Edelmetall-Rally: So investiert du in Silber
Edelmetalle setzen die Rally des Vorjahres ungebremst fort. Dabei glänzt vor allem Silber. Wir erklären dir hier, wie du in Silber investieren kannst und worauf du achten solltest.
Maximilian Nagel

Hinweis: Dieser Text erschien erstmals im September 2025. Aufgrund des Preisanstiegs bei Silber haben wir diesen Text für dich umfassend aktualisiert.
Im vergangenen Oktober schnellte der Silberpreis erstmals seit 1980 über die Schwelle von 50 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) - wer hätte damals gedacht, dass dieser Lauf noch in einem solchen Tempo weitergeht. Denn in den drei Monaten seitdem riss der "kleine Bruder" des Goldes eine Marke nach der anderen.
In der Spitze stieg der Preis bis auf 93 Dollar je Feinunze, nochmal gut 86 Prozent über dem Hoch im Oktober. Aktuell kostet eine Feinunze mit 89 Dollar wieder etwas weniger. Auf Sicht von zwölf Monaten hat der Silberpreis damit satte 200 Prozent zugelegt, in Euro gerechnet sind es immerhin noch 165 Prozent. Ein Teil des Anstiegs ist nämlich auch auf den schwachen Dollar zurückzuführen.
Analysten sehen sogar noch Potenzial. Silber könnte im neuen Jahr die Marke von 100 Dollar erreichen, für Gold, welches pro Feinunze aktuell 4.600 Dollar kostet, gibt es ebenfalls Kursziele bis über 5.000 Dollar. Die Nachfrage boomt weiterhin. Bei Bloomberg berichten Edelmetallhändler, dass sie weitere Mitarbeiter aufgrund des hohen Andrangs anstellen müssen.
Wer Silber physisch kauft, muss Steuern zahlen
Willst du auch dabei sein und in Silber investieren, hast du im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Das ganz klassische Investment in Silber wäre der Kauf von Münzen oder Barren, wie bei Gold auch, bei den entsprechenden Fachhändlern, vor Ort oder über das Internet.
Doch hier gibt es gleich mehrere Hürden. Einerseits stellt sich die Frage nach der Verwahrung, wie bei Gold. Nur sind einzelne Silbermünzen weit weniger wert als ihre Pendants in Gold. Bedeutet: Für ein Investment von nur 1.000 Euro brauchst du statt etwa zehn Gramm wie bei Gold schon knapp ein ganzes Kilo Silber. Das kann schnell unhandlich werden.
Weiterer Nachteil von physischem Silber ist die Mehrwertsteuer. Gold ist seit den frühen 1990er-Jahren steuerfrei, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Für Silberbarren (und bestimmte Münzen) wiederum fallen die kompletten 19 Prozent an.
Immerhin: Wie bei physischem Gold musst du beim Verkauf von Silber keine Steuer abführen, solange du es länger als ein Jahr gehalten hast.
Die günstige Alternative: Der Silber-ETC
Dennoch: Aufgrund der Einschränkungen ist es meist simpler, Silber als sogenannten ETC (siehe Info-Box) an der Börse zu kaufen.
Ein ETC ("Exchange Traded Commodity") ist ein börsengehandeltes Wertpapier, das die Wertentwicklung eines Rohstoffs nachverfolgt und meistens auch vom Emittenten physisch hinterlegt ist. Das bedeutet: Für jedes Gramm Silber, das ein Emittent mit dem ETC verbrieft, hält er auch ein Gramm Silber vor. Rechtlich gesehen ist eine Schuldverschreibung. Du hast damit also einen Anspruch gegen den Emittenten des ETCs.
Passende Produkte bieten etwa iShares, WisdomTree und Xtrackers an, die sich vor allem in der Größe des ETCs sowie den jährlichen Kosten ("Total Expense Ratio", "TER") unterscheiden.
Wichtig hierbei: Fondswährung der genannten ETCs ist der Dollar. Du trägst also hier neben einem Emittentenrisiko auch ein Währungsrisiko für das eben hauptsächlich in Dollar gehandelte Silber: Steigt der Dollar gegenüber dem Euro an, winken zusätzliche Gewinne. Geht es – wie zuletzt – mit dem Dollarkurse bergab, schmälert das deine Rendite.
Xtrackers bietet wiederum auch ein währungsgesichertes Produkt an. Hier machst du also genau die Rendite, die Silber in der "Denominierungs-Währung", sprich: Dollar, erzielt. Dieses "Hedging" kostet allerdings. Die jährlichen Gebühren sind mit 0,75 Prozent höher als bei den übrigen ETCs.
Gleichwohl hätte es sich dieses Jahr aufgrund des stark steigenden Euro-Kurses gelohnt: Der gehedgte ETC hat in den vergangenen zwölf Monaten 15 Prozentpunkte mehr Rendite eingefahren als der ohne Währungsabsicherung.
Steuerlich werden Silber-ETCs übrigens genauso behandelt wie alle anderen Wertpapiere, weil es sich im Grunde um eine Kapitalforderung an den Emittenten handelt. Du zahlst also auf Gewinne die Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus den Solidaritätszuschlag von 5,5 der Abgeltungssteuer (1,375 Prozent), in Summe also 26,375 Prozent. Hinzu kommt gegebenenfalls Kirchensteuer.
Steuerlich besser: ETCs mit Möglichkeit der Auslieferung
So erklärt beispielsweise iShares im Wertpapierprospekt, dass Einkünfte aus dem ETC durch den Verkauf wie Kapitaleinkünfte behandelt werden und damit oben genannte Steuern anfallen. Xtrackers verweist darauf, dass es beim Erwerb des währungsgesicherten ETC nicht zu einer physischen Auslieferung von Silber kommt. Die Möglichkeit, sich das Silber im Zweifel liefern zu lassen, spielt aber eine wichtige Rolle bei der Frage, wie ein ETC steuerlich behandelt wird.
Xetra-Gold beispielsweise ist ein ETC der Deutschen Börse für Gold, der zugleich die Option einer (kostenpflichtigen) Auslieferung des Goldes verbrieft. Daher entschied der Bundesfinanzhof (BFH) vor rund zehn Jahren, dass es sich eben nicht um eine Kapitalforderung, sondern um eine Forderung auf eine Sachleistung handle.
Dementsprechend wird hier keine Abgeltungssteuer fällig. Hältst du Xetra-Gold länger als ein Jahr, ist der Verkauf sogar ganz steuerfrei, wie bei physischem Gold eben auch. Diesen Vorteil bieten die Silber-ETCs mehrheitlich nicht.
Einzig WisdomTree hat hier ein entsprechendes Produkt im Angebot. Vor rund einem Jahr legte der Anbieter den Core Physical Silver ETC auf, nach eigenen Angaben der erste Silber-ETC, der auch die Option der Auslieferung bietet - auf Anfrage, und erst ab einem Gewicht von einem Kilogramm.
Nichtsdestotrotz hast du hier den gleichen steuerlichen Vorteil wie bei Xetra-Gold, sofern du den ETC länger als ein Jahr halten willst. Mit einer Kostenquote von 0,19 Prozent per annum ist der ETC noch dazu relativ günstig – bestenfalls sogar günstiger als Xetra-Gold.
Dort fallen nämlich 0,025 Prozent des Bestandswerts im Monat für die Lagerung an, was rund 0,3 Prozent pro Jahr sind. Wie viel du tatsächlich zahlst, hängt von der Depotbank ab. Oft werden die Gebühren an die Kunden weiter gereicht – manche Brokern tragen sie aber auch selbst, sodass du dort Xetra-Gold kostenfrei halten kannst.






