Anführer des gescheiterten Militärputsches von 1981 in Spanien ist tot
Madrid, 25. Feb (Reuters) - Der Anführer des gescheiterten Militärputsches von 1981 in Spanien, Antonio Tejero, ist tot.
Der ehemalige Oberstleutnant der Guardia Civil starb am Mittwoch im Alter von 93 Jahren, wie seine Anwaltskanzlei mitteilte. Sein Tod fällt auf denselben Tag, an dem die Regierung in Madrid geheime Dokumente zu dem Umsturzversuch freigab. Tejero war am 23. Februar 1981 mit gezückter Waffe in das Parlament eingedrungen, um die damals noch junge Demokratie zu beenden und eine Rückkehr zur Militärdiktatur zu erzwingen. Tejero starb den Angaben zufolge friedlich im Kreise seiner Familie in der ostspanischen Stadt Alzira. Sein Name bleibt untrennbar mit den dramatischen 17 Stunden verbunden, in denen das Schicksal der spanischen Demokratie auf Messers Schneide stand.
Fünf Jahre nach dem Tod des Diktators Francisco Franco und den ersten freien Wahlen wollte Tejero die Uhr zurückdrehen. Der Überfall auf das Parlament begann um 18.23 Uhr. Die Fernsehkameras liefen noch, als Tejero und weitere bewaffnete Angehörige der Guardia Civil den Sitzungssaal stürmten, in dem gerade eine neue Regierung gewählt werden sollte. Die Bilder der verängstigten Abgeordneten, die hinter ihren Bänken Schutz suchten, gingen um die Welt. Der Putschversuch gilt als die entscheidende Bewährungsprobe für die damals erst drei Jahre alte spanische Verfassung.
Das Scheitern des Aufstands festigte seinerzeit den Ruf von König Juan Carlos I. als Verteidiger der Demokratie. Der Monarch stellte sich in einer Fernsehansprache in Uniform gegen die Putschisten und auf die Seite der gewählten Volksvertreter. Da ihm der Rückhalt des Königs und weiterer Teile des Militärs fehlte, brach der Aufstand zusammen. Tejero ergab sich am nächsten Morgen.
Der 1932 in der Provinz Malaga geborene Tejero wuchs in einem militärischen Umfeld auf, das ihn tief prägte. Er verinnerlichte die Werte des Franco-Regimes: Antikommunismus und den Glauben an die Überlegenheit des Militärs über die zivile Gesellschaft. Nach dem Tod Francos 1975 radikalisierte sich der Offizier zunehmend. Er machte die Demokratie für alle Probleme Spaniens verantwortlich und wurde mehrfach wegen Befehlsverweigerung disziplinarisch belangt.
Bereits 1978, drei Jahre vor dem Sturm auf das Parlament, war Tejero in Verschwörungspläne verwickelt. In der sogenannten "Operation Galaxia" plante er mit anderen Offizieren, den Regierungssitz in Madrid zu besetzen. Der Plan flog auf, Tejero musste für sieben Monate in Haft. Für den Putsch von 1981 wurde Tejero zu 30 Jahren Haft verurteilt. Er nutzte die Zeit im Gefängnis, um eine rechtsextreme Partei zu gründen, die jedoch politisch bedeutungslos blieb. 1996 kam er vorzeitig frei und lebte fortan zurückgezogen. Seinen Lebensunterhalt besserte er unter anderem durch den Verkauf eigener Gemälde auf.
Reue zeigte Tejero nie. "Es hat mich meine Karriere und meine Freiheit gekostet, aber trotzdem bereue ich den Versuch nicht", sagte er 2021 in einem Interview für eine Biografie. Er blieb dem Andenken Francos bis zuletzt treu. Noch 2019 nahm er an der Umbettung des Ex-Diktators teil. Die Einschusslöcher, die Tejeros Männer 1981 in der Decke des Parlaments hinterließen, sind dort bis heute als Mahnmal zu sehen.
(Bericht von Charlie Devereux, Emma Pinedo and Joan Faus, geschrieben von Hans Busemann; Redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


