ANALYSE/Pictet: Trotz jüngsten Anstiegs 2024 noch Potenzial in Aktien

dpa-AFX · Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Auch nach einem starken Jahr sollten Anleger im kommenden Jahr weiter auf Aktien setzen. "2024 wird ein gutes Jahr für Investoren", sagte Luca Paolini, Chefstratege von Pictet Asset Management am Mittwoch in Frankfurt im Rahmen eines Kapitalmarktausblicks. In der Gesamtrendite seien auf globaler Ebene fünf Prozent für Aktienanleger drin und damit ähnlich viel wie mit Anleihen.

Nach Einschätzung des Pictet-Experten Paolini sollten Anleger jedoch auf Nummer sicher gehen, indem sie mehr auf defensive Werte als auf konjunkturempfindliche Zykliker setzen. Regional seien europäische Aktien im kommenden Jahr vielversprechender als US-amerikanische. Der Experte hält es für möglich, dass Anleger hierzulande im kommenden Jahr eine etwa zehnprozentige Gesamtrendite erzielen können, die sich neben Kursgewinnen auch aus Dividenden speist.

Für den Dax nennt Paolini ein Jahresziel von 17 500 Punkten - verglichen mit 4700 Punkten für den US-Leitindex S&P 500 . Für den deutschen Leitindex stellt er damit einen weiteren Anstieg um 5,5 Prozent in Aussicht. Der S&P dürfte hingegen nur um drei Prozent zulegen. Anders als beim Dax, der bereits Bestmarken erreicht hat, würde dies für den marktbreiten US-Index Ende 2024 kein Rekordniveau bedeuten. Dieses stammt mit 4818 Punkten aus dem Januar 2022.

Das größere Potenzial europäischer Aktien macht Paolini an den wirtschaftlichen Perspektiven, der attraktiveren Bewertung und dem in Europa gedämpften Stimmungsbild fest. Der Experte erwartet eine deutliche Abkühlung des Wirtschaftswachstums in den USA auf 0,9 Prozent nach 2,4 Prozent im laufenden Jahr. Für die Eurozone stellt er dagegen eine leichte Steigerung des Wirtschaftswachstums auf 0,7 Prozent in Aussicht.

In Übersee seien die Kurse zu stark getrieben vom Trendthema Künstliche Intelligenz und den sogenannten Glorreichen 7, untermauerte Paolini seine These. Damit gemeint sind die großen Tech-Werte Apple , Nvidia , Alphabet , Meta , Amazon , Tesla und Microsoft , die 2023 als entscheidende Triebfedern für die US-Börsen angesehen wurden. Auch das Risiko einer Rezession in den USA sollten Anleger nicht unterschätzen. Dieses sei in den Kursen nicht eingepreist.

Wegweisend sollte 2024 die Geldpolitik bleiben - und die dafür weiter maßgebliche Inflation. Nach Ansicht von Pictet sollte diese weiter sinken, aber immer noch über dem Inflationsziel von zwei Prozent verharren. Laut dem Strategen Frederik Ducrozet von Pictet Wealth Management liegt das schlimmste damit aber hinter uns. Es sei nicht so entscheidend, die letzten Schritte zu gehen. Schließlich müssten neben den Inflationszahlen auch die Konjunkturrisiken ins Kalkül gezogen werden.

Der Weg in Richtung Inflationsziel dürfte aber vorerst steinig bleiben: Nach zuletzt zwei Monaten mit unerwartet deutlich abgeschwächter Inflation ist es laut Ducrozet denkbar, dass es zeitnah nochmals negative Überraschungen gibt. Im Verlauf sollte sich die Entwicklung der Inflation aber vorteilhaft auf das Zinsniveau auswirken - und damit auch auf die Aktienkurse. Erste Zinssenkungen in der Eurozone und den USA erwartet er im Juni. Am Markt hieß es zuletzt, diese würden mittlerweile schon im Frühjahr eingepreist.

Pessimistischer blickt Pictet auf die Schwellenländer - laut Paolini wegen geopolitischer Risiken und der Unsicherheit, die in China über das Wachstum und das regulatorische Umfeld herrsche. Unter alternativen Anlagen sei Gold eine gute Wahl und auf Währungsseite favorisiert der Experte den japanischen Yen, weil er in Japan eine relativ robuste Konjunktur erwartet. Den US-Dollar hält er für überbewertet./tih/lfi/jha/

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