BASF warnt vor weiterem Krisenjahr – "Deutlicher Gegenwind" bis 2027

Reuters · Uhr
Artikel teilen:

Ludwigshafen, 27. Feb (Reuters) - Gewinneinbruch, Stellenabbau, trübe ⁠Aussichten: Der weltgrößte Chemiekonzern BASF geht in ein weiteres schwieriges Jahr und verschärft seinen Sparkurs.

"2026 wird voraussichtlich ein weiteres Übergangsjahr, in dem unsere Industrie mit deutlichem Gegenwind rechnen muss", sagte Vorstandschef Markus Kamieth am Freitag in Ludwigshafen. Eine schnelle Besserung sei nicht absehbar. "Aus heutiger Sicht rechnen wir kurzfristig weder mit einer nennenswerten Markterholung noch mit einer deutlichen Entspannung der geopolitischen Lage." Eine schrittweise Erholung des globalen Marktumfeldes erwartet der Manager erst später im Jahr und vor allem 2027.

Vor diesem Hintergrund geht BASF für 2026 von einem bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) zwischen 6,2 und 7,0 Milliarden ‌Euro aus. Nach 6,6 Milliarden Euro im Vorjahr schließt das sowohl einen Ergebnisanstieg als auch einen Rückgang ein. Der Start ins erste Quartal habe sich bereits "herausfordernd gestaltet", sagte Kamieth. Zwar hätten sich die Absatzmengen in China im Januar wegen des Neujahrsfestes dort sehr positiv entwickelt, die Nachfrage in den übrigen Regionen sei aber schwach geblieben. ⁠Gegenwind komme zudem von negativen ⁠Währungseffekten, die das Ergebnis allein im ersten Quartal mit bis zu 200 Millionen Euro belasten könnten. "Die meisten der angestrebten Verbesserungen werden wir aus eigener Kraft erzielen müssen", betonte Kamieth.

An der Börse sorgte der Ausblick für Enttäuschung: Die Aktie verlor zeitweise mehr als fünf Prozent. Die Analysten von JP Morgan äußerten Zweifel, ob auch nur das untere Ende der Prognose erreichbar ist. Ausgehend vom schwachen Schlussquartal ergebe sich hochgerechnet ein Ergebnis von rund 5,3 Milliarden Euro. Um zumindest 6,2 Milliarden zu erreichen, müsste sich das Geschäft im Jahresverlauf deutlich beleben.

SPAREN UND STELLENABBAU

Die gesamte Chemiebranche steckt in einer der schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Schwache Nachfrage, hohe Energiepreise, Überkapazitäten und wachsende Konkurrenz aus China setzen die Unternehmen unter Druck. BASF erhöht ‌daher das Ziel für die jährlichen Einsparungen bis Ende 2026 auf 2,3 Milliarden Euro. Bislang waren 2,1 ‌Milliarden Euro geplant. Die Beschleunigung der Kostenprogramme sei "alternativlos", sagte Finanzchef Dirk Elvermann. Ein zentraler Hebel sei der jüngst angekündigte Umbau der Serviceeinheiten. Pläne, dabei Stellen von Berlin nach Indien zu verlagern, sorgen für scharfe Kritik bei Mitarbeitern und Gewerkschaft. Wieviele Beschäftigte davon betroffen sein werden, ist noch nicht klar.

BASF baut bereits Stellen ab: Zwischen Ende 2023 und Ende 2025 sank die Zahl der Beschäftigten um ⁠4800, rund die Hälfte davon entfällt auf Deutschland. Die Zahl der Führungskräfte ging um elf Prozent zurück. Zudem werden die Investitionen gekappt: Von 2026 bis 2029 sollen die Sachinvestitionen auf ‌insgesamt 13 Milliarden Euro begrenzt werden - mehr als 30 Prozent weniger als in der Planung ⁠für 2024 bis 2027.

HEIMATSTANDORT TIEF IN DEN ROTEN ZAHLEN

Besonders unter Druck steht der defizitäre Heimatstandort Ludwigshafen. Er ist der Hauptgrund dafür, dass BASF in Deutschland im vergangenen Jahr operativ einen Milliardenverlust verbuchte. Die BASF SE, die im Wesentlichen für das Deutschland-Geschäft steht, schreibt damit bereits das vierte Jahr in Folge rote Zahlen. Für Kamieth ist die Sanierung des Standorts ein "Make-or-Break-Thema für die BASF-Gruppe". Ziel sei es, Ludwigshafen "schlanker, aber stärker" zu machen. "Ludwigshafen ist zu groß, um dauerhaft ein Drain zu ‌sein auf unsere Profitabilität", sagte er. "Deswegen ist der Anspruch, aber auch der Druck auf Ludwigshafen eben ⁠sehr, sehr groß."

Zwar sichert eine neue Standortvereinbarung die Jobs von rund 33.000 ⁠Beschäftigten bis Ende 2028, dennoch wird mit einem weiteren Personalabbau gerechnet. Für massive Unruhe unter den Beschäftigten sorgen zudem die Pläne zum Verkauf von Tausenden Werkswohnungen. Insgesamt sollen 4.400 Wohneinheiten veräußert werden, die sich mehrheitlich über das Stadtgebiet von Ludwigshafen verteilen.

NEUES WERK IN ÜBERVERSORGTEM MARKT

Während in Europa gespart wird, hat der neue Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang den Betrieb aufgenommen. Der Steamcracker dort sei im Februar bereits auf Volllast gelaufen, sagte Kamieth. Der Erfolg schütze jedoch nicht davor, "dass wir in China im Moment in einem sehr schwierigen Markt operieren". Die Preise stünden wegen hoher Überkapazitäten "enorm unter Druck". BASF gehe mit dem neuen Werk "in einen überversorgten Markt in China". Ab 2027 soll der Standort, an dem bereits rund 2000 Menschen arbeiten, einen positiven Ergebnisbeitrag liefern.

Für 2025 bestätigte BASF die bereits vorgelegten Zahlen: Der Umsatz sank um rund drei Prozent auf 59,7 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis fiel um mehr als neun Prozent auf 6,6 Milliarden. Der Nettogewinn stieg auf 1,6 Milliarden Euro, vor allem dank einer Erstattung von rund 900 Millionen ⁠Euro für in Russland enteignete Vermögenswerte der früheren Beteiligung Wintershall Dea. Weitere Bundesgarantien in Höhe von rund 800 Millionen Euro im ersten Halbjahr sollten die Ansprüche weitgehend abschließen, sagte Elvermann. Die Dividende soll mit 2,25 Euro je Aktie stabil bleiben.

(Bericht von Patricia Weiß, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für ‌Unternehmen und Märkte).)

Premium-Beiträge
Chartzeit Eilmeldung
Investment-Chance: Wenn der Markt einen Weltmarktführer übersiehtgestern, 14:58 Uhr · onvista
So reagieren die Märkte
Fünf Grafiken zum Waffenstillstand im Iran-Krieggestern, 12:15 Uhr · onvista
Inflation, Aktien, Anleihen
Was J.P. Morgan für den Rest des Börsenjahrs erwartet07. Apr. · onvista