Auto-Manager verdienen in Deutschland am meisten - Källenius vorne

Reuters · Uhr
Quelle: (c) Copyright Thomson Reuters 2024. Click For Restrictions - https://agency.reuters.com/en/copyright.html

(Stellt im zweiten Satz klar, Ola Källenius ist gebürtiger Schwede, nicht Finne.)

- von Alexander Hübner

München (Reuters) - Mercedes-Chef Ola Källenius ist mit einer Vergütung von 12,74 Millionen Euro zum Spitzenverdiener unter den Lenkern der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland aufgestiegen.

Der gebürtige Schwede überholte 2023 Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer, der aber mit 10,60 Millionen Euro knapp vor Belen Garijo von Merck (10,53 Millionen) bleibt. Nur das Trio kommt nach einer Analyse der Nachrichtenagentur Reuters auf Basis der Vergütungsberichte der 40 Dax-Unternehmen über die Zehn-Millionen-Marke. Sowohl Källenius als auch Weimer profitierten vor allem davon, dass sie im vergangenen Jahr Langfrist-Boni aus früheren Jahren ausgezahlt bekamen.

Denn die Fixgehälter machen bei den Vorständen in der Regel nur einen Bruchteil der Vergütung aus. Der Löwenanteil entfällt auf Boni für die Leistung des abgelaufenen Jahres und auf Boni, die einen Zeitraum von drei bis vier Jahren umfassen. Die Zahlen beziehen sich auf die "gewährte und geschuldete Vergütung" inklusive der Altersvorsorge-Beiträge, die die Firmen für ihre Chefs zahlen. Wo die Vergütungsberichte von der üblichen Darstellung abweichen, sind die Beträge vergleichbar gerechnet.

Unter den sechs Top-Verdienern finden sich alle drei Vorstandschefs aus der Autoindustrie, die in den Corona-Jahren prächtig verdient hatten, da sie wegen der Teile-Knappheit kaum Rabatte geben mussten. Das schlägt sich nun in den Gehältern von Källenius, VW- und Porsche-Chef Oliver Blume und BMW-Chef Oliver Zipse nieder, bei denen nun die entsprechenden Mehrjahres-Boni fällig wurden. Stifel-Analyst Daniel Schwarz ist aufgefallen, dass die Konzerne besonders bei den Kennzahlen gut abschneiden, nach denen sich die Jahresboni ihrer Vorstandsmitglieder richten - bei BMW nach der Zahl der Elektroautos, bei Mercedes nach dem Cash-flow und bei Volkswagen nach der absoluten Höhe des Gewinns. "Manager tun, wofür sie bezahlt werden", zieht Schwarz als Fazit.

"Heimlicher" Spitzenreiter der Rangliste ist aber der neuen Adidas-Chef Björn Gulden. Er liegt mit einer Vergütung von 9,18 Millionen Euro zwar nur auf Platz fünf. Der Norweger erhielt aber nach dem Wechsel vom kleineren Sportartikelhersteller Puma als eine Art Antrittsprämie zusätzlich fast 11.900 Adidas-Aktien, für die sein neuere Arbeitgeber inklusive Steuern 3,88 Millionen Euro aufwenden musste. Und die Papiere sind seit dem Kauf im Juni 2023 kräftig gestiegen. In seinem letzten Jahr bei Puma hatte der Norweger 6,38 Millionen Euro verdient.

Auch damit wäre er im vergangenen Jahr unter den Top-20 der Dax-Vorstandschefs gelandet. Genau die Hälfte der 40 Vorstandschefs kam auf eine Vergütung von sechs Millionen Euro oder mehr - 2022 waren es erst 14. 28 Vorstandschefs erhielten 2023 gleich viel oder mehr als ein Jahr zuvor, nur zwölf mussten Abstriche machen. Den größten Gehaltssprung machte Daimler-Truck-Chef Martin Daum, der seine Vergütung dank hoher Jahresboni und einer fälligen Langfristbonus-Tranche auf 6,92 Millionen Euro mehr als verdoppelte.

ABFINDUNGEN OFT GRÖSSER ALS CHEF-GEHÄLTER

Wie die Analyse außerdem zeigt, kommen Wechsel an der Spitze die Unternehmen am teuersten zu stehen. Dank Abfindungen - oder der Auszahlung der Gehälter für die restliche Vertragslaufzeit - übertreffen die Zahlungen an die Ex-Manager oft die Saläre ihrer Nachfolger. Für Herbert Diess, der im Sommer 2022 als VW-Chef zurückgetreten war, standen 2023 noch 12,81 Millionen Euro zu Buche - fast eine Million mehr als in seinem letzten aktiven Jahr und gut drei Millionen mehr als für Blume. Auch der neue Bayer-Vorstandschef Bill Anderson kam trotz einer Antrittsprämie von 3,8 Millionen Euro auf weniger Geld als sein Vorgänger Werner Baumann.

Für hohe Abfindungen muss man nicht einmal Vorstandschef gewesen sein. Saori Dubourg, die im Kampf um die Nachfolge von BASF-Chef Martin Brudermüller unterlag, bekam bei ihrem Abgang von dem Chemieriesen 7,5 Millionen Euro Abfindung und verdiente damit 2023 gut drei Millionen Euro mehr als ihr Ex-Chef. Der ausgeschiedene SAP-Finanzchef Luka Mucic erhielt sogar 9,6 Millionen Euro Abfindung, SAP-Chef Christian Klein kam demgegenüber auf eine Vergütung von 7,16 Millionen. Die größte Summe steht in den Vergütungsberichten hinter dem Namen von Frank Appel. Er wird bei der Deutschen Post mit 38,57 Millionen Euro geführt, nachdem er sich im Mai in den Ruhestand verabschiedet hat. Das rührt daher, dass sich Appel seine Versorgungszusagen auf einmal hat auszahlen lassen.

(Mitarbeit: Christina Amann; Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Neueste exklusive Artikel