Wieso es immer noch Zeit für Gold ist
Der Griff der USA nach Grönland zeigt, dass es die Welt von gestern nicht mehr gibt. In dieser Umbruchsphase ist das Edelmetall besonders gefragt – und sollte es auch bleiben. So kannst du investieren.
Georg Buschmann

Die USA wollen Grönland übernehmen – auf welchem Wege auch immer. Diese Botschaft dürfte nach dem Wochenende wohl auch der Letzte verstanden haben. Gestern nämlich kündigte US-Präsident Strafzölle gegen Nato-Staaten an, die Dänemark im Streit um die arktische Insel mit den USA unterstützen, darunter Deutschland.
Die Nato-Führungsmacht erpresst also Nato-Staaten, damit die ihrem Ansinnen, einem anderen Nato-Staat Staatsgebiet wegzunehmen, nicht im Weg stehen. So weit ist es mittlerweile gekommen. Wenn die Verbündeten der Allianz so miteinander umgehen, kann man sich in Russland und China gut ausrechnen, wie es um den Zusammenhalt im Ernstfall bestellt ist.
Etablierte Sicherheitsarchitektur ist tot
Die Sicherheits-Architektur nach dem zweiten Weltkrieg ist tot; die jüngste Episode dafür eigentlich nur eine Erinnerung. Schon im vergangenen Jahr hatte die derzeitige US-Regierung überdeutlich gemacht, dass sie Europa eher als Gegner denn als Verbündeten einstuft.
Das ist eine gewaltige Zäsur und die bringt Unsicherheit mit sich. Davon profitiert vor allem der Goldpreis, der seit Trumps Amtsantritt vor einem Jahr in Euro gerechnet um etwa die Hälfte zugelegt hat. Gold bezieht seine Stärke daraus, dass sich Investoren und ausländische Notenbanken weltweit verständlicherweise unabhängig machen wollen vom US-Dollar. Gold ist zudem gerade in Krisen oft weniger betroffen und schneller wieder auf alten Hochs als Risikoanlagen wie Aktien; ein "safe Haven" also, ein sicherer Hafen.
So lange die Welt im Umbruch bleibt und der alten Ordnung noch keine klare neue Ordnung gefolgt ist – kaputt machen geht in der Regel auch deutlich schneller als aufbauen –, sollte Gold als Anlage auch attraktiv bleiben. In einem ausgewogenen Misch-Portfolio aus Aktien, Anleihen und eben Gold macht das Edelmetall seinem Ruf als Stabilitätsanker aktuell mal wieder alle Ehre.
Gold ist der große Trump-Profiteur
Gold als Reaktion auf die Trump-Präsidentschaft ins Depot zu holen habe ich übrigens bereits vor knapp einem Jahr für sinnvoll gehalten. Es war damals richtig und gilt auch heute noch. Wer dabei sein will, kann sich über Gold-ETCs die Preisentwicklung des Edelmetalls sichern. Gängige ETCs, die den Goldpreis abbilden, sind etwa Xetra-Gold, Euwax Gold II oder Wisdom Tree Physical Gold.
Das sind börsengehandelte Schuldverschreibungen, die zu hundert Prozent mit Gold hinterlegt sind. Du kannst dir das Gold bei Bedarf auch ausliefern lassen – und hast einen Steuervorteil. Nach einem Jahr Haltedauer sind Gewinne in den ETCs steuerfrei. Wichtig dabei: Die Emittenten von Xetra-Gold und Wisdom Tree Physical Gold berechnen fürs Verwahren des hinterlegten Goldes laufende Gebühren. Bei Euwax Gold II wird die Gebühr einmalig fällig. Wann was vorteilhaft ist und welche Unterschiede es zwischen Xetra-Gold und Euwax Gold II gibt, habe ich dir hier aufgeschrieben.
Im Depot kann ein Goldanteil dann als Versicherung fungieren. Beruhigt sich die Lage und die Weltwirtschaft übersteht die derzeitig ausgetragenen geopolitischen Konflikte einigermaßen: Sehr gut, dann wird sich vermutlich auch der Aktienanteil deines Depots gut entwickeln und einen schwächeren Goldpreis könntest du verkraften. Bleibt die Lage wirtschaftlich und politisch aber so fragil und unübersichtlich wie derzeit, dürfte jeder froh sein, auch etwas Gold im Depot zu haben.






