Institut - Trotz Bevölkerungswachstum fehlen Arbeitskräfte

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Berlin (Reuters) - Die Bevölkerung in Deutschland wird in den kommenden 20 Jahren durch Zuwanderung noch leicht wachsen, aber weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter haben.

Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in seiner Prognose am Mittwoch. Die Bevölkerungszahl könnte demnach bis 2045 im Vergleich zu 2023 um rund 800.000 auf 85,5 Millionen zulegen. Das Institut geht davon aus, dass die Zuwanderung relativ hoch bleibt und der Netto-Effekt mit jährlich 300.000 ab 2031 über dem langjährigen Durchschnitt liegt. Arbeitsmarktexperten halten aber eine Nettozuwanderung von 400.000 Personen pro Jahr für erforderlich, um das Arbeitskräfteangebot konstant zu halten.

Die Zahl der Menschen im Rentenalter ab 67 Jahren dürfte sich um 2,2 Millionen oder 13,6 Prozent erhöhen. Große regionale Unterschiede gibt es auch bei der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 20 und 67 Jahren. Ihre Zahl nimmt der Prognose zufolge deutschlandweit um zwei Prozent ab. Kreisfreie Städte wie München, Leipzig, Berlin und Potsdam könnten aber ein Plus von mindestens zehn Prozent verzeichnen.

"Zu den Herausforderungen zählen die Fachkräftesicherung, Integration, mehr altersgerechte Wohnungen, Digitalisierung in der Fläche und die Anpassung der sozialen Infrastrukturen", erklärte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD). Großstädte und ihr Umland würden weiter wachsen, so dass die Nachfrage nach Wohnungen dort hoch bleiben werde.

In strukturschwachen Gegenden abseits der Metropolen sinkt die Bevölkerungszahl dagegen wohl weiter. Geywitz ermunterte diese Regionen, mit Hilfen von Bund, Ländern und der EU lebenswerte Orte für Menschen aller Altersgruppen zu erhalten.

INSTITUT: NUR ZUWANDERUNG LÄSST DEUTSCHLAND NOCH WACHSEN

"Die Bevölkerungsprognose zeigt: Deutschlands Bevölkerungszahl wächst weiter - durch Zuwanderung aus dem Ausland", sagte Peter Jakubowski vom BBSR. Es würden weiter viele Menschen aus verschiedensten Gründen aus vielen Teilen der Welt nach Deutschland kommen. "Ohne Zuwanderung aus dem Ausland würde die Bevölkerungszahl Deutschlands im Jahr 2045 bereits deutlich niedriger liegen, weil die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Geburten bei weitem übersteigen wird", so Jakubowski. Alle Jahre von 2021 bis 2045 zusammengerechnet dürften den Annahmen zufolge unterm Strich 9,2 Millionen Menschen zuwandern.

Vor allem durch Zu- und Abwanderung sind Prognosen zur Bevölkerung mit großen Unsicherheiten behaftet. Hohe Zuwanderung wie etwa durch den Bürgerkrieg in Syrien 2015 und den Ukraine-Krieg seit 2022 ist kaum vorherzusagen. Vor drei Jahren hatte das BBSR bis zum Jahr 2040 einen Bevölkerungsrückgang auf 81,9 Millionen vorausgesagt. Allein durch den Ukraine-Krieg kamen seither über eine Million Menschen nach Deutschland.

Ende 2023 lebten in Deutschland laut Statistikamt rund 84,7 Millionen Menschen. Wie in allen Jahren seit der Wiedervereinigung 1990 war die Bilanz der Geburten und Sterbefälle auch 2023 negativ ausgefallen, da erneut mehr Menschen starben als geboren wurden.

(Bericht von Holger Hansen; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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