Kutzers Zwischenruf: Good News für Anleger – Kein Anlass zur Besorgnis

Hermann Kutzer · Uhr
Artikel teilen:

Warum berichten Medien fast immer über Negatives? Ist die Welt wirklich so schlecht? Entscheiden Sie selbst, liebe Leser. Es ist keine neue Beobachtung, dass Bad News in der Öffentlichkeit stärkere Beachtung finden als Erfreuliches. Momentan kommt vieles mit negativem Vorzeichen zusammen, nicht nur bei uns: Coronavirus-Pandemie, Rezessionsängste, Populismus, Hochspannung und kriegerische Auseinandersetzungen in Nahost, Flüchtlingskatastrophe, das politische Europa in einem maroden Zustand, rechtsradikale Tendenzen und eine schwache Regierung bei uns. Unsere Demokratie ist in Gefahr.

Geradezu inflationär wird deshalb überall die Losung „Keine Panik!“ ausgegeben, vor allem von Politikern. Das Ziel ist ehrenwert, wird aber meist verfehlt. Wissenschaftler behaupten sogar, dass bei vielen Menschen genau das Gegenteil erreicht wird: Wenn von politisch Verantwortlichen „Keine Panik“ ausgegeben wird, glauben die Bürger erst recht, dass es durchaus Grund zu Panik gibt. Außerdem signalisiert diese Floskel häufig Hilflosigkeit und eigene Verunsicherung. Als bessere Alternative gilt sachliche und umfassende Information, damit auch in der Krise Ruhe und Gelassenheit bewahrt wird.

Das ist freilich leichter gesagt als getan. Börsianer wissen das nur zu gut. Denn gerade die Anleger und Akteure der Finanzmärkte gehören zwar berufstypisch zu den Optimisten, die Good News bevorzugen. Doch stehen sie tagtäglich vor der Herausforderung, wichtige – und richtige! – Informationen von Meinungen und Prognosen zu unterscheiden. Außerdem müssen laufend (und möglichst schnell) neue Entwicklungen als positiv oder negativ eingeordnet werden, oft auch mit einer zeitlichen Komponente (längerfristiges Beispiel: Die Aussichten von Donald Trump für eine Wiederwahl).

Humoristen haben die Probleme mit guten und schlechten, richtigen und falschen Informationen schon vor langer Zeit aufgespießt. So sagte Rudi Carrell einmal: „Nachrichtensprecher fangen stets mit ‚Guten Abend‘ an und brauchen dann 15 Minuten, um zu erklären, dass es kein guter Abend ist.“ Mein viele Jahre zurückliegender Versuch, ein Medium zu entwickeln, dass ausschließlich (!) gute Nachrichten sammelt und verbreitet, ist mangels Unterstützung durch geeignete Partner leider gescheitert (ich finde diese Idee immer noch reizvoll!). Folgendes ist zwar nur eine Meinung und keine gesicherte, dennoch richtige Information, wenn ich langfristigen Aktienanlegern mit voller Überzeugung zurufe, was Ephraim Kishon in einer seiner genialen Familiensatiren („Karriere beim Fernsehen“) thematisiert hat: „Kein Anlass zur Besorgnis.“

Das könnte dich auch interessieren

Plus
Kolumne von Stefan Riße
Eine neue Butterberg-Politik würde Anlagechancen in Europa eröffnengestern, 13:00 Uhr · Acatis
Eine neue Butterberg-Politik würde Anlagechancen in Europa eröffnen
Chemiekonzern
Wagnis in China - BASF investiert Milliarden in neues Werkheute, 04:00 Uhr · dpa-AFX
Wagnis in China - BASF investiert Milliarden in neues Werk
Dax Tagesrückblick 02.01.2026
Dax beginnt neues Börsenjahr mit kleinem Gewinn - Rekord in Reichweite02. Jan. · onvista
Jemand geht vor dem Dax-Logo vorbei.
Börse am Morgen 02.01.2026
Dax legt zu zum Handelsstart - Aixtron gefragt02. Jan. · onvista
Dax ausgeschrieben vor leuchtendem Hintergrund
Premium-Beiträge
Plus
Kolumne von Stefan Riße
Eine neue Butterberg-Politik würde Anlagechancen in Europa eröffnengestern, 13:00 Uhr · Acatis
Plus
Richtige Auswahl ist aber zwingend
Energieaktien werden 2026 interessant - trotz fallender Ölpreise22. Dez. · onvista
Plus
Überflieger und Verlustbringer
Rückblick auf ein turbulentes Jahr: 2025 in sieben Grafiken22. Dez. · onvista