Dax fällt zwei Prozent - Rüstungswerte gefragt - Reisebranche schwach

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran und dessen Vergeltungsschläge haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt auf Talfahrt geschickt. Der Grund: die Öl- und Gaspreise stiegen wegen des Krieges stark. Der Dax büßte am Montag in der ersten Handelsstunde 2,07 Prozent ein und fiel auf 24.760 Punkte.
Iran-Krieg dominiert die Schlagzeilen
Die Eskalation des Iran-Konflikts sorgt zum Wochenstart für Verunsicherung an den Finanz- und Rohstoffmärkten. Vor allem der Anstieg der Gas- und Ölpreise infolge der Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus birgt Risiken für die Weltwirtschaft. Die Straße ist ein Nadelöhr des weltweiten Energiehandels. Allerdings hatten sich die Angriffe der USA und Israels auf den Iran schon abgezeichnet, Panik an den Finanzmärkten gab es nicht.
Jetzt kommt es vor allem darauf an, ob der Konflikt länger dauert oder zügig beendet wird. "Bleibt es bei einem kürzeren Konflikt, werden die wirtschaftlichen Folgen jedenfalls begrenzt bleiben", erklärt der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.Der europäische Gaspreis schnellte am Montag zum Handelsstart um ein Viertel in die Höhe. Allerdings ist Erdgas damit gerade einmal so teuer wie zuletzt im Januar, als niedrige Temperaturen in weiten Teilen Europas und vergleichsweise niedrige Füllstände der Gasspeicher den Preis angetrieben hatten.Am Ölmarkt waren in der Nacht zum Montag die Notierungen für Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA in den ersten Handelsminuten ebenfalls stark gestiegen.
Brent erreichte in der Spitze den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl auf den höchsten Stand seit Juni 2025. Die Preise kamen danach aber rasch ein gutes Stück zurück. Für Brent mussten zuletzt noch 78,30 Dollar je Barrel (159 Liter) gezahlt werden, für US-Öl noch 71,71 Dollar. Das waren jeweils rund sieben Prozent mehr als vor dem Wochenende. Entscheidend sei nun die Dauer des Konflikts und ob und in welchem Umfang die Straße von Hormus wieder befahrbar werde, erklärte Analyst Michael Hsueh von Deutsche Bank Research in einer ersten Reaktion. Höhere Ölpreise, ein zunehmender Druck auf US-Präsident Donald Trump in der Heimat sowie die Priorität der Golfstaaten, ihre wirtschaftliche Stabilität zu sichern, seine einige der Schlüsselelemente mit Blick auf eine mögliche Deeskalation.Hsueh machte in einer Analyse drei wesentliche Szenarien auf.
Sollte die wichtige Ölhandelsroute nach zwei Wochen durch den Iran wieder freigegeben werden und iranische Ölexporte durch Schäden am Logistik-Hub auf der Insel Kharg nicht mehr eingeschränkt sein oder Reparaturen rasch vorankommen und die USA Exporte erlauben, würde der Brent-Preis nach einem Anstieg bis auf 80 Dollar wohl wieder auf 70 Dollar fallen. Sollten zumindest einige Schiffe das Nadelöhr noch passieren, rechnet der Deutsche-Bank-Experte mit einem Brent-Preis zwischen 80 und 100 Dollar. Im Falle einer kompletten Schließung der Straße von Hormus - etwa durch eine Verminung durch den Iran und andere Maßnahmen - würde der Brent-Preis wohl in Richtung 200 Dollar steigen. Da höhere Ölpreise die Wirtschaftsleistung drücken, starteten die Aktienmärkte überwiegend mit Verlusten in die Woche. Berechnungen der Europäischen Zentralbank zeigten, dass ein Ölpreisanstieg um 10 Prozent mittelfristig das Potenzialwachstum um 0,2 Prozent drücke, schrieb VP-Bank-Experte Gitzel. Zu einem ähnlichen Ergebnis kämen Berechnungen von Oxford Economics für die US-Wirtschaft. Das Potenzialwachstum ist ein Maß für die langfristige Wachstumsrate einer Volkswirtschaft bei normaler Auslastung.
Rüstungswerte gefragt - Reisebranche schwach
Die Aktien von Hensoldt, Renk und Rheinmetall waren mit einem Plus von sechs, vier und drei Prozent die stärksten Titel im HDAX am Morgen aus oben genannten Gründen. Die Aktien der Lufthansa und von Tui waren mit Abschlägen von gut sieben Prozent die stärksten Verlierer am Morgen. (mit Material von dpa-AFX)



