum Beispiel über die UCITS-Vorgaben definiert, in welche Vermögensgegenstände und Finanzinstrumente eine Fondsgesellschaft investieren darf. Eine Regulierung der UCITS-Fonds erfolgt in der EU über die jeweilige nationale Aufsichtsbehörde, in Deutschland also die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht).

Gibt es eine Mindeststückzahl für den Handel mit ETFs?

Die kleinste handelbare Einheit ist ein Anteil. Der Anleger kann diesen oder ein Vielfaches davon über die Börse handeln. Eine Ausnahme stellen EFT-Sparpläne dar. Darüber können auch Bruchteile eines ETFs erworben werden.

Wer sichert den liquiden Handel der ETFs?

Diese Aufgabe nehmen die sogenannten Market Maker (auch Designated Sponsors) war. Die Market-Maker sorgen fortlaufend dafür, dass ein großes Volumen auf der Geld- und Briefseite an den Börsen zur Verfügung steht und damit ein äußerst liquider Handel stattfinden kann. Die Börsen stellen an die Designated Sponsors hohe Anforderungen bezüglich der Qualität der von ihnen gestellten Kurse. Es gibt genaue Vorschriften über maximale Spreads, minimales Quotierungsvolumen und Reaktionszeit. Dadurch wird eine kontinuierliche Präsenz und Erreichbarkeit des Designated Sponsors sichergestellt.

Wie entstehen ETF-Anteile?

Die Ausgabe von ETF-Anteilen unterscheidet sich von der Ausgabe von Aktien. Bei Aktien ist es üblich, dass ein Unternehmen im Rahmen seines Börsengangs eine bestimmte Anzahl an Aktien ausgibt, die dann an der Börse, also auf dem Sekundärmarkt, gehandelt werden. ETF-Anteile werden in einem sogenannten Creation-Redemption-Prozess ausgegeben bzw. auch wieder zurückgenommen. ETF-Anteile können von autorisierten Teilnehmern wie institutionellen Handelsabteilungen oder anderen zugelassenen Market Makern auf dem Primärmarkt gezeichnet werden.

Der Creation-Redemption-Prozess findet auf dem Primärmarkt statt. Auf dem Primärmarkt dürfen autorisierte Teilnehmer ohne bedeutsame Auswirkungen auf dem zugrunde liegenden Markt Wertpapier- oder Cash-Körbe gegen ETF-Anteile tauschen (und wieder zurücktauschen). Ein autorisierter Teilnehmer ist ein Broker, der berechtigt ist, mit dem ETF-Anbieter direkt Anteile zu zeichnen und zurückzunehmen. Steigt die Nachfrage nach einem ETF, werden neue Anteile kreiert. Dieser Prozess funktioniert auch umgekehrt bei einem Nachfragerückgang. Damit wird gewährleistet, dass der Fonds nur die Kurse der Wertpapiere in seinem Besitz repräsentiert.