Euro-Wirtschaft legt weiter zu - Deutschland löst sich aus Stagnation

Reuters · Uhr
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Berlin, 30. Jan (Reuters) - Auch dank der anziehenden Konjunktur in Deutschland startet die Wirtschaft im Euroraum mit Rückenwind ins Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsraum legte von Oktober bis Dezember zum Vorquartal um 0,3 Prozent ⁠zu, wie das EU-Statistikamt ‍Eurostat am Freitag auf Grundlage einer ersten Schätzung mitteilte. In einer Reuters-Umfrage hatten Ökonomen nur mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet, nach 0,3 Prozent im Sommerquartal. Im ‌Gesamtjahr sprang laut Eurostat im Euroraum auf Basis saison- und kalenderbereinigter Quartalsdaten ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent heraus.

Deutschlands Wirtschaft konnte sich in den ‍letzten drei Monaten des vorigen Jahres aus der Stagnation lösen. Das BIP legte von Oktober bis Dezember um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte: "Damit beendete die deutsche Wirtschaft das insbesondere für den Außenhandel turbulente Jahr 2025 im Plus." Dafür sorgten vor allem wachsende private und staatliche Konsumausgaben. Im dritten Quartal 2025 hatte es nur zu einer Stagnation gereicht, im zweiten war die ‍Wirtschaftsleistung sogar um 0,2 Prozent gesunken. "Das Plus im vierten Quartal ⁠zeigt, dass sich die deutsche Wirtschaft aus der Rezession gelöst hat", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Spanien verzeichnete im vierten Quartal sogar ein kräftiges Plus beim BIP von 0,8 Prozent. Italien schaffte wie Deutschland vor der Jahreswende ein ‍Wachstum von 0,3 Prozent. Das in einer Haushaltskrise steckende Frankreich brachte es hingegen nur auf einen Zuwachs von 0,2 Prozent. "Damit konnte Frankreich das besonders hohe ⁠Wachstum von 0,5 Prozent im dritten Quartal, das unter anderem durch hohe Exporte getrieben worden war, nicht wiederholen", erläuterte Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer.

Nach Daten aus den vier größten Volkswirtschaften des Euroraums dürfte vor allem der private Konsum das Wachstum angeschoben haben, so seine Analyse. ‍In den vergangenen zwei Jahren seien die realen Einkommen ‌spürbar gestiegen, was die privaten Haushalte allerdings teilweise dazu genutzt hätten, mehr Geld auf die hohe Kante zu legen. Nun schienen sie wieder einen höheren Anteil ihres Einkommens auszugeben, erklärte der Experte.

"NICHT AUF HOCHTOUREN"

"Der Konjunkturmotor läuft nicht auf Hochtouren, aber er läuft", so die Einschätzung von Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Für Impulse könnten demnach 2026 steigende Staatsausgaben sorgen. Für die Konjunktur dürfte die EZB laut dem Experten keinen Handlungsbedarf sehen.

Die Europäische Zentralbank berät am 5. Februar wieder über den Leitzins. Die Währungshüter beließen ihn im Dezember bei 2,0 Prozent. Angesichts des nachlassenden Inflationsdrucks hatte ⁠die EZB den geldpolitischen Schlüsselsatz von Mitte 2024 bis Mitte 2025 in mehreren Schritten halbiert und seither pausiert.

(Bericht von Reinhard Becker, Mitarbeit Rene WagnerRedigiert von Scot W. StevensonBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion ‍unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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